DBT Newsletter #13/2016

Smartphones und Breitband lösen Boom bei Datenverkehr aus

Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen, Foto: APA (dpa)









Weniger Gespräche am Handy, ein stagnierender SMS-Verkehr, dafür ein massiv gestiegener mobiler Datenfluss: Dieses Bild kennzeichnete das Telefonieverhalten der Österreicher im Vorjahr. Die drei Mobilfunkbetreiber A1, T-Mobile und „3“ legten 2015 wieder zu und lukrierten Umsätze in Höhe von über vier Mrd. Euro.

Die Österreicher verschickten im Jahr 2015 Unmengen an Daten über ihre Rechner und Smartphones. Innerhalb eines Jahres hat sich das jährliche mobile Datenvolumen von 181,71 auf 318,91 Millionen Gigabyte hinaufkatapultiert. „Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen“, erklärte der Vizepräsident des Forums  Mobilfunk, Lothar Roitner, bei der Vorstellung der Vorjahreszahlen.

3,65 Stunden Telefonieren im Monat

Mit der technologischen Aufrüstung von Smartphones und dem bisher schnellsten Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution, 4G) verlieren altbewährte „Kulturtechniken“ wie Telefonieren und SMS-Versand zunehmend an Bedeutung. Bei den Gesprächsminuten gab es  einen Rückgang von 21,7 Mrd. auf knapp über 21 Mrd. Minuten. Konkret verbringt der durchschnittliche heimische Handybesitzer aber immer noch 3,65 Stunden im Monat mit Telefonieren.

Ähnlich verhält es sich mit SMS. Durch die Konkurrenz der Social-Media-Konkurrenten Whatsapp, Facebook und Co. hat ihre Zahl in der Vergangenheit kontinuierlich abgenommen. Zwar wurden im Jahr 2015 mit 4,8 Mrd. verschickter SMS wieder eine leichte Zunahme vermeldet, was aber nicht als Ende der Stagnation zu lesen ist. „Die Decke ist erreicht“, glaubt FMK-Vize Roitner.

Ende des vergangenen Jahres waren 13,6 Millionen aktive SIM-Karten in Österreich im Umlauf. Mit dem stärkeren Einsatz von SIM-Karten im Bereich M2M, der Kommunikation von Maschine zu Maschine, rechnen die Forum-Verantwortlichen mit einer SIM-Kartenverbreitung von 50 Millionen Stück bis ins Jahr 2020. Denn die SIM-Karte wird der wichtigste Träger für die technologische Vernetzung der Besitzer mit ihren Eigenheimen, Wohnungen und Fahrzeugen.

Anbieter fuhren Umsatzplus ein

Die drei Mobilfunkanbieter in Österreich haben im Vorjahr jedenfalls gut verdient. A1, „3“ und T-Mobile Austria wiesen 2015 Umsätze in Höhe von 4,09 Mrd. Euro aus, was einem Plus von drei Prozent entspricht. Damit zeigten die Erlöse erstmals seit vier Jahren wieder eine positive Entwicklung. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wurde eine Zunahme von 70,2 Prozent erzielt, in Summe betrug das gemeinsame Ebitda 2,06 Mrd. Euro.

Übernahmen, Beteiligungen und Investitionen in Frequenzen sind verdaut, alle drei Anbieter wiesen im Vorjahr ein zweistellig höheres Betriebsergebnis aus. „Riesengewinne“ (A1), kräftige Kundenzuwächse („3“) und ein erfolgreiches B2B-Geschäft (T-Mobile) lassen die Betreiber den Wegfall der Roaminggebühren im nächsten Jahr mit weniger Sorge betrachten. Aber der Verlust der Gebühren von Millionen an Touristen, die jährlich Österreich besuchen, schmerzt dennoch.


RTR sieht Netzneutralität durch neue EU-Regeln nicht gefährdet

Aktivisten sind allerdings anderer Meinung, Foto: Arbeitskreis Vorratsdaten






Die umstrittene EU-Verordnung zur Netzneutralität ist seit Ende April in Kraft. Weil die Materie komplex ist und das Regelwerk viel Interpretationsraum lässt, wurden die europäischen Regulatoren (BEREC) beauftragt, Leitlinien zur Anwendung zu erlassen. Ein Entwurf wurde nun präsentiert – und von Aktivisten heftig kritisiert. Die RTR in Österreich sieht das offene Internet hingegen nicht gefährdet.

„Ich persönlich glaube nicht, dass da jetzt irgendwelche Großkonzerne bevorzugt werden“, sagte RTR-Chef Johannes Gungl in Wien vor Journalisten. Durch die neue EU-Verordnung stehe die Netzneutralität, also die Gleichbehandlung bei der Übertragung von Daten, nicht auf dem Spiel. Vielmehr hätten die Regulatoren erstmals die Möglichkeit, Verstöße aufzugreifen. Wichtig sei, dass die europäischen Behörden einheitlich vorgehen.

Die in Brüssel präsentierten vorläufigen Richtlinien der EU-Regulatoren sind aus der Sicht von Gungl aber erst „der Versuch einer Klarstellung“ respektive „der Anfang der Geschichte“. „Wir werden ohnedies erst in den nächsten Jahren sehen, wie die Verordnung zu interpretieren ist.“ Der RTR-Chef rechnet mit „sehr vielen Gerichtsentscheidungen“ und auch einigen Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH).

Konsultationsfrist bis 18. Juli

Die endgültigen Leitlinien muss BEREC bis 30. August präsentieren. Bis 18. Juli läuft die Konsultationsfrist, Gungl hofft auf eine starke Beteiligung aus Österreich an der Diskussion. „Es geht bei der Netzneutralität um extrem wichtige Themen, um Meinungsvielfalt, Demokratie und um das Internet als Wirtschaftsmotor“, sagte der Regulator. Dass die Konsultationszeit nur sechs Wochen läuft, „ist nicht ganz optimal“, räumt Gungl ein.

Die kurze Zeitdauer ist nicht der einzige Kritikpunkt an dem Leitlinienentwurf. In ganz Europa sind Netzaktivisten auf die Barrikaden gestiegen, in Wien haben Hunderte vor dem RTR-Gebäude auf der Wiener Mariahilfer Straße demonstriert. „Das sind engagierte Mitglieder der Zivilgesellschaft, die sich über gewisse Dinge Sorgen machen. Wir haben damit überhaupt keine Probleme“, meinte Gungl dazu.

Einer der umstrittenen Punkte der Verordnung ist das sogenannte Zero Rating – also wenn ein bestimmter Datenverbrauch etwa durch einen Musikstreamingdienst dem Endkunden nicht angerechnet wird. Prinzipiell verletzt Zero Rating das Prinzip der Netzneutralität, die EU untersagt es aber nicht generell. Die Verordnung verbiete primär die technische Diskriminierung, erläuterte die RTR: Innerhalb des inkludierten Datenvolumens sei Zero Rating – bei Gleichbehandlung des gesamten Verkehrs – zulässig. Außerhalb des Datenvolumens dürfe gedrosselt bzw. gesperrt werden. Dies gelte für den gesamten Verkehr, ohne Ausnahmen. Netzaktivisten hätten gerne, dass Zero Rating ausdrücklich verboten wird, wie etwa in Indien.

Zero Rating kann problematisch sein

In Österreich setzt der Mobilfunkanbieter „Drei“ Zero Rating ein – beim Musikdienst Spotify wird den Kunden der Datenverbrauch nicht angerechnet. Die RTR wird sich das „genau anschauen“, kündigte Gungl an. Es gehe darum, wie das Modell technisch und ökonomisch aufgesetzt ist. Prinzipiell seien Musikstreamingdienste nicht die großen Datenfresser. „Wenn aber natürlich Spotify nicht gedrosselt wird und andere Dienste schon, wäre das eine technische Diskriminierung“, erläuterte der Regulator. Ob Zero Rating zulässig ist oder nicht, werde in Zukunft immer im Einzelfall entschieden werden.

Das Thema Spezialdienste erläuterte die RTR ebenfalls. Nach den neuen Regeln dürfen Provider solche Spezialdienste anbieten, wenn eine bestimmte Qualität sichergestellt werden muss. Beispiele dafür sind Voice over LTE (VoLTE, Internettelefonie) und lineares Fernsehen über IPTV. Das von A1 (Telekom Austria) angebotene Fernsehen darf also laut RTR als Spezialdienst behandelt werden. Nicht-lineare Teile des derzeitigen IPTV-Angebots sollten hingegen innerhalb der kommenden drei Jahre zumindest technisch vom linearen Teil getrennt werden und dürfen danach nicht mehr als Spezialdienst transportiert werden. „Wir glauben nicht, dass ein Zwei-Klassen-Internet entstehen wird“, beruhigte Gungl. Durch die neuen Anforderungen für Spezialdienste würden vielmehr die von Netzaktivisten befürchteten „Überholspuren“ verhindert.


Handel zeigt Interesse an Lieferrobotern

Starship-Gefährt kann bis zu 15 Kilo transportieren, Foto: Starship





Die Vision hat einen Hauch von Science-Fiction: Lieferroboter, die vollautomatisch unterwegs sind und sich die Gehwege mit Menschen teilen. Doch Unternehmen wie Metro (Real, Media-Markt, Saturn) sind sehr interessiert: Die Firma holte das Gefährt des in Estland beheimateten Entwicklers Starship für eine Testlieferung auf das Gelände der Düsseldorfer Zentrale. Und auch der Paketdienst Hermes will die Zustellung mit Starship-Robotern ausprobieren.

Das etwa kniehohe Fahrzeug erinnert äußerlich an einen großen Mars-Rover mit Fracht-Fach. Und die amerikanische Pizza-Kette Domino's hat einen ähnlichen Prototyp entwickelt, der vielleicht einmal Pizzaboten ersetzen könnte. Starship wolle spätestens im kommenden Jahr irgendwo auf der Welt mit einem kommerziellen Service starten, sagt Allan Martinson, der bei der Firma für das operative Geschäft zuständig ist. „Deutschland ist ein sehr interessanter Markt für uns.“ Daneben sieht Starship auch die USA und Großbritannien als Kernmärkte. Ein Vorteil von Deutschland seien neben der zahlungskräftigen Kundschaft aber auch die guten Straßen und Gehwege sowie Städte ohne großen Menschenandrang.

Nach Vorstellungen von Starship könnte einmal ein Mensch am Steuerpult jeweils eine Flotte aus 50 bis 100 autonomen Lieferrobotern überwachen. Doch davon ist man heute noch weit entfernt. Gerade erst absolvierte ein Prototyp in Kalifornien die erste wirklich autonome Fahrt, ohne per Funk gesteuert zu werden. Dass Metro den Starship-Roboter nur auf dem Firmengelände fahren lässt, hat auch einen Grund. Nach aktueller Rechtslage bräuchte ein Lieferroboter in Deutschland eine Ausnahmegenehmigung, um draußen unterwegs zu sein, sagt der für Beziehungen zu Behörden zuständige Manager Christoph Moosbauer.

In Österreich erlaubt

Die Regulierung ist eine zentrale Hürde für die Geschäftsidee, wie auch Martinson einräumt. Die Situation ist von Land zu Land unterschiedlich. In Österreich etwa könne der Roboter sofort auf die Straße, in Deutschland sei der Betrieb solcher Fahrzeuge bisher grundsätzlich nicht geregelt.

Der Starship-Roboter kann zwei bis drei Einkaufstüten mit einem Gesamtgewicht von bis zu 15 Kilo auf eine Entfernung von rund fünf Kilometern transportieren. Die Räder sind so konzipiert, dass er auch Bordsteinkanten bewältigen kann. Aktuell ist vorgesehen, dass die Maschine nach jeder Runde für kurze Zeit an die Ladestation geht.

Die Technik ist ähnlich wie bei manchen selbstfahrenden Autos – der Starship-Roboter behält die Umwelt mit neun Kameras im Blick und soll entsprechend reagieren. Der Aufseher hat Zugriff auf die Kameras und kann sich bei Bedarf auch mit dem Kunden oder Passanten unterhalten. Bei dem zusammen mit der australischen Firma Marathon Targets entwickeltem Fahrzeug von Domino's kommt auch ein Laser-Radar wie bei den Google-Autos zum Einsatz. Die Pizza-Kette testete ihr DRU (Domino's Robotic Unit) in einigen ruhigen australischen Wohnstraßen in Queensland.

Einen Euro pro Runde

Der Roboter selbst kostet einige tausend Euro. Der Preis soll sinken, wenn mehr Fahrzeuge produziert werden. Die wichtigere Frage sei jedoch, was eine Zustellung kosten werde, inklusive der Kosten für Netz, Strom und Service, sagt Martinson. Starship peilt dafür einen Preis von einem Euro pro Runde an – „ich würde davon ausgehen, dass bei diesem Niveau ein Händler das einfach übernimmt“. Interesse gebe es nicht nur von Handelsketten, sondern  auch von kleineren Händlern, die einen Lieferservice erwägen.

Starship will Geld mit dem Betrieb der Fahrzeuge verdienen, auch wenn Händler sich die Roboter im Prinzip kaufen und sie selber betreiben könnten. Möglicherweise würden Zustell-Roboter in der Zukunft auch wie Taxis zwischen Geschäften und Kunden fahren. Der Betreiber – in den meisten Fällen wohl Starship – werde die Haftung bei möglichen Zwischenfällen übernehmen. Er rechne aber damit, dass es dank der Kamera-Systeme und Software keine großen Probleme geben werde. „Was uns am meisten überrascht hat, ist, dass die Leute auf der Straße die Roboter viel weniger beachten als wir dachten“, sagt er.



Service

Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA








Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


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