DBT Newsletter #13/2017

Kekse, Autos, Sneaker: Das Internet der Individualisierung

Einzelstücke aus dem Netz sind stark nachgefragt, Foto: APA (dpa)






Sie sind lange haltbar, lassen sich auch in kleinen Mengen gewinnbringend produzieren und sind robust im Versand. Gregor Stapper aus dem deutschen Städtchen Brilon kennt die Vorzüge von Keksen genau. Schließlich verdient der Bäckermeister sein Geld mit ihnen – mit einem Online-Versandhandel, in dem es individuell gestaltbare Kekse zu kaufen gibt.

Doch nicht nur das Gebäck lässt sich heute nach eigenen Wünschen im Netz zusammenstellen. Exotisch geht es auch bei anderen Lebensmitteln zu: Eine Leberwurst mit Champignons oder Banane? Ravioli mit Blutwurst und Apfel? Alles machbar. Wer im Netz lange genug sucht, findet für fast alles eine Seite zum Selbstgestalten: Kinderbücher, Urnen oder Kratzbäume. Manches scheint eher skurril als nützlich. „Dass es das gibt, heißt ja nicht, dass es sinnvoll ist. Vieles ist auch sehr in der Nische“, sagt Professor Frank Piller von der RWTH Aachen. Er forscht seit Jahren über die Produktion von Waren nach individuellen Kundenwünschen.

Digitale Konfiguratoren stammen aus dem Maschinenbau und der Medizintechnik und liefen dort zuerst auf den Computern der Vertriebsmitarbeiter, erzählt Piller. Gegen Ende der neunziger Jahre gingen erste Webseiten online. Einer der ersten Anbieter bot individualisierbare Schuhe an – doch es war noch zu früh. „Die Leute haben sich nicht einmal getraut, im Internet ein Buch zu bestellen – geschweige denn, einen Konfigurator zu nutzen“, sagt Piller.

Autokäufer konfigurieren Wunschfahrzeug im Netz

Heute ist das anders. Mit der zunehmenden Individualisierung von Produkten steige auch die Verbreitung von Online-Konfiguratoren, so Frank Termer vom deutschen IT-Verband Bitkom. Populäre Beispiele sind der Schuh-Konfigurator des Sportartikelriesen Nike oder der Müsli-Mischer von Mymuesli. Viele Autokäufer bestellen ihr Wunschfahrzeug längst im Netz, bevor sie zum Händler gehen – oder es gleich via Internet ordern.

„Die Bedürfnisse der Kunden werden individueller“, sagt Ralf Scharnhorst vom Deutschen Marketing Verband. Ihm zufolge sind die Online-Konfiguratoren auch ein Sprung zurück in die Zeit vor der industriellen Massenfertigung. Heute sei es möglich, viele Güter passgenau herzustellen und dabei dennoch profitabel zu sein. Bäcker Stapper etwa baute eine Maschine, um Muster in Kekse prägen zu können. Diese sei beim Patentamt zur Vorlage angemeldet. Auch die richtige Teigmischung galt es zu finden.

Doch Konfiguratoren dürfen Kunden auch nicht überfordern. „Das ist so eine Gratwanderung“, sagt Piller. So darf die Zahl der Auswahlmöglichkeiten nicht zu groß sein. Zudem sollte der Nutzer die Reihenfolge der Gestaltung bestimmen können – etwa beim Maßhemd: Der eine Nutzer will den Kragen wählen, der andere nur Muster und Farbe gestalten. Wenn er sich vorher erst durch viele Kragenvarianten und Passformen klicken muss, bricht er schlimmstenfalls genervt ab.

Eher zur Kundenbindung als zur Umsatzsteigerung

Für Firmen in der Nische können Konfiguratoren eine Chance sein. Doch Marketing-Experte Scharnhorst sieht Grenzen: „Den Umsatz damit zu steigern, ist nicht so leicht, wie man denkt.“ Für Unternehmen seien sie vor allem eine Chance, Kunden zu binden und besser kennenzulernen. Dabei funktioniert ein Konfigurator wie Marktforschung. Denn wer die Kunden gut kennt, kann so auch neue Produkte entwickeln. Mymuesli etwa verkaufe viele fertige Mischungen, sagt Professor Piller. „Die wissen, was für Kombinationen gut funktionieren und bieten diese an.“

Wo geht die Entwicklung hin? Mit einem speziellen Programm kann etwa ein Tischler online einen 3D-Konfigurator für Möbel anbieten, mit dem Nutzer passgenaue Tische oder Schränke entwerfen. Auch die immer ausgereiftere 3D-Druck-Technik macht mehr Sonderwünsche möglich. Jedoch müssen Forschung und Industrie hier aus Sicht von Piller noch praktischere Lösungen finden. „Fast alle Konfiguratoren in dem Bereich sind noch zu kompliziert.“

Von Tom Nebe, dpa


Nach Cyber-Attacke: Wirtschaftskammer startet „Austrian Cloud“

Datensicherung gewinnt wegen Cyber-Angriffen an Bedeutung, Foto: APA (dpa)





Österreichische Cloud-Anbieter sollen künftig mit dem Zertifikat „Austrian Cloud“ gekennzeichnet werden. Das sagte Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting, bei einer Pressekonferenz in der Wiener Wirtschaftskammer. „Die Cyber-Angriffe der letzten Wochen haben uns gezeigt, wie wichtig heimische Datensicherung ist.“

Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Wiener Unternehmer wissen nicht, wo ihr Dienstleister ihre Daten speichert. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftskammer unter 240 Wiener Unternehmen. „Hier haben wir Aufholbedarf“, sagte Heimhilcher. „Die Unternehmer wissen meist nicht, dass internationale Cloud-Anbieter ihre Daten im Ausland, oft außerhalb der EU speichern.“ 87 Prozent der Befragten sei es jedoch ein Anliegen, zu wissen, wo die Daten gespeichert sind.

„Was wir brauchen, sind Qualitätsstandards“, forderte Martin Puaschitz, Obmann der Wiener Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT), mit Blick auf die Politik. „Denken Sie an Ärzte, die persönliche Patientendaten in irgendeine Cloud schieben, ohne zu wissen, ob diese zertifiziert ist.“ Dabei entscheide der Standort über Rechtssicherheit, mögliche staatliche Eingriffe und Haftungen gegenüber Unternehmen als Cloud-Kunden.

100 Teilnehmer bis Jahresende angestrebt

Das Zertifikat „Austrian Cloud“ könnte Abhilfe schaffen und Qualität sichern. Bis Jahresende sollen 100 österreichische Unternehmen dieses Herkunftssiegel erhalten, „ein ambitioniertes Ziel“, sagte Heimhilcher dazu. Neben dem Standort Österreich werden Datenschutz, Sicherheit, rechtliche Konformität und technische Infrastruktur beachtet. Cloud-Dienstleiter können auch jetzt schon im Firmen A-Z der Wirtschaftskammer den Vermerk „Data stored/saved in Austria“ hinterlegen. 35 Unternehmer haben laut Wirtschaftskammer davon bisher Gebrauch gemacht.

Cloud-Technologie ist einer der am schnellsten wachsenden Sektoren in der IT-Branche. Anstelle IT-Ressourcen wie Server oder Anwendungen in unternehmenseigenen Rechenzentren zu betreiben, sind diese bei Cloud-Anbietern bedarfsorientiert und flexibel in Form eines dienstleistungsbasierten Geschäftsmodells über das Internet oder ein Intranet verfügbar.


Start-up-Initiative für kommerziell verwertbare Uniforschung

Neue Initiative fördert u.a. App, die den Gesundheitszustand erkennt, Foto: APA (dpa)





Ein Smartphone, das Herzprobleme erkennt, oder eine elektronische Zunge, die die Bitterkeit von Nahrungsmitteln und Medikamenten beurteilt: Diese an heimischen Unis entwickelten Erfindungen werden im Rahmen einer neuen Initiative des universitären Gründerservice „INiTS“ gefördert. Nach der erfolgreichen Pilotphase wird das Programm nun breiter ausgerollt.

Die Initiative „START:IP“ macht kommerziell spannende Forschungsergebnisse österreichischer Universitäten ausfindig und bietet sie potenziellen Gründern für den Aufbau von Start-ups an, berichtet INiTS in einer Aussendung. Auf diese Weise sollen Gründungsinteressierte Ideen finden und Unis bisher ungenutzte Entdeckungen weiterentwickelt und vermarktet sehen. Obwohl die Pilotphase auf wenige Unis in Wien begrenzt war, habe man rasch zahlreiche geeignete Forschungsleistungen identifiziert, so INiTS-Geschäftsführerin Irene Fialka. Das Potenzial und Interesse sei auf beiden Seiten hoch.

Noch während der Pilotphase wurden etwa Gründer für die in Entwicklung befindliche App des Projekts „Heartshield“ gefunden, das den akuten Gesundheitszustand von Menschen erkennt. Hält man einen Finger 60 Sekunden lang vor die Kameralinse des Smartphones, misst die App den Sauerstoffgehalt im Blut und ermittelt die Herzfrequenz. Auf künstlicher Intelligenz beruhende Algorithmen erkennen so mit hoher Wahrscheinlichkeit Blockaden der Arterien.

Elektronische Zunge ermittelt Bitterkeit

Weitere Projekte im Portfolio seien eine elektronische Zunge, ein Test zur objektiven Beurteilung der Bitterkeit von Nahrungsmitteln und Pharmazeutika, ein „Data Warehouse“ für Open Data-Portale sowie eine Substanz, die eine bakterielle Infektion von Bienenvölkern verhindern könne.

Nach der Pilotphase wird START:IP auf die meisten Wiener Universitäten, die Technische Universität (TU) Graz und die Universität Graz ausgeweitet. Auch internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen stehe die Initiative offen, sei es als Technologiegeber bzw. -verwerter oder als Investor. Künftig werden zudem „Matching Days“ zur Vermittlung von passenden Gründerteams und deren Betreuung und Beratung bis zum „Pitching Day“, angeboten: An diesem Tag stellen die hoffnungsvollen Entrepreneure ihre dann geschäftsreife Idee möglichen Geldgebern vor.

Service: www.startip.eu


Blockchain-Technologie beschäftigt immer mehr Manager

Oliver Gahr stellte umfangreiche Untersuchung zum Thema vor, Foto: IBM

Die durch die Kunstwährung Bitcoin bekannt gewordene Blockchain-Technologie beschäftigt immer mehr Manager. Laut einer IBM-Studie gab ein Drittel von weltweit fast 3.000 befragten Führungskräften an, Blockchain in ihrem Unternehmen entweder bereits zu nutzen oder dies in Betracht zu ziehen. Die meisten wollen damit finanztechnischen Veränderungen begegnen oder neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Diese globale Studie sei die bisher umfangreichste Untersuchung zu diesem Thema und Teil einer Reihe von sogenannten „C-Suite“-Studien (der Buchstabe „C“ steht für „Chief“), teilte IBM anlässlich eines Pressegespräches mit Oliver Gahr, Blockchain Leader DACH, in Wien mit. Die Studien beruhen auf Interviews mit Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen.

Führungskräfte sehen die Blockchain-Technologie als Chance, weil sie neue Transaktionsmöglichkeiten mit mehr Vertrauen, Transparenz und Nachvollziehbarkeit innerhalb von Partnernetzwerken erlaube und neue Wettbewerbsvorteile eröffne, so IBM. 60 Prozent der befragten Top-Manager gaben an, noch nicht genug darauf vorbereitet zu sein. Acht von zehn der Befragten, die mit Blockchain schon experimentieren, sagen, dass sie die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern nicht gewohnt sind.

„Mit Blockchain wird es möglich, dass alle Beteiligten zur selben Zeit den selben Vorgang im Blick haben“, so Brigid McDermott, bei IBM für die Blockchain-Geschäftsentwicklung zuständig. Eine IBM-Studie unter Schweizer Unternehmen zeigt weiters, dass nicht nur Unternehmen im Finanzwesen sondern vor allem im Distributionssektor am intensivsten an Blockchain-Lösungen arbeiten. Dazu zählen Konsumgüter, Einzelhandel, Pharma, IT-Dienstleistungen und der Transport. Viele der befragten Unternehmen erwarten einen Markteinfluss der Blockchain-Technologie ab 2019. Als Hemmnisse angesehen werden fehlende Standards und regulatorische Auflagen.


Service:

AVP: Bewegte Bilder bewegen den Online-Werbemarkt 

Foto: APA

Die Austria Videoplattform ist ein nationaler Schulterschluss österreichischer Medien zur Forcierung von News-Video-Content. Die Performance entwickelt sich seit dem Start am 1.1.2017  erfreulich ansteigend. Mit der von der APA betriebenen AVP ist in Österreich erstmals eine „kritische Masse“ an Videoverbreitung für den Online-Werbemarkt geschaffen worden (technische Online-Reichweite rund 75 Prozent).

Im Moment sind zwölf Verlage als Video-Ausspieler und fünf TV-Anstalten als Video-Lieferanten dabei (mit dem ORF als größtem Anbieter). Der professionelle Video-Content ist ein Mix aus internationalen, nationalen, regionalen und Feature-Themen. Der Nutzen für die User: echtes multimediales Storytelling durch Text, Foto, Grafik und nun eben auch Video. Finanziert wird die AVP durch Onlinewerbung, Technisch realisiert von der APA-IT mit der sdo (Adserver).

Von Werner Müllner (APA)

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DBT-Blog: Diese 7 Aspekte beachten erfolgreiche Werbetreibende bei datenbasiertem Marketing

Maresa Wolkenstein, Foto: styria digital one



Maresa Wolkenstein, styria digital one

An der Schnittstelle zwischen Konsument und Marke treffen zwei Erwartungshandlungen aufeinander: Verbraucher erwarten sich persönliche und relevante Botschaften, Werbetreibende wollen die „richtigen“ Menschen in der jeweils passenden Situation erreichen. Genau an diesem Punkt setzt datenbasiertes (= data-driven) Marketing an, um gelungene Markenkommunikation zu ermöglichen. Bevor sich Marketer jedoch in spezifischen technologischen Lösungen verlieren, gibt es einige grundlegende Punkte für die Umsetzung der eigenen Daten-Strategie zu bedenken. ...

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