DBT Newsletter #11/2017

Pioneers Festival – Warnung vor Fachkräftemangel

An Unternehmensgründungen hängen viele Jobs, Foto: OTS (Pioneers)






Die Jungunternehmersparte der Wirtschaftskammer warnt vor zu wenigen Fachkräften in Österreich. „Der IT-Fachkräftemangel ist sehr stark” sagte die Junge-Wirtschaft-Bundesvorsitzende, Amelie Groß, zur APA. Für Arbeitgeber sei es sehr schwierig, gute Programmierer und Entwickler zu finden.

Zwei von drei befragten Managern sehen hier ein Problem, zeigt auch eine Umfrage des Beratungsunternehmens PwC, an der allerdings nur 30 österreichische Firmen teilgenommen haben. Obwohl das Problem bekannt sei, werde relativ selten nach Lösungen gesucht.

Amelie Groß fordert, die IT-Lehrinhalte in der Schule stark auszubauen. Der Informatikunterricht in den österreichischen Schulen habe sich in den vergangenen Jahren wenig weiterentwickelt. Die Anstrengungen der Politik bessere Bedingungen für Start-ups in Österreich zu schaffen, lobte die Interessensvertreterin. Das mit 185 Mio. Euro dotierte Start-up-Paket der Bundesregierung sei „ein guter Schritt”. Auch das im Herbst 2015 in Kraft getretene Alternativfinanzierungsgesetz hat sich nach Ansicht von Groß bewährt. „Das Crowdfunding-Gesetz ist eines der besten in Europa.”

Handlungsbedarf sieht sie noch bei den Finanzierungsbedingungen von Start-ups und anderen Jungunternehmen. Die Junge Wirtschaft fordert deswegen schon länger einen Steuer-Beteiligungsfreibetrag. Bis zu 100.000 Euro an Investitionskapital sollten verteilt auf fünf Jahre als Freibetrag geltend gemacht werden können. Damit würde ein Anreiz für Investoren geschaffen, um in österreichische Unternehmen zu investieren. Auch der geplante Beschäftigungsbonus, der für neu eingestellte Mitarbeiter die Lohnnebenkosten für drei Jahre um die Hälfte senken soll, sei für Jungunternehmen sehr hilfreich, so Groß.

Die Junge-Wirtschaft-Chefin erinnerte daran, nicht Unternehmensneugründungen und Start-ups zu verwechseln, wie es derzeit oft passiere. Nur 1,5 bis 3 Prozent der jährlichen Neugründungen sind Start-ups, in absoluten Zahlen rund 500 bis 1.000. Insgesamt gibt es je nach Schätzmethode zwischen 2.000 und 4.000 Start-ups in Österreich, errechnete die KMU Forschung Austria. Für sie gilt ein Unternehmen erst als Start-up, wenn es eine (technologische) Innovation einführt oder ein innovatives Geschäftsmodell verwendet, jünger als 10 Jahre ist und ein starkes Umsatz- oder Beschäftigungswachstum verfolgt.

Auf geistiges Eigentum nicht vergessen

Das Österreichische Patentamt ermutigt unterdessen Start-ups, sich mehr um ihre Markenrechte und Patente zu kümmern und ihr geistiges Eigentum zu schützen. „Viele tun es nicht, haben keine Zeit”, sagte die Patentamtspräsidentin Mariana Karepova am Rande des Pioneers Festival zur APA. Auch Recherchen über bestehende Marken und Patente seien für Gründer wichtig. Die Start-ups sollten sich ihr Logo, Marke, Corporate Identity und technische sowie kreative Lösungen schützen lassen, empfiehlt die Patentamtspräsidentin.

Geistiges Eigentum zu schützen sei wichtig, um gegenüber Mitbewerbern zu bestehen. Die provisorische Patentanmeldung kostet 50 Euro, die Registrierung einer nationalen Marke 372 Euro. Das Patentamt bietet auch eine „Fast-Track”-Anmeldung für Wort-, Wortbild- oder Bildmarke an, damit Gründer schnell ihre Marke schützen lassen können. Zudem gebe es ab sofort einen Facebook-Messenger-Chatbot, um damit Markenrechte recherchieren zu können. Der digitale Berater „Albert Patent Bot” des Patentamts prüft Marken, in dem er internationale Markendatenbanken mit 40 Millionen Brands durchsucht.

EU-Digitalkommissar gegen Robotersteuer

EU-Digitalkommissar Andrus Ansip wiederum hat sich beim Pioneers Festival gegen die Einführung einer Roboter- und Künstliche-Intelligenz-Steuer ausgesprochen. „Wir dürfen Fortschritt nicht besteuern”, warnte Ansip. Eine derartige Steuer würde den Fortschritt bremsen und die Europäische Union im Wettbewerb mit anderen Ländern behindern.

Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeitswelt gefährdet mittelfristig rund 9 Prozent aller Jobs – rund 360.000 Stellen – in Österreich. Auf Hilfsarbeiter und Handwerker entfallen gemeinsam über 50 Prozent der bedrohten Jobs, geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor. Der Wegfall der Jobs soll durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abgefedert werden, empfehlen manche Experten. Für EU-Kommissar Ansip ist ein staatlich ausbezahltes Grundeinkommen „noch nicht” die Antwort auf Herausforderungen durch die Digitalisierung. „Wir müssen mehr arbeiten, nicht weniger.”


Hoher Bildungsbedarf bei digitaler Kompetenz

IT- und Daten-Sicherheit spielen wichtige Rolle bei Weiterbildung, Foto: APA (dpa)





Lebenslanges Lernen wird von Unternehmen als sehr wichtig eingeschätzt – besonders im Bereich digitale Kompetenzen. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag der „Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung” (PbEB), deren Ergebnisse anlässlich des „Tages der Weiterbildung” vorgestellt wurden. 90 Prozent der Firmen sehen großen Bildungsbedarf bei digitaler Kompetenz.

Fast jedes fünfte der 500 von Makam Research befragten Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern möchte heuer mehr in Weiterbildung investieren als im Vorjahr, nur fünf Prozent kürzen bei diesem Ausgabenposten. „Die positive Entwicklung, die wir schon im Vorjahr beobachten konnten, setzt sich weiter fort”, erklärte PbEB-Sprecher Christian Bayer laut Aussendung. Eine wichtige Rolle in der Weiterbildung spiele dabei das Thema Digitalisierung, vor allem in den Bereichen IT- und Daten-Sicherheit.

Bei der Digitalisierung sieht sich mehr als die Hälfte aller Betriebe zumindest gut auf die Anforderungen vorbereitet (9 Prozent „sehr gut”, 42 Prozent „gut”). Vier Prozent der Firmen fühlt sich nur „genügend” gerüstet, ein Prozent „nicht genügend”.

Beinahe 60 Prozent glauben, dass durch digitale Technologien die Qualität der Arbeitsleistung steige und sich die Datensicherheit verbessern werde. Außerdem sind knapp zwei Drittel der Unternehmen überzeugt, dass die Digitalisierung positive Auswirkungen auf die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens haben werde.


Auf dem Weg zum allwissenden Computer

Der Google-Assistent soll überall sein, wo der Mensch ist, Foto: APA (AFP)





Die Maschinen werden immer schlauer. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O präsentierte der Internet-Konzern eine Vision von einer allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz, die das Leben der Anwender erleichtern soll. Dazu muss man aber viel von sich preisgeben.

Auf den ersten Blick sind es nur lauter kleine Funktionen, mit denen künstliche Intelligenz das Leben der Nutzer von Google-Diensten leichter machen soll. Viele Anwender können sich noch gut daran erinnern, wie nervig es ist, die lange Passwort-Zahlenreihe bei einem neuen WLAN-Router einzutippen. Jetzt braucht man den Aufkleber auf dem Gerät nur vor die Handy-Kamera zu halten – und die Software liest den Passcode nicht nur, sondern gibt ihn auch gleich in eine Anmelde-App ein. Das System erkennt auch, wo sich in einem Text relevante Adress-Informationen verstecken. Oder teilt Fotos automatisch mit den Familienmitgliedern, die darauf abgebildet sind.

Woher die Google-Software das weiß? Gesichtserkennung. Genauso wie der Google-Assistent im vernetzten Lautsprecher „Home” die Nutzer in einem Haushalt an der Stimme unterscheiden kann. Sagt man also, „Okay, Google, rufe meine Mutter an”, weiß der smarte Lautsprecher ganz genau, wessen Mama hier gemeint ist. Die Vision: Der Google Assistant, diese künstliche Intelligenz, die irgendwo verteilt auf den Servern des Konzerns wohnt, soll überall sein, wo der Mensch ist. Soll für ihn jederzeit ansprechbar sein und jede Frage beantworten können. Auf dem Smartphone, der Armbanduhr, im Auto und in der Küche.

KI statt „Mobile-First”

Es ist letztlich der Traum vom Computer aus „Star Trek”, der nicht mehr Science Fiction ist, sondern auf einmal greifbar nahe erscheint. Mit der sprechenden Software könnte man schließlich auf ganz natürliche Weise mit einem Computer kommunizieren können. „Es sollte der einfachste Weg sein, etwas zu erledigen”, sagte Forschungschef Scott Huffman. Es sei der Übergang von einer „Mobile-First”-Welt, in der sich alles um das Smartphone drehte, zu einer, in der künstliche Intelligenz den Ton angibt, erklärte Google-Chef Sundar Pichai.

Nicht nur Google ist mit seinem Assistant auf dem Weg dorthin, sondern auch Apple mit Siri, Amazon mit Alexa, Microsoft mit Cortana. Google hofft aber, dass die gewaltige Datenmenge, die sich auch dank der vielen Milliarden Internet-Suchen angesammelt hat, zusammen mit der konsequenten Erfassung allen Wissens und einer gewaltigen Rechenleistung dem Konzern am Ende einen Vorteil vor der Konkurrenz verschaffen werden.

Mit der Kraft der allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz macht sich Google auch für den Wettbewerb mit Facebook fit. Wenn die besten Fotos einer Party mit Hilfe von Google-Technologie wie von Geisterhand unter allen Anwesenden ausgetauscht werden, könnte daraus eine attraktive Alternative zu Facebook-Diensten wie Instagram oder WhatsApp entstehen. Und mit rund 500 Millionen aktiven Nutzern von Google Photos spielt der Suchmaschinen-Gigant ohnehin in einer Liga mit Instagram & Co.

Trend scheint unaufhaltsam

Datenschützer werden dieses Zukunftsszenario eher fürchten, denn der ungewollte Austausch sensibler Informationen ist nur einen Klick entfernt. Der Trend scheint aber unaufhaltsam: Am Ende verschmelzen die vielen kleinen Funktionen und Datenschnipsel zu einem allwissenden Computer. Er weiß, wo man sich gerade aufhält – nicht unbedingt nur dank der GPS-Ortung, sondern vielleicht auch, weil er die Umgebung am Kamerabild erkennt. Er weiß wahrscheinlich, was man als nächstes vorhat (Terminkalender). Das System könnte empfehlen, dass man vorher etwas essen sollte.

Es ist als hätte man einen unsichtbaren Butler, der einem immer über die Schulter schaut. Man kann darin aber auch einen Aufpasser sehen. Wird der Komfort die Ängste um die eigene Privatsphäre verdrängen? Denn schließlich kann ein Assistent uns nur wirklich dienlich sein, wenn man für ihn ein offenes Buch ist.


Service:

Digital Business Trends-Award 2017

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2017 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2017 möglich.

Jetzt einreichen!



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