DBT Newsletter #10/2016

Die Zukunft der Arbeit steht auf dem Prüfstand

Maschinen übernehmen höherwertige Tätigkeiten, Foto: APA (AFP)










Intelligente Maschinen gewinnen beim Brettspiel Go gegen den amtierenden Weltmeister, Roboter produzieren vollautomatisch Autos ohne menschliches Zutun. Und digitale Assistenten auf dem Smartphone wissen alles über die Vorlieben des Nutzers. Müssen wir uns darauf einstellen, dass intelligente Maschinen künftig auch kognitive Aufgaben bewältigen, die bisher den Menschen vorbehalten waren?

Das Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlichte im Jänner eine Studie, wonach bis 2020 mehr als fünf Millionen Jobs weltweit durch die Digitalisierung verschwinden werden. Die „Vierte Industrielle Revolution“ werde mit anderen Faktoren zusammen einen „perfekten Sturm der Veränderung“ auf die Geschäftsmodelle in allen Industriebereichen hervorbringen, heißt es dort. Es würden jedoch auch ganz neuartige Jobs entstehen, die altbekannte ersetzen.

In der Vergangenheit seien durch technologische Innovationen zwar immer wieder Tätigkeiten in großem Umfang weggefallen, gleichzeitig seien aber auch neue Beschäftigungsfelder hinzugekommen, stellt das deutsche Arbeitsministerium in seinem „Grünbuch Arbeiten 4.0“ fest. „Für die künftige Entwicklung werden die positiven Beschäftigungseffekte von einigen Experten jedoch infrage gestellt.“

Kognitive Jobs statt Routine

Das Ministerium stützt sich dabei unter anderem auf eine US-Studie aus dem Jahr 2013. Während durch die Computerisierung in der Vergangenheit meist Routine-Arbeiten von Maschinen übernommen wurden, zeichnen die Forscher für die Zukunft ein düsteres Bild. Demnach werden diesmal intelligente Maschinen und Roboter auch eine große Bandbreite von kognitiven Arbeiten übernehmen. In Deutschland könnten durch neue Technologien 42 Prozent der Beschäftigten dadurch ihren Job verlieren, resümiert ein Gutachten für das Ministerium.

Dass durch Industrie 4.0 und die fortschreitende Digitalisierung auch zunehmend höherwertige Tätigkeiten durch intelligente Maschinen übernommen werden, davon geht auch Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, aus. „Die Arbeit verändert sich, und der Trend wird sich beschleunigen“, sagt die Microsoft-Managerin. Es gebe jedoch auch etwas, was den Menschen in seiner Arbeit auszeichne: Kreativität, Empathie und Intuition.


Algorithmus auf dem Acker – Digital Farming im Kommen

Digital Farming bietet Hilfe vom Pflügen bis zur Ernte, Foto: BayWa











Computerunterstützte Arbeit nimmt auch am Bauernhof zu. Satellitenbilder können helfen, den Ertrag auf den Feldern wesentlich genauer zu analysieren. Erste Anwendungen laufen bereits.

Jürgen Schwarzensteiner zeigt begeistert auf den Bildschirm in seinem Büro in der Poschinger Bray'schen Güterverwaltung. „Dieses Feldstück hat über die Jahre lauter Spitzenerträge gehabt. Dann haben wir die digitalen Karten bekommen und da waren Unterschiede da, die ich mit dem Auge vorher nicht gesehen habe: Dass es in einem Teilbereich wesentlich besser war als im anderen“, sagt der 41-jährige Agraringenieur. Er ist Leiter des landwirtschaftlichen Großbetriebs im niederbayerischen Irlbach. Direkt an der Donau, unweit des Bayerischen Waldes, werden auf 970 Hektar unter anderem Mais, Kartoffeln und Getreide angebaut.

Auf dem Bildschirm ist eine digitale Landkarte zu sehen, die in farbige Quadrate unterteilt ist und rund 30 Hektar der Anbaufläche abbildet. Sie offenbart, was selbst für das geübte Auge nicht zu erkennen ist: Es gibt deutliche Unterschiede bei Pflanzenwachstum und Erträgen. Grün steht für hohe Erträge, rote Quadrate kennzeichnen Flächen, auf denen die Pflanzen sich weniger gut entwickeln. Möglich machen das Satellitenkarten und Software.

Gefahr für Geschäftsmodell

Dieser neue Hit in der Landwirtschaft heißt „Digital Farming“. Dass detaillierte Feldbeobachtungen direkt auf dem Computer oder Tablet des Landwirts erscheinen, wird sich nach Einschätzung von Experten als Standard etablieren. Die Folgen für die Hersteller von Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmitteln könnten gravierend sein: Sie müssen sich auf einen verringerten Einsatz ihrer Produkte einstellen und womöglich ihr Geschäftsmodell umkrempeln.

Schwarzensteiner etwa fand durch Bodenproben heraus, dass der unterschiedliche Humusgehalt auf dem Flurstück für die unterschiedlichen Erträge verantwortlich ist. Außerdem waren einige Stellen überdüngt. Daraufhin reduzierte er den Einsatz von Stickstoffdüngern, schonte damit die Umwelt und sparte Geld. Genau das werde der Trend in der digitalen Landwirtschaft, sagt Agrarchemie-Experte Carsten Gerhardt von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Mittel- bis langfristig erwarte ich, dass sich der Einsatz von Betriebsmitteln um 30 bis 40 Prozent verringern wird.“

Daten werden nutzbar gemacht

Eine ganze Armada von Start-up-Firmen entwickelt nun Algorithmen für Farm-Management-Software, die den Landwirt anleitet, wie er effizienter und effektiver pflügen, säen, spritzen, düngen und ernten kann. Sie machen die gewaltigen neuen Datenmengen für die Landwirte verständlich und nutzbar. Die Investitionen von Wagniskapitalgebern in solche Unternehmen verdoppelten sich den Marktforschern von AgFunder zufolge im vorigen Jahr auf 4,6 Mrd. Euro. Firmen, die sich auf Präzisionslandwirtschaft etwa mit der Entwicklung von Drohnen, Robotern und Software spezialisiert haben, sammelten 2015 insgesamt 661 Mio. Dollar ein, 140 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die alteingesessenen Pflanzenschutz- und Düngemittel-Konzerne gehören selbst zu den größten Investoren in die digitale Landwirtschaft, um sich gegen mögliche Umsatzausfälle zu wappnen. In Leverkusen ist man sich des Drucks bewusst: „Wenn unser einziges Ziel ist, so viele Liter Chemikalien wie möglich zu verkaufen, dann werden wir ein echtes Problem bekommen“, sagte der Leiter der Bayer-Pflanzenschutzsparte, Liam Condon. Wenn nur die Hälfte des Feldes gespritzt werde, werde man zwar nur halb so viel Absatz machen. „Aber das Wissen, dass man nur diesen Teil des Feldes spritzen muss – das können Sie verkaufen.“

Neues CD-Labor sucht Lösungen für Mobilfunk der fünften Generation

Gesellschaft in Bewegung braucht auch flexiblen Mobilfunk, Foto: APA (Fohringer)


Jeder, der im Zug telefonieren will, weiß aus leidvoller Erfahrung: Mobilfunknetze sind nicht auf sich schnell bewegende Gesprächspartner ausgelegt. An einem neuen, an der Technischen Universität (TU) Wien eröffneten Christian Doppler(CD)-Labor will man die Kommunikation in Bewegung verbessern und Lösungen für den Mobilfunk der fünften Generation entwickeln, teilte die TU mit.

Bei schneller Bewegung muss ein Telefongespräch laufend von einer Mobilfunkantenne zur nächsten weitergegeben werden. Dieses Umschalten kostet Zeit, was oft zu Problemen führt. „Die Mobilfunknetze der fünften Generation, die es etwa ab 2020 geben wird, sollen mit solchen Schwierigkeiten viel besser zurechtkommen als unsere heutigen Netze“, erklärte der Leiter des neuen CD-Labors „Zuverlässige drahtlose Konnektivität für eine Gesellschaft in Bewegung“, so Stefan Schwarz vom TU-Institut für Telekommunikation.

Ziel sei, dass eine neue Netz-Architektur Gesprächsteilnehmer automatisch optimal koordiniert. So könnte es manchmal besser sein, nicht die nächstgelegene Antenne, sondern eine weniger belastete zu nutzen, oder mit mehreren Basisstationen gleichzeitig Daten auszutauschen, um das Risiko eines Gesprächsabbruchs zu minimieren. „Wir entwickeln am Computer Modelle von Funknetzen und optimieren dann die Algorithmen, mit denen die Netze arbeiten“, erklärt Schwarz.

Für die experimentelle Untersuchung der Informationsübertragung bei hohen Geschwindigkeiten wurde an der TU ein Rotor installiert, der an einem 1,5 Meter langen Arm eine Antenne im Kreis bewegt. Damit lassen sich Geschwindigkeiten von bis zu 450 Stundenkilometer simulieren und der Einfluss rascher Bewegung auf die Signalübertragung testen.

Auswirkungen auf Logistik und Tourismus

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) – sein Ressort ist der wichtigste Fördergeber der Christian Doppler-Gesellschaft (CDG) – erinnerte anlässlich der Eröffnung daran, dass künftig auch Verkehrsmittel selbst große Datenmengen austauschen werden. Die Mobilfunknetze der fünften Generation sollen also nicht nur Menschen, sondern auch Autos, Busse und Züge effizient und zuverlässig bedienen können. „Dies eröffnet neue Chancen nicht nur für Autozulieferer und -entwickler und den öffentlichen Verkehr, sondern in der Folge auch für Verkehrstelematik, Logistik und Tourismus“, so Mitterlehner.

In den derzeit rund 80 CD-Labors kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Unternehmenspartner des neuen Labors sind A1 Telekom Austria, Kathrein-Werke und Nokia Solutions and Networks. CD-Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Firmen gemeinsam finanziert.



Service

Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA







Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


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