DBT Newsletter #11/2015

Roaming-Gebühren laufen Mitte 2017 aus

Grafik: (APA/Longauer)







Ab dem 16. Juni 2017 gibt es innerhalb der EU keine Roaming-Gebühren mehr – außer für Vieltelefonierer im Ausland, auf sie könnte noch ein Zusatzentgelt zukommen. Die Netzneutralität, also dass alle Inhalte im Netz gleichwertig behandelt werden, verschwindet. Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) hat die Einigung begrüßt, die ÖVP zeigte sich halbwegs zufrieden, die Grünen sind erschüttert. 

Das beschlossene Paket muss noch von den Nationalstaaten und dem EU-Parlament abgesegnet werden, was aber als sicher gilt, da die Einigung von den beiden größten Fraktionen – den Konservativen und den Sozialdemokraten – getragen wird. Stöger betonte, es sei durch flankierende Maßnahmen gelungen, dass alle Bürger, die nur selten im Ausland sind, nicht im Inland die Zeche durch höhere Inlandstarife zahlen. Diese "Fair-Use-Regel" sorge dafür, das Wenigtelefonierer nicht für Vieltelefonierer zahlen, so Stöger zur APA. 

Michel Reimon, Europaabgeordneter der Grünen, kann sich dieser positiven Einschätzung nicht anschließen. Dass die Betreiber weiter Zusatzgebühren einführen dürfen, stört ihn ebenso wie die Erlaubnis, bevorzugte Sonderdienste anzubieten, was wiederum die Netzneutralität untergrabe. Er sprach von einer "Niederlage des Parlaments". Zwischen diesen beiden Standpunkten hat sich ÖVP-Europaabgeordneter Paul Rübig eingefunden. "Dies ist wieder ein großer Schritt zur Abschaffung der Roamingzuschläge, aber noch leider noch kein voller Binnenmarkt", so Rübig. 

In einem Zwischenschritt sollen die Roaming-Kosten am 30. April 2016 weiter sinken. Das geltende System der Preis-Obergrenzen soll durch Aufschläge auf den Heimtarif ersetzt werden. Dann dürfen laut Mitteilung Telefonate im EU-Ausland nur noch 5 Cent pro Minute zusätzlich kosten, bei SMS sind es 2 Cent und beim Surfen darf jedes Megabyte an Daten mit höchstens 5 Cent extra zu Buche schlagen. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer. Damit liegt der maximale Gesamtpreis nach Angaben der EU-Kommission immer noch deutlich unter den derzeit geltenden Preis-Obergrenzen von höchstens 19 Cent für abgehende Anrufe, 6 Cent pro SMS und 20 Cent pro Megabyte Daten plus Mehrwertsteuer. 

Extrakosten für Vieltelefonierer

Danach soll es mit den Extrakosten für das Telefonieren im Ausland vorbei sein – großteils zumindest. Anbieter dürfen Einschränkungen machen, wenn Nutzer häufiger im EU-Ausland mobil telefonieren, surfen oder SMS schicken und nicht nur bei gelegentlichen Reisen. Zudem sollen Anbieter entstandene höhere Kosten abrechnen können – was auch immer das heißt. 

Eine Einigung gab es zudem in der umstrittenen Frage der Netzneutralität. Dahinter steckt die Idee, dass Internet-Provider und Telekommunikationsunternehmen die Datenpakete der Nutzer gleichberechtigt durch ihre Leitungen schicken – unabhängig davon, woher sie stammen oder welchen Inhalt sie haben. Bestimmte Dienste sollen ab dem Sommer 2017 Vorfahrt erhalten dürfen. Voraussetzung dafür sei aber, dass diese Dienste notwendig seien und eine ausreichende Netzkapazität zur Verfügung stehe.



Österreicher ziehen Fernseher dem PC vor

Deutlicher Nachholbedarf bei Streamingdiensten Foto: APA/dpa





Drei Stunden (konkret 184 Minuten) verbringt der Durchschnittsösterreicher vor dem Fernseher – und liegt dabei im europäischen Schnitt. Damit nutzt er TV mehr als den Computer, vor dem er zweieinhalb Stunden des Tages verbringt. Das Mobiltelefon kommt hingegen "nur" 1,26 Stunden zum Einsatz. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Techonomic Index des Elektronikherstellers Samsung. 

Europäischer Ausreißer sind die Österreicher hingegen im Feld der bezahlpflichtigen Inhalte: Bei den monatlichen Ausgaben für Streaming oder den Download von Inhalten liegt der Durchschnittsösterreicher mit 7,5 Euro am letzten Platz der Studie, für die in ganz Europa 18.000 Menschen befragt wurden, 1.000 davon in Österreich. "Die niedrigen Ausgaben für gestreamte TV- und Video-Inhalte lassen sich durch die noch junge Verfügbarkeit der entsprechenden Dienste erklären", erläutert laut Aussendung Martin Wallner, Vice President Sales bei Samsung Electronics Austria, diesen Umstand. Immerhin haben mit 64 Prozent knapp zwei Drittel der Befragten in Österreich schon einmal Videos gestreamt. 

Insgesamt sind die Österreicher nicht technikfeindlich, finden sich doch im prototypischen Haushalt 19,62 elektronische Geräte. Diese werden achteinhalb Stunden am Tag genutzt – eine halbe Stunde mehr als im europäischen Schnitt. Über den europaweiten Ausgaben liegt Österreich hingegen bei den sogenannten Lerninhalten. Rund 50 Prozent der Österreicher zahlen demnach für digitale Publikationen – was deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 21 Prozent liegt.


IT-Schmieden fehlt es an Selbstvermarktung

Risikokapital bleibt Mangelware Foto: APA/dpa






Mit der Lauf-App Runtastic oder der Personensuchmaschine 123people haben schon ein paar IT-Start-ups aus Österreich international Furore gemacht. Trotzdem gibt es nach wie vor zu wenig Geld für junge Softwareschmieden, sagt Herwig Springer vom Start-up-Spezialisten i5invest. Um internationale Geldgeber anzuziehen, müssten die heimischen Entwicklerfirmen globaler denken. 

Kern des Problems sei die mangelnde Selbstvermarktung. "Sie müssen an ihrer Außendarstellung arbeiten, auf Messen gehen, ihren Fußabdruck im Internet verstärken", so Springer zur APA. Start-ups sollten ihre Produkte gleich von Anfang an an einen globalen Markt adressieren und sich auch bei der Investorensuche nicht scheuen, Financiers in Übersee anzusprechen. 

"Wenn erfolgreiche M&A-Transaktionen (Übernahmen) stattfinden, hat das international die größte Signalwirkung", meint der i5invest-CEO. Je mehr Verkäufe, desto mehr Geld fließe ins Land zurück, das wiederum in neue Projekte investiert werden könne. Derzeit gebe es in Österreich einen Exit-Stau: "Das Geld, das investiert wurde, muss langsam in M&A-Transaktionen münden." 

Die Geldgeber im IT-Bereich kommen laut dem von i5invest mitfinanzierten "Austrian Tech Exit Report" großteils aus Österreich selbst, bei den Käuferfirmen dominiert Deutschland. In dem Bericht werden auch steuerliche Begünstigungen für Investitionen in Start-ups gefordert. Springer: "Die Politik hat das Thema schon für sich erkannt." 

Üppige öffentliche Fördermittel

Das finanzielle Umfeld für heimische Unternehmen sei im "internationalen Vergleich als unterdurchschnittlich zu betrachten", heißt es unterdessen in einer im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) durchgeführten Untersuchung. Es mangle an Risikokapital, was auch durch die im internationalen Vergleich am üppigsten sprudelnden öffentlichen Fördermittel nicht kompensiert werden könne. 

Daher gelte es, "vermehrt Anreizsysteme für Finanzierungen aus privater Hand zu schaffen". Ein besonders Problemfeld sei die unternehmerische Erziehung in der Schule. Hier scheint Österreich europaweit lediglich einen Platz vor Schlusslicht Griechenland auf. 

Service: Der Bericht im Internet: http://go.apa.at/MDSLDxyT


Betriebe planen massive Investitionen in Industrie 4.0

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit vorrangig Foto: APA/dpa





Österreichs Industrie wird digital vernetzt und investiert dafür jährlich vier Milliarden Euro. Bis 2020 werden 20 Mrd. Euro in die "Industrie 4.0" genannte Entwicklung gesteckt. 85 Prozent der Industriebetriebe wollen bis dahin Industrie-4.0-Lösungen eingesetzt haben – drei Mal so viele wie heute. Zu diesem Schluss kommt eine PwC-Befragung in 100 heimischen Industriebetrieben. 

Durch die digitale Vernetzung erhoffen sich die Unternehmen eine jährliche Umsatzsteigerung von 2,6 Prozent. Ein Fünftel erwarte sogar eine kumulierte Umsatzsteigerung von 20 Prozent bis 2020. Hochgerechnet auf die österreichische Industrielandschaft ergeben sich insgesamt Mehrumsätze von knapp 3 Milliarden Euro pro Jahr. Die Umsatzsteigerungen werden in den nächsten Jahren zwar die Kosten für Investitionen nicht wettmachen, aber für die mittel- und langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sei diese Investition dennoch unumgänglich. 

Hand in Hand mit der Digitalisierung kommt nach Erwartung von 80 Prozent der Unternehmen eine intensivere unternehmensübergreifende Vernetzung. "Big Data", also die Auswertung riesiger Datenbestände, wird noch wichtiger werden. 91 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass in fünf Jahren die Fähigkeit zur Datenanalyse für das Geschäftsmodell entscheidend sein wird. Es gehe um einen effizienten Datenaustausch innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette, eine digitale Kennzeichnung der Produkte und die Nutzung von Echtzeitdaten zur Steuerung der Produktion.



Service

Grafik: APA




Digital Business Trends am 24. September in Wien: „Digital Marketing: Wie Online-Kommunikation (nicht) funktioniert“

Was sind die entscheidenden Trends im digitalen Marketing? Welche Rolle spielen Soziale Netzwerke? Wie nutzen wir das Potenzial der stärker verfügbaren Daten? Was bringen Targeting oder neuerdings Programmatic Marketing, neue Bezahlmethoden und welchen Stellenwert hat Content? Eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Ort: Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien, Dachgeschoß
Zeit:
ab 19 Uhr

Zur Anmeldung


Service

Foto: APA




Digital Business Trends-Award - Innovative Ideen gesucht

Im Rahmen der Networking-Reihe Digital Business Trends, initiiert von der APA - Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one), wird in diesem Jahr erstmals der gleichnamige Award in zwei Kategorien verliehen. Der Digital Business Trends-Award für innovative Digitalisierungslösungen aus Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie ist mit 4.000 Euro pro Kategorie dotiert und wird von der APA-IT unterstützt.

Details und Teilnahmebedingungen sind unter www.dbt.at/award abrufbar.

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