DBT Newsletter #12/2017

Neues Datenschutzgesetz: Unternehmen drohen empfindliche Strafen

Alle, die mit personenbezogenen Daten arbeiten, sind betroffen, Foto: APA (dpa)






Das neue Datenschutzgesetz, das am 7. Juni im Ministerrat beschlossen wurde, sieht empfindliche Strafen für Unternehmen vor, die gegen die neuen Bestimmungen verstoßen. „Künftig wird ein Strafrahmen bis zu 20 Mio. Euro bestehen oder 4 Prozent vom globalen Konzernumsatz, je nach dem, was rechnerisch höher ist”, sagt der auf Datenschutzfragen spezialisierte Rechtsanwalt Rainer Knyrim.

Die geplanten gesetzlichen Änderungen gehen auf die vor etwas mehr als einem Jahr beschlossene Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU zurück, die formal zwar gültig ist, aber deren Anwendung bis 25. Mai 2018 ausgesetzt wurde. Ursprünglich sei eine einheitliche europäische Verordnung geplant gewesen, allerdings habe man sich auch nach vierjähriger Diskussion auf europäischer Ebene nicht über alle Punkte einigen können, darum habe man diese Punkte der nationalen Regelung überlassen. „Ein solches Thema ist zum Beispiel der gesamte Bereich der Arbeitnehmerdatenverarbeitung”, erklärte Knyrim.

„Es trifft wirklich jeden, der mit personenbezogenen Daten arbeitet”, unterstrich der Experte die Bedeutung der neuen Datenschutzregeln. „Die Unternehmen beschäftigen sich mit diesem Thema so intensiv wie in den letzten 20 Jahren nicht.” Zu beachten seien „einige wenige, sehr klare Grundprinzipien”. Das erste Prinzip sei, dass man immer eine Rechtsgrundlage brauche, um Daten überhaupt verarbeiten zu dürfen. „Das Datenschutzgesetz ist eigentlich ein Verbotsgesetz. Es ist grundsätzlich einmal alles verboten, außer es liegt eine Ausnahme vor, dass ich etwas tun darf.”

Gesammelte Daten zweckgebunden

Darüber hinaus dürften nicht mehr Daten abgefragt werden als wirklich notwendig, man müsse dafür sorgen, dass sie richtig und auf dem aktuellen Stand seien, ihre Integrität und Vertraulichkeit gewährleistet sei und sie auch nur so lange gespeichert werden, wie man sie tatsächlich benötige. Ein wichtiger Punkt sei auch die Zweckbindung der gesammelten Daten, erklärte Knyrim und führte als Beispiel den aktuellen Fall einer Tageszeitung an, die in den Geschäftsbedingungen für ein Test-Abo von den Kunden deren Zustimmung eingeholt habe, ihre Daten für Werbezwecke verwenden zu dürfen. Das habe die Datenschutzbehörde als unzulässig beanstandet.

„Das Unternehmen hat zwei Monate Zeit bekommen, die Empfehlung der Datenschutzbehörde umzusetzen. Tut es das nicht, dann könnte die Datenschutzbehörde, die derzeit noch nicht Strafbehörde ist, das Unternehmen bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde anzeigen. In Zukunft hat die Datenschutzbehörde selbst die Möglichkeit, 20 Mio. Euro Strafe zu verhängen.”

Auch Google kann gestraft werden

Unter das europäische Datenschutzrecht fallen auch Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern, die auf dem europäischen Markt tätig sind. „Das heißt, Google kann dann auch bestraft werden. Es ist dann die Frage: Wie holt man sich das Geld?” Grundsätzlich gelte die Verordnung auch für Behörden und im öffentlichen Bereich. „Es gibt aber parallel zur Verordnung eine Richtlinie für die ganzen Agenden in Polizei, Justiz usw. Diese Richtlinie wird jetzt auch in österreichisches Recht umgesetzt.”

Für den börsennotierten österreichischen Softwarehersteller Fabasoft ist die Datenschutz-Grundverordnung eine Geschäftschance. Fabasoft bietet eine Software an, die es den Unternehmen erleichtern soll, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Mit den gängigen Programmen sei es schwierig, komplexe Berechtigungsstrukturen für einzelne Datensätze zu erstellen. „Bei uns ist das von Grund auf so aufgebaut, dass zu jedem Informationselement auch die entsprechenden Geschäftsregeln und Verantwortlichkeiten definiert werden.”

WhatsApp und Co. sind „neue Seuche”

Cloud-Dienste wie Dropbox „kann man meiner Meinung nach als Unternehmen nicht verwenden”, meint Knyrim, weil deren Datenschutzerklärungen „völlig nichtssagend und wischi-waschi sind”. Messenger-Dienste wie WhatsApp sind nach Ansicht von Knyrim überhaupt „die neue Seuche” für die Unternehmen, weil viele ihre Geschäfte per WhatsApp abwickeln und dann nicht dokumentieren könnten.

Die komplette Neufassung des Datenschutzgesetzes ist übrigens gerade erst abgesagt worden. Da das von der Regierung geschnürte Gesetzespaket an der notwendigen Zweidrittelmehrheit im Nationalrat zu scheitern drohte, haben sich SPÖ und ÖVP laut Parlamentskorrespondenz auf eine Novellierung des geltenden Gesetzes ohne Verfassungsänderungen verständigt. Die Opposition kritisierte die Vorgangsweise. In Kraft treten soll die Gesetzesänderung wie geplant im Mai 2018.


IBM setzt verstärkt auf Geschäft mit Wetterdaten

Globaler Wettermarkt wird auf 88 Mrd. US-Dollar geschätzt, Foto: IBM






Der weltweit größte IT-Dienstleister IBM hat ein neues und offensichtlich lukratives Geschäftsfeld entdeckt. Während sich andere globale IT-Player wie Google oder Facebook auf die Vermarktung von personenbezogenen Daten spezialisiert haben, setzt IBM auf den Verkauf von wetterbezogenen Daten – einen zig-Milliarden US-Dollar schweren Markt.

Einen wesentlichen Schritt dazu hat der US-amerikanische Hard- und Softwarekonzern Anfang 2016 mit dem Kauf von Teilen des weltweit größten privaten Wetterdienstleisters „The Weather Company” für über 2 Mrd. US-Dollar (1,79 Mrd. Euro) gemacht. „Das war die beste Akquisition”, sagte Alex Rutter, Managing Director für Europa, den Mittleren Osten und Afrika von The Weather Company bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Auf 88 Mrd. US-Dollar schätzt Rutter den globalen Wettermarkt. Alleine in den USA hätten sich die wirtschaftlichen Einbußen durch Wetter über alle Branchen betrachtet im Jahr 2016 auf eine halbe Billion US-Dollar summiert.

Mit der Weather Company hat IBM nicht nur einen riesigen Berg an Wetterdaten übernommen, sondern auch eine der größten globalen Internet-of-Things (IoT)-Plattformen. Das Unternehmen kann weltweit täglich auf Wetterdaten von über 50.000 Flügen, mehr als 250.000 privaten Wetterstationen und von Millionen Smartphones zugreifen. Mehr als 160 Meteorologen sind ebenfalls eingebunden. In Österreich besteht das Netzwerk aus den 131 staatlichen und über 4.000 privaten Wetterstationen.

Alle fünf Minuten werden die Daten abgefragt, und alle 15 Minuten werden für rund 2,2 Milliarden Standorte weltweit lokale Vorhersagen getroffen. Monatlich greifen mehr als 225 Millionen Verbraucher und 50 Mio. Smartphone-Besitzer auf die Wetterdaten zu. Im Vorjahr wurden 5,7 Milliarden Wetterwarnungen verschickt.

Jeden Tag werden mehr als 400 Terabyte an externen Daten analysiert. Insofern hat IBM mit der Weather Company auch eine neue Verwendung für sein auf Datenanalyse und künstliche Intelligenz spezialisiertes System „Watson” gefunden. Während Google täglich rund 9 Mrd. Rechenoperationen ausführe, seien es bei der Weather Company 29 Mrd. Die Wetterdatenplattform ist auch in die IBM-Cloud eingebunden.

Wetter beeinflusst Geschäft

„Das Wetter beeinflusst, was man kauft”, so Rutter. Wetter sei einer der größten externen Einflussfaktoren auf das Geschäftsergebnis. „Wir glauben, dass unser Dienst profunde Informationen für das Geschäft liefern kann”, erklärte der Manager. Die Weather Company wolle mit ihren Wetterdiensten eine Entscheidungsplattform in Unternehmen werden. Die Vermarktung und der Kundenzugang erfolgt gemeinsam mit IBM.

Wetterdaten und Vorhersagen könnten praktisch in allen Branchen für bessere Geschäfte oder andere Unternehmenszwecke genutzt werden – etwa in der Luftfahrt, der Landwirtschaft, im Handel, im Transport- und Logistikbereich, oder von Versicherungen und Energieunternehmen. Im Tourismus etwa könnte je nach Wetterbedingungen der Einsatz von Schneekanonen gesteuert werden.

Das stärkste Wachstum erwartet sich der Manager allerdings im Bereich der Erneuerbaren Energien, die jährlich um 25 Prozent wachsen würden. Insgesamt geht Rutter davon aus, dass sich der Umsatz des IBM-Teilkonzerns in den kommenden zwei bis drei Jahren verdoppeln wird. Aktuelle Umsatzzahlen nannte er nicht. Derzeit benutzen weltweit über 3.500 Geschäftskunden in 70 Ländern die Wetterdienste der Gesellschaft.


Österreich auf Platz 5 bei Europas Unternehmensgründungen

Entrepreneure werden zusehends internationaler, Foto: APA (AFP)





Österreich liegt bei der Zahl der Personen, die ein Unternehmen gegründet haben (bzw. das nicht älter ist als 3,5 Jahre), stabil auf dem fünften Platz in Europa und dem 10. im internationalen Vergleich. Wobei die Zahl derer, welche die Unternehmensgründung mit Flucht aus der Arbeitslosigkeit begründen, um fünf Prozentpunkte auf 15,6 Prozent gestiegen ist.

Ein wahrer Jobmotor sind die Neugründer aber nicht. Nur zehn Prozent erwarten hohe Steigerungen bei den Beschäftigtenzahlen. Dafür werden die Gründer zusehends internationaler. Bei einem Drittel kommt ein Viertel des Kundenstammes aus dem Ausland, ein Plus von sechs Prozent gegenüber 2015. Dies geht aus dem internationalen Global Entrepreneurship Monitor (GEM) hervor, für dessen Durchführung in Österreich die FH Joanneum zuständig war.

Auch bei der Finanzierung der Neugründungen hat sich etwas geändert. Waren 2014 noch die Hälfte der Investoren Familienmitglieder, ging die Zahl im Vorjahr auf ein schwaches Drittel zurück. Deutlich ausbaufähig ist der Anteil an weiblichen Gründern, die nur ein Drittel der Entrepreneure im eher innovativen Bereich stellen. Im sehr forschungs- und innovationsgetriebenen Sektor sind es gar nur 28 Prozent.

Die Fachhochschule hat auch zum Thema „Migration” gefragt – und eine negative Tendenz festgestellt: Elf Prozent der Migranten sind in Österreich in einer frühen Phase unternehmerischer Aktivität, ein Rückgang um 2,1 Prozentpunkte gegenüber 2012. 


Service:

Neue Beiträge auf dem DBT-Blog

DBT-Blog: Warum die Zukunft des Marketings von künstlicher Intelligenz geprägt sein wird

Daniel Mattes, Foto: 42.cx - Center of Excellence for Artificial Intelligence





Daniel Mattes, 42.cx - Center of Excellence for Artificial Intelligence

Durch die fortschreitende Digitalisierung unseres Lebens geben wir mehr und mehr über unsere Wünsche, Gedanken und Gefühle im Netz preis.  Es gibt kaum einen Augenblick mehr, an dem wir nicht das Smartphone in der Hand halten und kommunizieren, kommentieren, liken oder Informationen teilen. Damit wird ein gewaltiger, stetig wachsender Datenstrom generiert, der ein nie da gewesenes Informationspotential beinhaltet. Erst durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning wurde es nun möglich, diese „digitale Stimmungswolke“ zu analysieren, zu kategorisieren und schließlich auch zu verstehen und wirtschaftlich zu nutzen. Vom generellen Stimmungsbild der Bevölkerung bis hin zur Kategorisierung des einzelnen Individuums. Daten sind das neue Gold des einundzwanzigsten Jahrhunderts geworden. ...

WEITERLESEN


DBT-Blog: Der CMO als neuer IT-Leiter?

Christoph Hammer, NAVAX Unternehmensgruppe

Christop Hammer, NAVAX Unternehmensgruppe

Im Jahr 2017 wird der CMO mehr Geld für IT ausgeben als der CIO. Die Marketing Abteilung hat damit ein höheres Budget für IT als es die IT Abteilung selbst hat. ...

WEITERLESEN


Service:

Digital Business Trends Südtirol in Bozen

DBT goes international – Gemeinsam mit der Werbeagentur Südtirol Online Marketing, die ein Teil der Unternehmensgruppe Athesia ist, wurde die DBT Südtirol ins Leben gerufen. Künftig werden in Bozen zweimal pro Jahr Veranstaltungen im Rahmen der Digital Business Trends stattfinden. Das Auftaktevent widmet sich am Donnerstag, 21. September 2017 dem Thema „Digitaler Wandel: Was auf Führungskräfte und Unternehmen zukommt“.

Weitere Informationen & Anmeldung


Service:

Digital Business Trends-Award 2017

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2017 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2017 möglich.

Jetzt einreichen!



Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter
Load more