DBT Newsletter #12/2015

Start-up-Gründer Eder: "Alles nur Funny Money"

Österreicher startet mit Vergleichsplattform in Asien durch. Foto: APA/Neubauer








Gerade erst 31 Jahre alt geworden, gehört der Österreicher Gerald Eder zu den Top-Aufsteigern der asiatischen Start-up-Szene. Im April investierten Goldman Sachs und andere Investoren 40 Mio. Dollar (36,6 Mio. Euro) in das von Eder gegründete Unternehmen CompareAsiaGroup. Sein Anteil ist nun dutzende Millionen Dollar wert. "Alles nur Funny Money", sagte Eder bei einem Wien-Besuch im APA-Interview. 

Eder gründete die CompareAsiaGroup gemeinsam mit dem Finanzinvestor Nova Founders. Ursprünglich hielt er die Hälfte der Anteile. Durch die jüngste Finanzierungsrunde ist sein Anteil geschmolzen, er liege aber nach wie vor im zweistelligen Bereich, so Eder. "Ich habe lieber ein kleines Stück eines ganz großen Kuchens als 100 Prozent eines kleinen Kuchens." 

Der Wiener Neustädter HTL-Absolvent begann seine steile Karriere nach einem WU-Studium als Investmentbanker bei Morgan Stanley. "Das war gerade 'in' und noch vor der Finanzkrise." Aus Geld mache er sich aber trotzdem nicht viel. "Es war nie die Motivation", erklärte Eder. Ihm gehe es darum, etwas ganz Großes aufzubauen. "Die CompareAsiaGroup hat das Potenzial, ein Multimilliarden-Unternehmen zu werden." 

Als Eder das Start-up 2014 gründete, sei es für ihn der richtige Zeitpunkt gewesen, "All In" zu gehen. "Ich dachte mir, ich habe keine Kinder, keine Frau, keinen Kredit, schlimmstenfalls verliere ich meine gesamten Ersparnisse, zieh' wieder bei meinen Eltern ein und arbeite in Wien bei einer Bank." Das Risiko sei überschaubar gewesen, so Eder. Persönlich habe er rund 150.000 Euro in das Projekt investiert. Erst seit dem Einstieg von Goldman Sachs wird ihm ein Gehalt ausbezahlt, dieses sei aber niedriger als sein Verdienst bei Morgan Stanley. 

„Schmaler Grat zwischen Bankrott und Erfolg"

CompareAsiaGroup betreibt Vergleichsportale in mehreren asiatischen Staaten, unter anderem MoneyHero in Hongkong, MoneyMax auf den Philippinen oder Singsaver in Singapur. Die Portale sind vergleichbar mit durchblicker.at in Österreich. Das Tempo, das Eder bei der Expansion an den Tag legte, ist beachtlich. Nach wenigen Monaten waren die Vergleichsrechner in sechs asiatischen Ländern online. Sein Erfolgsgeheimnis: "Man muss sich oft so verhalten, als hätte man das Geld schon." Trotzdem sei es ein "ganz schmaler Grat zwischen Bankrott und Erfolg". 

"Ich habe die letzten zwei Jahre aus dem Koffer gelebt. Ich war jede Woche in drei verschiedenen Ländern und habe vielleicht zwei, drei Nächte im Monat in meiner Wohnung verbracht", schildert Eder. Sein Alltag erinnert dabei aber mehr an den eines Rucksacktouristen als an den eines Geschäftsreisenden. "Ich bin mit Air Asia geflogen, habe auf Flughäfen geschlafen und in billigen Hotels übernachtet", so Eder. "Wir wollten das Geld für Mitarbeiter und Marketing ausgeben, nicht für fancy Hotels." 

Mit den neuen Millionen von Goldman Sachs und Co. habe sich das nicht geändert. Das Geld aus der Finanzierungsrunde fließe in die IT und in Werbung. Für die neue Version der Webseite seien Programmierer aus dem kalifornischen Silicon Valley angeheuert worden. Das schnelle Erobern neuer Märkte lernte Eder bei der deutschen Start-up-Schmiede Rocket Internet. Eder war für die Berliner Samwer-Brüder der erste Mann in Asien. Er baute den asiatischen Zalando-Ableger Zalora als Managing Director auf. Innerhalb eines halben Jahres hatte er 80 Mitarbeiter unter sich. 

Organische Expansion über Bord geworfen

Bei CompareAsiaGroup arbeiten mittlerweile mehr als 160 Personen in acht Ländern mit über 600 Millionen potenziellen Kunden. In Hongkong werde derzeit ein IT-Team mit 100 Mitarbeiter aufgebaut. Ob es nicht riskant sei, so großflächig zu investieren? Nein, meint Eder: "Wenn man versucht, etwas sehr Großes zu bauen, ist es schwer, komplett zu versagen." Aber natürlich habe er auch Fehler gemacht und viel Geld in den Sand gesetzt. Bei den Investoren sei es gut angekommen, dass man das Prinzip der organischen Expansion, also das schrittweise Erschließen einzelner Länder, über Bord geworfen habe. 

In zehn Jahren will Eder die Hälfte seiner Zeit wieder in der Heimat Österreich verbringen. "Ich möchte anderen Gründern helfen, auf Universitäten vortragen und ein österreichisches Unternehmen aufbauen." Für die CompareAsiaGroup, an der er langfristig beteiligt bleiben will, sei Österreich aber kein Thema. 

Eders Tipp an die heimische Start-up-Szene: Nicht zu weit vorausdenken, immer Schritt für Schritt denken und sich in der Nähe von Investoren aufhalten. Das politische Umfeld sei hingegen nicht so wichtig. Die Rahmenbedingungen könnten Sachen leichter machen, "aber wird das für den Erfolg entscheidend sein? Eher nicht", so Eder. 

Das Gespräch führte Roman Payer/APA


US-Soziologin: Apps als soziales Back-up für Wenigverdiener

Sassen forscht unter anderem an der








Wenn der Babysitter auslässt: Digitale Innovationen wie Apps bieten gerade auch für Menschen mit wenig Ressourcen und niedrigem sozialen Status Chancen, ist US-Soziologin Saskia Sassen überzeugt. Sie sollen zum "sozialen Back-up" für Wenigverdiener werden – noch gibt es allerdings Aufholbedarf. 

Denn derzeit beeinflusse Digitalisierung vor allem das Arbeitsleben höherer Einkommensschichten, auch Apps abseits von Unterhaltung und Konsum richten sich meist an Besserverdiener. "Wir tendieren dazu, diese Innovationen als für jeden zugänglich zu sehen. Allerdings gibt es gerade im beruflichen Bereich kaum Apps, die sich an Wenigverdiener richten", erklärte Sassen im APA-Interview. Dabei zeige gerade auch diese Gruppe die Bereitschaft, in Technologie und Apps zu investieren, so die Soziologin von der Columbia University, die kürzlich zu diesem Thema einen Vortrag an der Uni Wien gehalten hat. 

Sollen auch Niedriglohn-Arbeiter im täglichen Leben positiv und langfristig von Digitalisierung profitieren, geht es laut Sassen vor allem darum, die Nachbarschaft einzubinden. "Die Nachbarschaft kann per App zum sozialen Back-up-System werden", schilderte Sassen. Fällt etwa der Babysitter kurzfristig aus, ist es für viele Mütter schwer, während der Arbeit nach einem Ersatz zu suchen. Die App "Emergency Nanny" lässt sich per einfachem Klick auf den Touchscreen aktivieren, der Hilferuf geht dann an alle Mitglieder der Nachbarschaft. 

Positive Effekte auch auf Helfer

"Das Potenzial von Nachbarschaften muss – gerade in Städten – aktiviert werden", meinte Sassen, die vor allem auch zu Stadtentwicklung forscht. Das habe nicht nur positive Effekte für den Hilfesuchenden, sondern auch für denjenigen, der diese anbietet. "Man ist dann mehr als beispielsweise der Frisör oder die Großmutter – man bedeutet mehr. Das ist auch ein Beispiel dafür, wie Technologien emanzipatorisches Potenzial entfalten können", so die Soziologin. Ein anderes Beispiel ist etwa "Panoply" – die App vermittelt per Crowd-Sourcing Hilfestellung für Menschen mit psychischen Erkrankungen, wenn diese sich keine Behandlung leisten können oder wollen. 

Allerdings dürfe man den Menschen diese Angebote nicht überstülpen: "Das darf nie in Form der guten Brigaden, die kommen, um die Armen zu retten, passieren. Es geht darum Instrumente bereitzustellen, die dann von diesen Menschen eingesetzt werden können", betonte Sassen.

Einen ähnlichen Ansatz hat Sassens Projekt der "Open-Source-City": Statt Informationen von oben nach unten zu vermitteln – etwa Stadtverwaltung an Bürger, sollen hier alle Bevölkerungsschichten mit ihrem Wissen beitragen. "Lokales Wissen kann eine enorme Rolle spielen." Sammeln lässt es sich am einfachsten per digitaler Technologie: So hat beispielsweise die US-Stadt Boston mit "Street Bump" eine App herausgebracht, mithilfe derer Bürger Schlaglöcher auf den Straßen melden können. "Im Internetzeitalter glauben wir immer, jede Information lässt sich leicht abrufen – dabei vergessen wir, dass gerade Nachbarschaften ganz spezielles und einzigartiges Wissen haben." 

Jeder könne dabei zum Akteur werden und seine eigene Perspektive beitragen – egal ob Jugendlicher, Obdachloser oder Pensionist, betonte Sassen. Derzeit nehme das Gefühl der Entfremdung in den Städten immer mehr zu, konstatierte die Soziologin: Digitalisierung könne diesem Trend jedoch durchaus auch entgegenwirken – sowohl in Form des sozialen Back-ups als auch als "Open-Source-City". "Wenn ich in vielen kleinen Dingen an Bedeutung gewinne, dann beginne ich auch, wieder mehr Verbindung herzustellen. Man hat wieder mehr das Gefühl, dass es sich dabei um die eigene Stadt handelt", erklärte Sassen.



Elektro(nik)industrie ist für heuer zuversichtlich

Grafik: APA/Waxmann








Die Elektro- und Elektronikindustrie blickt zufrieden auf das Vorjahr zurück, für heuer ist sie optimistisch. Harsche Kritik gibt es an der Bildungspolitik, hier würde Österreich viel an Potenzial verlieren. "Das Schulsystem hat einen Output, den sich keine Firma leisten könnte", so Brigitte Ederer, Präsidentin des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). 

Die Gesamtproduktion von Österreichs zweitgrößtem Industriezweig legte 2014 um 2,6 Prozent auf 12,7 Mrd. Euro zu, die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 60.135. Wachstumstreiber war einmal mehr der Export, der um vier Prozent nach oben kletterte. Bei all den guten Zahlen darf aber nicht übersehen werden, dass das Vor-Krisenniveau aus dem Jahr 2008 noch immer nicht erreicht wurde. 

Das mit Abstand wichtigste Zielland blieb Deutschland mit einem Produktionsplus von 3,5 Prozent, gefolgt von den USA mit einem Zuwachs von 11,4 Prozent. Übertroffen wurde dies noch von der Nummer 3, Ungarn, mit einem Anstieg von 13,7 Prozent. Weniger Grund zu Jubeln gab es am Heimatmarkt, hier wurde ein Rückgang von 1,5 Prozent verzeichnet. 

Für das heurige Jahr zeigte sich Ederer zuversichtlich, so würde die Produktion von elektronischen Bauelementen im 1. Quartal 2015 um 8,7 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Und dieser Sektor sei ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Insgesamt gab es beim abgesetzten Produktionswert in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres einen Anstieg von 5,5 Prozent. 

Damit war es aber schon vorbei mit den guten Nachrichten. Ederer und Fachverbands-Geschäftsführer Lothar Roitner appellierten einmal mehr leidenschaftlich an die Politik, das Bildungsangebot in Österreich zu verbessern - Österreich falle hier stetig zurück. "Wir müssen das Bildungshaus Österreich völlig neu bauen. (...) Die frühe Selektion reduziert gewissermaßen die Chancengleichheit und den Bildungserfolg der Schüler", so Ederer.


Speichermedienvergütung stößt auf Lob und Kritik

Handel lehnt








Österreichs Industrie wird digital vernetzt und investiert dafür jährlich vier Milliarden Euro. Bis 2020 werden 20 Mrd. Euro in die "Industrie 4.0" genannte Entwicklung gesteckt. 85 Prozent der Industriebetriebe wollen bis dahin Industrie-4.0-Lösungen eingesetzt haben – drei Mal so viele wie heute. Zu diesem Schluss kommt eine PwC-Befragung in 100 heimischen Industriebetrieben. 

Durch die digitale Vernetzung erhoffen sich die Unternehmen eine jährliche Umsatzsteigerung von 2,6 Prozent. Ein Fünftel erwarte sogar eine kumulierte Umsatzsteigerung von 20 Prozent bis 2020. Hochgerechnet auf die österreichische Industrielandschaft ergeben sich insgesamt Mehrumsätze von knapp 3 Milliarden Euro pro Jahr. Die Umsatzsteigerungen werden in den nächsten Jahren zwar die Kosten für Investitionen nicht wettmachen, aber für die mittel- und langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sei diese Investition dennoch unumgänglich. 

Hand in Hand mit der Digitalisierung kommt nach Erwartung von 80 Prozent der Unternehmen eine intensivere unternehmensübergreifende Vernetzung. "Big Data", also die Auswertung riesiger Datenbestände, wird noch wichtiger werden. 91 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass in fünf Jahren die Fähigkeit zur Datenanalyse für das Geschäftsmodell entscheidend sein wird. Es gehe um einen effizienten Datenaustausch innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette, eine digitale Kennzeichnung der Produkte und die Nutzung von Echtzeitdaten zur Steuerung der Produktion.


Service

Grafik: APA




Digital Business Trends am 24. September in Wien: „Digital Marketing: Wie Online-Kommunikation (nicht) funktioniert“

Was sind die entscheidenden Trends im digitalen Marketing? Welche Rolle spielen Soziale Netzwerke? Wie nutzen wir das Potenzial der stärker verfügbaren Daten? Was bringen Targeting oder neuerdings Programmatic Marketing, neue Bezahlmethoden und welchen Stellenwert hat Content? Eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Ort: Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien, Dachgeschoß
Zeit:
ab 19 Uhr

Zur Anmeldung


Service

Foto: APA




Digital Business Trends-Award - Innovative Ideen gesucht

Im Rahmen der Networking-Reihe Digital Business Trends, initiiert von der APA - Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one), wird in diesem Jahr erstmals der gleichnamige Award in zwei Kategorien verliehen. Der Digital Business Trends-Award für innovative Digitalisierungslösungen aus Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie ist mit 4.000 Euro pro Kategorie dotiert und wird von der APA-IT unterstützt.

Details und Teilnahmebedingungen sind unter www.dbt.at/award abrufbar.

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