DBT Newsletter #11/2016

Wien hinkt europäischen Start-up-Metropolen hinterher

Heimische Förderlandschaft bricht nach der Frühphase ein, Foto: APA (Fohringer)






Die Gründerszene in Wien hat im internationalen Vergleich noch keine „kritische Masse“ erreicht und hinkt den europäischen Start-up-Metropolen London, Berlin oder Paris hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Unternehmensberatung Roland Berger und des Wiener Start-up-Festivals Pioneers. Das Wiener Start-up-“Ökosystem“ wachse zu langsam.

Für den Bericht wurden 53 Interviews mit erfolgreichen Gründern, Investoren, Konzernvorständen, Bildungseinrichtungen und Agenturen geführt. Insgesamt identifizierten die Studienautoren für Wien 318 Start-ups mit 2.392 Mitarbeitern aus sieben Sektoren, 116 Start-ups aus dem Bereich „Lifestyle & Entertainment“, 99 aus „Business & Productivity“ und 46 aus „Life Science & Agriculture“.

Als Stärke des „Ökosystems“ bezeichneten die Interviewten die Förderlandschaft in Österreich in der Frühphase und erfolgreiche heimische Vorbilder wie die Fitness-App Runtastic und die Flohmarkt-App Shpock. Österreich habe beim Humankapital auch noch Vorteile gegenüber den führenden Start-up-Hubs, aufgrund der Verfügbarkeit und den Kosten der Mitarbeiter, und die Wiener Universitäten seien besser als ihr Ruf.

Als Schwächen sehen die Experten, dass Unternehmertum („Entrepreneurship“) in anderen europäischen Metropolen eine viel höhere politische Priorität habe als in Österreich, die heimische Förderlandschaft nach der Frühphase einbreche und das Sicherheitsdenken hierzulande noch weitverbreitet sei. Außerdem sollten die Wiener Hochschulen ihren Output auch an Unternehmensgründungen messen. Als alarmierend werten die Studienautoren auch, dass Wien nicht im renommierten „Compass Report“, einem jährlichen Ranking zu globalen Start-up-Metropolen, vertreten ist.

Fünf Handlungsempfehlungen

Auf Grundlage der Interviews wurden fünf Handlungsempfehlungen herausgearbeitet, damit Wien an die Spitze aufschließen kann. Österreichische Großunternehmen sollten sich stärker im Bereich Start-ups engagieren, in Wien müsste ein zentraler Start-up-Campus errichtet werden, die Politik sei gefordert, die Arbeit von Gründern zu erleichtern, junge Wissenschafter müssten zum Gründen motiviert werden und unproduktives Kapital – unter anderem von Stiftungen – sollte mobilisiert werden.

Für den Roland-Berger-Partner und ehemaligen ÖIAG-Chef Rudolf Kemler ist die Finanzierung von Unternehmensgründungen durch Banken seit Basel III äußerst schwierig. Es gebe in Österreich „spürbare Schwächen“ in der Finanzierung der Expansionsphase ab dem „Proof of Concept“. „Hier wäre es dringend nötig, brachliegendes privates Kapital – durch das Schaffen entsprechender Rahmenbedingungen – zugänglich zu machen“, so Kemler. Als ÖIAG-Chef wollte er mit einem kleinen Teil der ÖIAG-Dividende einen Österreich-Fonds schaffen, um Start-ups unter die Arme zu greifen. Die damalige Idee sei heute nicht mehr „1 zu 1“ umsetzbar, würde aber in einer anderen Form „durchaus Sinn machen“, so Kemler.

Heimische Business Angels vernetzen sich

Unterdessen haben heimische „Business Angels“ kürzlich ihre Kräfte gebündelt und das Netzwerk „startup300“ ins Leben gerufen. Die Plattform rund um Michael Eisler und Bernhard Lehner will Start-ups einen strukturierten Zugang zum Kapital und Know-how von derzeit 85 Business Angels bieten.

Mehr als 2,5 Mio. Euro sind bereits geflossen. „startup300 tritt dabei wie ein Co-Founder mit 85 Köpfen auf“, erklärt Eisler. „Wir sind, wenn gewünscht, ganz nahe bei den Gründerteams und helfen mit Rat und Tat, wo wir können“, so Lehner zur APA.

Zum Portfolio der Plattform gehören schon 13 Projekte, etwa die Entscheidungs-App swell, Record Bird, ein Dienst, der Musikfans stets über neue Alben am Laufenden hält, oder Hokify, eine Verkupplungs-App a la Tinder für Jobs.


Neue Forschungsstelle: „Phantastische Dinge“ mit Big Data tun

„Complexity Science Hub Vienna“ wird am 23. Mai eröffnet, Foto: APA (dpa)






Über Menschen und Dinge gibt es unzählige Daten: Aufenthaltsort, Gesundheitszustand, Börsenkurs, Lufttemperatur, etc. Wie man aus solchen Big Data sinnvolles Wissen gewinnen kann, ist laut Stefan Thurner Ziel des neuen Forschungszentrums „Complexity Science Hub Vienna“, das am Montag, 23. Mai, offiziell eröffnet wird. Der Komplexitätsforscher ist sich sicher, dass man damit „phantastische Dinge tun kann“.

Getragen wird die neue Forschungsstelle vom „Verein zur wissenschaftlichen Erforschung komplexer Systeme“. Dessen Mitglieder sind die Technischen Universitäten Wien und Graz, die Medizinische Universität Wien, die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und das Austrian Institute of Technology (AIT). Das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) sei kurz vor dem Beitritt, sagte der Präsident des „Complexity Science Hub Vienna“ (CSH), Stefan Thurner, der Professor für Komplexitätsforschung an der Meduni Wien ist, im Gespräch mit der APA.

Die Projektpartner tragen mit jeweils 200.000 Euro pro Jahr zum neuen Zentrum bei, primär in Form von zwei Stellen für einen Senior-und einen Junior-Wissenschafter. „Wir sind derzeit aktiv im Headhunting-Prozess und haben einige Kandidaten sehr klar vor Augen“, sagte Thurner. Beschäftigt werden die Wissenschafter an den jeweiligen Partnereinrichtungen, um die Verwaltung des CSH gering zu halten. Im Endausbau sollen maximal 50 Wissenschafter am Hub arbeiten, der als Nachbar des Instituts für Höhere Studien (IHS) ins Palais Strozzi in Wien-Josefstadt eingezogen ist.

Von „Smart Cities“ bis „Internet der Dinge“

Jede Partnereinrichtung gibt dabei grob die Forschungsrichtung seines dem Hub zugeordneten Personals vor: Für die TU Wien ist das „Smart Cities“, für die Meduni Wien „Big Data in Medizin“, für die WU „Systemic Risk“ und „Internet der Dinge“, die TU Graz will sich „Produktionsprozessen der Zukunft“ widmen und das AIT dem „Innovationsprozess“, so Thurner.

An öffentlichen Förderungen hofft der CSH auf Mittel des Infrastrukturministeriums für den Aufbau des Hubs und zwei Millionen Euro aus der Nationalstiftung für Forschung. Mit diesem Geld soll das Gastwissenschafter-Programm aufgebaut werden, für Thurner ein zentrales Element des CSH: Die am Hub arbeitenden Forscher sollen mehrere Experten für mehrtägige Mini-Workshops oder einzelne Wissenschafter für ein paar Wochen oder Monate nach Wien einladen, um gemeinsam an einem Problem zu arbeiten.

Hintergrund der Initiative ist die drastisch zunehmende Vernetzung von Menschen, Einrichtungen, Computern, Märkten, Maschinen, Dingen, etc., die mit einer ebenso drastischen Zunahme von Daten – aber auch Risiken – einhergeht. Aus diesen Daten wollen die Komplexitätsforscher „nutzbaren Sinn“ generieren, wie Thurner sagte. Denn auch wenn man alle Informationen über ein System habe, verstehe man es deshalb nicht. „Um zu sinnvollen Aussagen zu kommen, braucht man neuartige mathematische Methoden.“

Daten verständlich aufbereiten

Ziel des CSH sei es einerseits solche Methoden zu entwickeln und andererseits die Daten in eine Form zu bringen, „dass man Systeme modellieren und die Wirklichkeit im Computer nachspielen kann“. Zudem will sich das Forschungszentrum als „Datensammel- und Servicestelle“ etablieren, wo Organisationen sicher sein können, dass ihre Daten anonymisiert, legal und sicher bearbeitet und schließlich auch verständlich aufbereitet werden, so Thurner.

Als Seiteneffekt davon will er den CSH auch zu einem Zentrum für die Debatte über Daten-Ethik machen. „Wir werden diese Daten nie wieder wegbringen, es werden sogar mehr werden und wir müssen diskutieren, was das für Implikationen auf Demokratie, Bürgerrechte, Privatsphäre, usw. hat, das ist alles nicht beantwortet“, sagte der Wissenschafter.

Vor der offiziellen Eröffnung am Montag (23. Mai) Abend findet eine Fachkonferenz zum Thema „Visions for Complexity“ am CSH statt.


Biegbares Smartphone-Cover aus elektronischem Papier

Die Hülle dient als Bedienungs-Erweiterung, Foto: APA (FH OÖ Media Interaction Lab)


Smartphone-Hüllen dienen nicht nur dem Schutz, sondern könnten in Zukunft auch die Bedienung erleichtern. Österreichische Forscher haben nun in Kooperation mit Microsoft Research ein flexibles Smart-Cover entwickelt, das völlig neue Funktionen ermöglicht. Einen ersten Prototyp haben sie auf einer Konferenz für Mensch-Computer-Interaktion (ACM CHI) in San Jose (USA) vorgestellt.

So praktisch es auch sein mag, einen voll funktionsfähigen Computer in Form eines Smartphones in der Hosentasche mit sich zu führen, bei der Bedienerfreundlichkeit müssen aufgrund der Größe meist Abstriche gemacht werden: Die Displays sind oft zu klein, um Informationen übersichtlich darzustellen, oder die Finger zu klobig für präzise Eingaben. Kein Wunder also, dass man versucht, jeden Quadratzentimeter Oberfläche nutzbar zu machen – einschließlich des Covers.

Vor allem durch den Einsatz von elektronischem Papier, wie man es von E-Readern kennt, wird versucht, das Cover als zusätzlichen Bildschirm zu nutzen. Die Technologie ist energieeffizient, angenehm für das Auge und kann auch zum Touchscreen erweitert werden. „Gerade die Erweiterung eines herkömmlichen Smartphones mit dem flexiblen, biegsamen elektronischen Papier war für das Projekt sehr wichtig“, erklärte Christian Rendl vom Media Interaction Lab der Fachhochschule (FH) Oberösterreich in Hagenberg gegenüber der APA.

Eingabe durch Biegen

Durch das nun vorgestellte Konzept eines biegbaren Covers werden diese zusätzlichen Funktionalitäten um eine weitere Facette reicher. Neben dem üblichen Wischen und Drücken kann auch über das gezielte Verbiegen des zusätzlichen Bildschirms mit dem Gerät kommuniziert werden – einer Bewegung, die dem Blättern in einem Buch nicht ganz unähnlich ist und sich deshalb etwa für das Wechseln von einer Seite zur Nächsten anbietet.

„Um den Grad der Verbiegung zu messen, haben wir mittels Siebdruck drei mal fünf Piezosensoren auf eine Folie gedruckt und diese an der Unterseite eines flexiblen E-Papers angebracht“, sagte Gregor Scheipl von Joanneum Research (JR) zur APA. Die Wissenschafter vom JR-Institut für Oberflächentechnologien und Photonik in Weiz haben die Sensortechnologie gemeinsam mit den Kollegen der FH OÖ entwickelt. Sie wurde unter dem Namen „PyzoFlex“ bereits patentiert und hat schon zahlreiche Auszeichnungen gewonnen.

Für die von der EU im 7. Forschungsrahmenprogramm geförderte Entwicklung der Hard- und Software, die die Signale der Sensoren auswertet und an das Smartphone weitergibt, zeichnet ein Team um Michael Haller vom Media Interaction Lab verantwortlich. Noch ist das Smartphone-Cover über Kabel mit einer externen Energieversorgung verbunden. Die Forscher betonen aber, mit dem Prototyp die grundsätzliche Funktionalität bereits demonstriert zu haben.



Service

Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA







Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


Neuer Partnerbeitrag auf dem DBT-Blog:

Arbeiten 4.0: Wie die Digitalisierung die Berufswelt verändert

Daniel Scheikl, Dimension Data Austria

Daniel Scheikl, Dimension Data Austria

“Anytime, Anything, Anywhere” – das Paradigma des digitalen Arbeitens und die romantische Vorstellung einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Den Traum von Flexibilität und Ortsunabhängigkeit leben vor allem Freelancer. Während Sie auf den Philippinen auf die perfekte Welle warten, sitzen sie bequem in einem hippen Co-Working Space direkt am Strand und basteln an Software oder designen Websites. Auch junge Start-Ups, mit kleinen oder keinen Büros und wenigen Mitarbeitern, von denen jeder mehrere Rollen ausfüllen muss, profitieren stark von den Vorteilen der Flexibilität und halten so ihre Fixkosten möglichst gering....
Weiterlesen


Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter
Load more