DBT Newsletter #10/2015

Österreich hinkt EU bei Internetgeschwindigkeit nach

Grafik: APA (Hirsch) - Nur 52,5 Prozent surfen mit mehr als 10 Mbit/s









Schnelles Internet ist in Österreich Mangelware, im Vergleich mit der EU liegt man deutlich zurück. Laut dem vom Telekomregulator RTR veröffentlichten Jahresbericht sind hierzulande nur 52,5 Prozent der Internetanschlüsse schneller als 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Damit gehört Österreich zu den EU-Nachzüglern, nur in fünf Mitgliedsstaaten gibt es mehr langsame Internetanschlüsse.

Spitzenreiter ist Bulgarien, wo 94,9 Prozent der Anschlüsse schneller als 10 Mbit/s sind. Auch in Frankreich, Großbritannien und auf Malta sind neun von zehn Internetanschlüssen schneller als 10 Mbit. Der EU-Schnitt liegt bei 70,2 Prozent, in Deutschland sind 58,6 Prozent der Onlineverbindungen schneller als 10 Mbit/s.

Vor allem bei intensiver Nutzung von Cloud-Speichern wie Dropbox oder beim Videostreaming in HD-Qualität sind höhere Bandbreiten erforderlich. Wer sich hochauflösende YouTube-Videos ansehen oder Filme oder Serien streamen will, stößt mit Internetgeschwindigkeiten von weniger als 10 Mbit schnell an seine Grenzen. Durch die ORF-TV-Thek und die Mediatheken der anderen Fernsehsender sowie durch die Online-Videotheken von Netflix und Co. ist das Streamen in Österreich seit geraumer Zeit stark am Steigen.

Laut dem RTR Telekom Monitor surfen nur noch rund 10.000 Österreicher im Schneckentempo (weniger als 2 Mbit/s), 200.000 sind mit 2 Mbit im Internet unterwegs und eine Million Nutzer schafft Geschwindigkeiten zwischen 2 und 10 Mbit pro Sekunde. 725.000 Kunden surfen mit Geschwindigkeiten zwischen 10 und 30 Mbit, weitere 340.000 zwischen 30 und 100 Mbit. Rund 70.000 Haushalte haben Downloadraten von über 100 Mbit. Damit lässt sich ein 4 Gigabyte (GB) großes Computerspiel in gut 5 Minuten herunterladen. Mit 10 Mbit dauert es zehnmal solange.

In Österreich haben 26,9 Prozent der Bevölkerung einen Festnetz-Breitbandanschluss, der EU-Schnitt liegt bei 30,9 Prozent. Beim mobilen Breitband beträgt die Penetrationsrate hierzulande 65,2 Prozent, verglichen mit 66,7 Prozent in der EU. In Finnland, Schweden und Dänemark gibt es bereits mehr mobile Breitband-Anschlüsse als Einwohner.


Urheberrecht: Telekombranche gegen "Handysteuer"

Foto: Internetoffensive Österreich/APA-Fotoservice/Preiss - Ametsreiter, Trionow und Bierwirth bilden






Die heimische Telekomindustrie übt massive Kritik an der kürzlich in Begutachtung gegangenen Urheberrechtsgesetznovelle. Durch die gerätegebundene Speichermedienabgabe würden dem Konsumenten erhebliche Teuerungen bei Smartphones und Tablets sowie der österreichischen Wirtschaft ein erheblicher Kaufkraftverlust drohen, hieß es bei einer Pressekonferenz der "Internetoffensive Österreich".

"Wir sind als Telekomindustrie eine geschlossene Phalanx gegen die Höhe dieses Belastungspakets", sagte Hannes Ametsreiter, CEO der Telekom Austria Group. Ein iPhone 6 Plus mit 128 GB Speicherplatz würde sich durch die Abgabe um über 60 Euro verteuern, ein Durchschnittshandy um rund 36 Euro. "Wir wollen, dass man erkennt, dass diese Beträge zu hoch sind. Wir glauben, dass man hier überzogen hat." Da ausländische Betreiber von der Regelung ausgeschlossen seien, würde es zu einer Schädigung der heimischen Wirtschaft kommen und Kaufkraft Richtung Onlineshops abwandern: "Das ist nicht gut für das Wirtschaftsland Österreich."

Jan Trionow, Chef von Hutchison Drei Austria, beklagte eine "Lose-lose-Situation, die den nationalen Handel schädigt". Zudem verwende man "alte Mittel um etwas hinzuschustern". Ansetzen solle man vielmehr beim viel zu komplexen System der Verwertungsgesellschaften, deren Tarifautonomie außerdem abzuschaffen sei. Die derzeit in der Novelle vorgesehene Ausnahme von der Zahlungspflicht für jene, die glaubhaft machen können, Speichermedien nicht privat zu nutzen, solle grundsätzlich für Business-Geräte gelten.

Kultursponsoring überdenken
In Zeiten der digitalen Transformation werde "ein deutlicher Rückwärtsgang eingelegt" und dem Technologiesstandort Österreich geschadet, sagte Andreas Bierwirth, Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Mobile Austria: "Das ist nichts anderes als eine Handysteuer." Eine solche gebe es in Europa nur noch in Ungarn. "Es ist eine Digitalsteuer, die eingeführt wird. Man kann gerne eine Kultursteuer einrichten, denn wir sagen ja nicht, dass die Kultur nicht mehr Geld braucht, aber durch Belastung einer Zukunftsindustrie werden wir Österreich nicht nach vorne bringen." In der Folge könnten Unternehmen der Telekomindustrie möglicherweise ihr Engagement beim Kultursponsoring überdenken, um nicht quasi doppelte Förderung zu betreiben.

Der Gesetzesentwurf müsse dringend nachgebessert und die maximale Deckelung von 6 Prozent des Gerätekaufpreises sowie die 29 Mio. Euro Gesamtaufkommen pro Jahr deutlich verringert werden, hieß es. Franz Medwenitsch, Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft LSG, kritisierte unterdessen die Aussagen der Telekombranche: "Es ist ja nicht neu, dass die IKT-Branche mit gezielten Falschmeldungen arbeitet. Das ist lediglich eine Fortsetzung ihrer kunst- und urheberfeindlichen Haltung.“

Service: www.internetoffensive.at


Europäischer Erfinderpreis für steirischen NFC-Pionier

Foto: APA/Europäisches Patentamt/Heinz Troll - Amtmann war maßgeblich an der Entwicklung von Near Field Communication beteiligt











Der steirische Elektroingenieur Franz Amtmann ist gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Philippe Maugars mit dem Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie "Industrie" ausgezeichnet worden. Amtmann von NXP Semiconductors Austria in Gratkorn (Steiermark) war maßgeblich an der Entwicklung von Near Field Communication (NFC), einem einfachen Datentransfer-Verfahren, beteiligt.

Die NFC-Technologie ist heute weitverbreitet. Sie kommt bei Skilift- oder Zutrittskarten ebenso zum Einsatz wie beim Bezahlen kleiner Beträge mit der Bankomatkarte an der Supermarktkasse oder bei der Informationsübertragung von Smart Posters. "NFC eröffnet eine Vielzahl neuen Nutzungsoptionen für Smartphones, Tablets und andere mobile Endgeräte. Zahlreiche Funktionen verschmelzen in einem einzigen, multifunktionalen Gerät", würdigte EPA-Präsident Benoît Battistelli die Erfinder.

"NFC birgt einen immensen gesellschaftlichen Nutzen: Die Technologie eröffnet vielseitige Perspektiven, direkt mit der Umwelt zu interagieren – und revolutioniert damit die moderne Welt der Kommunikation." Die Erfindung von Amtmann und Maugars gehört heute zu den Technologiestandards im Mobilfunk: In jedem dritten Handy, das auf dem Markt erhältlich ist, ist ein NFC-Chip verbaut.

Die Near Field Communication basiert auf dem Prinzip der RFID (radio-frequency identification), einer Technologie zum automatischen und berührungslosen Erkennen von Objekten durch elektromagnetische Kopplung zur Energie- und Datenübertragung. Eines der Pionierprojekte auf diesem Gebiet war die kontaktlose Chipkartentechnik MIFARE. Diese wurde von einem Team, dem auch Franz Amtmann angehörte, in den 1990er-Jahren in der Firma Mikron in Gratkorn entwickelt. Zur verschlüsselten Datenübertragung wird dabei ein schwaches magnetisches Feld genutzt.

Schließlich sei 2002 die Grundidee für NFC in Gratkorn entwickelt worden, beschrieb Amtmann anlässlich seiner Nominierung die Technologie gegenüber der APA. "Neu an NFC war damals, dass ein und dasselbe Device einmal als Reader arbeitet, also bestimmte Informationen auslesen kann, etwa von Smart Posters, und auch die Kartenfunktionalität hat, um etwa Zutrittsberechtigungen nachzuweisen, oder als weitere Möglichkeit eine "Peer to Peer"-Kommunikation erlaubt", so Amtmann.


Hagenberger Forscher arbeiten an smarter Kleidung

Foto: FH OÖ/Media Interaction Lab - Steuerung der Smartwatch erfolgt über das Uhrband






Forscher des FH OÖ Campus Hagenberg haben für ihr Projekt "eGlasses" einen Google Research Award gewonnen. Die Wissenschafter experimentieren u.a. mit leitfähigen Fasern, die sich als Steuerungselemente in Textilien integrieren lassen. Ergebnis dieser Arbeit soll smarte Kleidung sein, über die man verschiedene Anwendungen wie Handys, Musikplayer oder eine Datenbrille steuern kann.

Die Forscher des Media Interaction Lab erhielten den halbjährlich vergebenen Google Faculty Research Award in der Kategorie "Physical interactions with devices", wie die FH berichtete. "eGlasses" zählt somit zu den rund 20 Prozent der von Google außerhalb der USA geförderten Projekte und ist unter diesen das einzige aus Österreich.

"Wir weben leitende Fäden in die Kleidung ein, die entweder als Knöpfe oder als Touch-Elemente genutzt werden können", erklärte Michael Haller, Leiter des Media Interaction Lab. So kann der Träger beispielsweise mit seiner Jacke eine Datenbrille, mit dem Uhrband eine Smartwatch oder über eine Handyhülle aus Filz sein Smartphone steuern. Letzteres dürfte vor allem im Winter gefragt sein, wenn man dazu seine Handschuhe nicht ausziehen will.

Besonderen Wert legen die Forscher auf die Verbindung von einfacher Bedienbarkeit und modischer Ästhetik. "Derzeit haben wir ein Shirt mit einem iPod-artigen Navigationsrad und fünf Tasten", schildert Hallers Kollegin Anita Vogl. Mit dem Leibchen können unterschiedliche Anwendungen gesteuert werden. Den Wissenschaftern schwebt auch Laufkleidung vor, über die man durch einfaches Ziehen den Musikplayer bedienen kann. Ein weiterer Ansatz sind Annäherungs- und Temperatursensoren, um das berührungslose Arbeiten - etwa, wenn man schmutzige Hände hat oder Handschuhe trägt - zu erlauben.


Internet der Dinge: Forscher bauen "Bürgernetzwerk"

Foto: APA/dpa -






Schon heute sind mehr eigenständige Geräte mit dem Internet verbunden als von Menschen bediente Computer, in zehn Jahren sollen es 150 Milliarden sein. Die zahlreichen Sensoren solcher Geräte und Smartphones will Dirk Helbing von der ETH Zürich mit einem "planetaren Nervensystem" verbinden, um ihre Daten verfügbar zu machen.

An diesem planetaren Nervensystem arbeite er mit Kollegen schon seit ein paar Monaten und bald könne man sich mit einer Smartphone-App darin einklinken. "Im ersten Schritt wird das planetare Nervensystem ausschließlich die Sensoren verwenden, die in den Smartphones selber sind", erklärte der promovierte und habilitierte theoretische Physiker, der an der ETH Zürich einen Lehrstuhl für Soziologie innehat, im Gespräch mit der APA. Aktuell seien das etwa fünfzehn, unter anderem solche zur Messung der Helligkeit und Beschleunigung.

"Damit die Privatsphäre der Nutzer unbehelligt bleibt, filtern wir zum Beispiel die Mikrofonsignale so, dass nur die Lautstärke gemessen wird und keine Wörter hörbar sind", so Helbing. Außerdem sei bei jedem Sensor einstellbar, ob man die Messungen nur für sich selber verwenden oder für "kollektive Messprozesse" teilen möchte.

Später könne man auch zahlreiche andere Messfühler von Geräten anschließen, die mit dem Internet verbunden sind. "Rund um uns gibt es jetzt immer mehr Sensoren: etwa in Kaffeemaschinen, im Kühlschrank, der Zahnbürste, den Schuhen und im Feueralarm", sagte Helbing. Das planetare Nervensystem solle von den Bürgern selber aufgebaut und betrieben werden, damit sie die Kontrolle über ihre Daten behalten. "Ich glaube, es würde sich keiner wohlfühlen, wenn all die Daten von den Sensoren rund um uns von einer Firma oder vom Staat gesammelt würden", meinte Helbing.

Messdaten helfen bei Entscheidungsfindung
Als "Bürgernetzwerk" soll das planetenumfassende Nervensystem dafür sorgen, dass Entscheidungsträger, Wirtschaft, Wissenschafter und Bürger anhand der zahlreichen Messdaten ein umfassendes Bild der Realität in Echtzeit erhalten und bessere Entscheidungen fällen können. "Irgendwann sind wir dann auch nicht mehr auf die Daten einzelner Firmen wie Facebook und Google angewiesen, von denen sie ja nur die wenigsten wieder herausrücken", so Helbing.

Die "Nervousnet" genannte Plattform könne als "Informations-, Innovations- und Produktions-Ökosystem" ein Katalysator für exponentielles Wachstum von Neuentwicklungen sein, meint er. "Das planetare Nervensystem ist unter anderem ein Versuch, neue kreative Jobs in Zeiten zu schaffen, in denen die digitale Revolution wahrscheinlich 50 Prozent der klassischen Jobs in der Industrie und im Servicesektor eliminieren wird", erklärte der Forscher.

Service: http://www.nervous.ethz.ch/

Online-Shopping wechselt auf das Handy

Foto: APA/picturedesk.com/Style-Photography/Westend61 - Smartphone ersetzt zunehmend Computer beim Online-Einkauf










Grundsätzlich kaufen die Österreicher immer mehr im "Distanzhandel", also ohne selber ins Geschäft zu gehen. Bestellungen per Post oder Telefon spielen dabei nur mehr eine verschwindend geringe Rolle. Nun ersetzt das Smartphone zunehmend den Computer als Gerät, von dem aus eingekauft wird, zeigt eine Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbands.

Smartphone-Shopping hat 2015 im Vergleich zu 2014 (jeweils Untersuchungszeiträume bis April des Jahres) um 40 Prozent zugelegt, das explosionsartige Wachstum dürfte weitergehen, erwartet Studienautor Ernst Gittenberger. Allerdings ist der Gesamtumsatz am Smartphone mit 350 Mio. Euro noch klein. Im Distanzhandel haben die Österreicher 7,1 Mrd. Euro ausgegeben, also das 20-fache. Am gesamten Einzelhandelsumsatz in Österreich machen Smartphones überhaupt erst 0,5 Prozent aus. Schon im kommenden Jahr könnte sich das auf ein Prozent verdoppeln, sagte Gittenberger in Wien vor Journalisten.

Inzwischen besitzen 55 Prozent der Österreicher ein internetfähiges Handy (Smartphone), 30 Prozent suchen damit Produkte und 14 Prozent kaufen auch tatsächlich damit ein - das sind rund 1 Mio. Österreicher.


Service

Foto: APA




Digital Business Trends-Award - Innovative Ideen gesucht

Im Rahmen der Networking-Reihe Digital Business Trends, initiiert von der APA - Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one), wird in diesem Jahr erstmals der gleichnamige Award in zwei Kategorien verliehen. Der Digital Business Trends-Award für innovative Digitalisierungslösungen aus Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie ist mit 4.000 Euro pro Kategorie dotiert und wird von der APA-IT unterstützt.

Details und Teilnahmebedingungen sind unter www.dbt.at/award abrufbar.

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