DBT Newsletter #09/2016

Firmen bereiten sich forciert auf Industrie 4.0 vor

Spezialisten könnten zur Mangelware werden,  Foto: FH Technikum Wien/APA-Fotoservice/Roßboth





Die Digitalisierung der Fertigungsabläufe – auch als Industrie 4.0 bezeichnet – kommt immer mehr bei den österreichischen Unternehmen an. Laut einer PwC-Umfrage (100 Betriebe) stuft ein Drittel der heimischen Firmen den eigenen Digitalisierungsgrad als hoch ein, in fünf Jahren sollen es 77 Prozent sein.

2015 planten die befragten Unternehmen knapp 4 Prozent ihres Jahresumsatzes für Industrie 4.0-Projekte aufzuwenden, laut den Ergebnissen der aktuellen Studie sind inzwischen 4,7 Prozent vorgesehen. Wichtigstes Anliegen der Industrie ist die Verbesserung der Planungsprozesse in Produktion und Fertigung. Als Herausforderung werden die Rekrutierung und die Weiterbildung von IT-Spezialisten gesehen.

„Mangelnde Kompetenzen als Hürde auf dem Weg zur Industrie 4.0 sehen die befragten Unternehmen weniger in der Anschaffung der benötigten Technologie als in Ermangelung der nötigen internen digitalen Kultur, Vision und Trainings sowie in fehlenden Spezialisten“, so PwC.

Digitale Fabrik am FH Technikum Wien eröffnet

Ob hochqualifizierte technische Fachkräfte zur Verfügung stehen, sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor, hieß es kürzlich auch bei der Eröffnung eines eigenen Lehr- und Forschungszentrums am FH Technikum Wien. Das obligatorische Banddurchschneiden der Pilotfabrik übernahm ein Roboter mit einer Schere aus dem 3D-Drucker. Auf die Frage, wo nun der Sekt bleibe, hieß es lapidar: „Er bevorzugt Öl.“

Am Beispiel einer Montage von Achslagerböcken wird untersucht, wie sich durch diese sowohl reale als auch virtuelle Vernetzung unterschiedlicher Industrieroboter künftige Produktionsszenarien gestalten. Die beteiligten Unternehmen tauschen im Herstellungsprozess Produkt- und Auftragsdaten aus. Gleichzeitig kommunizieren die einzelnen Fertigungssysteme und Bauteile über das Internet miteinander, beschreibt Erich Markl, Leiter des Institutes für Advanced Engineering Technologies an der FH, die Produktionsstätten der Zukunft.

Branchenexperten erwarten 40.000 neue Jobs

„Die digitale Fabrik bietet Österreich 40.000 neue Jobs“, rechnete Lothar Roitner, Obmann des FH-Technikum Wien vor. Industrie 4.0 komme so oder so, nun gelte es Forschung und Ausbildung darauf abzustimmen. Österreich mit seiner starken Industrie habe hier hervorragende Voraussetzungen, so Roitner, der durch Aktivitäten in diesem Bereich eine große Chance sieht, den internationalen Wettbewerb weniger über den Preis, als über Know-how und neue Technologien zu führen.

Wichtig sei es, keine Zeit zu verlieren, betonte Kurt Hofstädter, Vorsitzender der Plattform Industrie 4.0. Die digitale Fabrik sei heuer das zentrale Thema bei der weltgrößten Industriemesse in Hannover – dabei war Industrie 4.0 vor vier Jahren auf der Messe nahezu noch unbekannt. „Veränderungen durch Digitalisierung verlaufen schnell und radikal“, so Rainer Stetter, Chef der ITQ in München. Sein Aufruf an Forscher und Politiker: „Wir brauchen wieder mehr Spinner.“

Massive Schäden durch Datendiebstahl und Spionage

Die deutsche Industrie profitiert einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge bereits erheblich von der Digitalisierung. In den vergangenen 15 Jahren hätten die Firmen ihre Kapitalrendite von zwölf auf mehr als 30 Prozent gesteigert. Grund für diese weltweit einmalige Entwicklung sei „der konsequente Ausbau von Industrie 4.0“. Allerdings gibt es auch Schattenseiten: Mit der Zunahme an digital unterstützter und gesteuerter Fertigung steigt das Risiko für Firmen, Opfer von Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotage zu werden.

Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter mehr als 500 Unternehmen waren mehr als zwei Drittel der Firmen in den vergangenen zwei Jahren von solchen Delikten betroffen. Nach Bitkom-Berechnungen summiert sich der dadurch entstandene Schaden auf 22,4 Mrd. Euro im Jahr – aufgrund von Umsatzverlusten durch Plagiate, Patentverletzungen, den Verlust von Wettbewerbsvorteilen sowie Kosten für Rechtsstreitigkeiten.

Service: Ein Video zur digitalen Fabrik an der FH Technikum Wien ist unter http://go.apa.at/gY1RlcFT abrufbar.


Immer die gleichen Fehler ermöglichen Cyberangriffe

Gegenmaßnahmen werden kaum umgesetzt, Foto: APA (dpa)






Trotz Fortschritten bei der Analyse von Cyberangriffen hat sich laut dem US-Telekom-Riesen Verizon in Sachen IT-Sicherheit in Unternehmen nicht viel getan. „Man weiß, welche Methoden und Werkzeuge Cyber-Kriminelle nutzen, man weiß eigentlich auch, was man dagegen tun müsste, aber es hat sich bisher nichts verändert“, so Lorenz Kuhlee, Leiter des Sicherheitsteams von Verizon in Europa.

Entgegen besseren Wissens würden entsprechend wirksame Gegenmaßnahmen vor allem in Unternehmen nicht umgesetzt. Der aktuelle Sicherheitsreport von Verizon zeigt demnach erneut altbekannte Bedrohungsszenarien auf. So stünden hinter 89 Prozent aller dokumentierten Attacken wie auch in den Jahren zuvor finanzielle Interessen oder sie seien durch Spionage motiviert. 95 Prozent der Datenlecks und 86 Prozent der registrierten Sicherheitsvorfälle ließen sich auf neun weithin bekannte Angriffstypen zurückführen.

Die meisten Attacken würden bereits bekannte Schwachstellen ausnutzen, die teils über Monate oder gar Jahre hinweg nicht geschlossen worden seien, resümieren die Verfasser der Studie. Bei 63 Prozent der erfolgreichen Attacken nutzten die Angreifer schwache, voreingestellte oder gestohlene Passwörter, um an Daten zu kommen.

Aufklärung dauert zu lange

Das Aufspüren von Cyberangriffen müsse deutlich an Geschwindigkeit gewinnen, fordert Kuhlee. Bisher erfolge die Forensik in der Regel durch externe Stellen oder die Polizei. Für eine Beschleunigung müssten dagegen die IT-Abteilungen selbst besser ausgestattet werden. Die Forensik müsse in Unternehmen ganz oben, unter dem Firmenchef, aufgehängt sein. Während Angreifer derzeit Stunden oder Tage für eine Attacke benötigten, erfolge die Aufklärung und Analyse über Wochen und Monate viel zu lange, sagte Kuhlee.

Unternehmen müssten sich bewusst machen, wie wertvoll ihre eigenen Daten sein könnten, noch bevor ein Sicherheitsvorfall erfolgt sei. Die Lösungen seien eigentlich da, sie würden nur nicht umgesetzt. „Viele Unternehmen entscheiden sich aus finanziellen Gründen dagegen“, sagt Kuhlee. „Wir müssen es den Angreifern schwerer machen.“ Damit würde ein Angriff länger dauern und tendenziell unrentabler werden. Gegen den Diebstahl von Zugangsdaten helfe zum Beispiel eine einfache Zwei-Faktoren-Authentifizierung. Der Verlust von Laptops etwa gehört laut Studie zu den häufigsten Daten-Unfällen. „Die Vollverschlüsselung wäre eine geeignete Gegenmaßnahme. Das hat ja selbst das iPhone.“


Internet und soziale Medien revolutionieren Alltag

„Rückzugsgesellschaft wird sich weiter vertiefen“, Foto: APA (AFP)


Rund 40 Prozent der Österreicher tauschen sich mit ihren engsten Freunden meist nur über technische Hilfsmittel aus. Wie sich neue Kommunikationswelten auf die Gesellschaft und Wirtschaft in Österreich auswirken, erklärte der Meinungsforscher Paul Eiselsberg bei der Präsentation seines neuen Buchs „#SocialMedia Revolution“.

„Wir glauben, es werden noch mehr Kommunikationskanäle entstehen. Die Rückzugsgesellschaft wird sich weiter vertiefen. Da wir alles von zu Hause aus machen können, arbeiten, Essen bestellen und mit Freunden kommunizieren“, sagte Eiselsberg. Acht von zehn Österreichern sind sich einigermaßen sicher, dass das Internet und die sozialen Medien unser Leben revolutionieren und verändern. „Mit den Smartphones in Kombination mit den sozialen Netzwerken entstand eine Revolution.“

80 Prozent der befragten Facebook-Nutzer sind ständig online und gönnen sich keine bewusste Auszeit ohne soziale Netzwerke. Der Linzer Autor kommt zum Schluss, dass sich der gesellschaftliche Wandel durch die Digitalisierung schneller vollzieht, als sich dies die Österreicher wünschen.

Er analysiert in seinem Buch mehr als 15.000 persönliche Interviews der vergangenen drei Jahre. Dabei wurden zeitversetzt jeweils circa 1.000 Personen befragt, diese stehen statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Ergebnisse der Studien fasst der Autor in neun Kernthemen zusammen: Vom privaten Konsum von sozialen Medien über Online-Shopping, Reisebuchung und der Onlinerecherche nach Krankheitsdiagnosen bis zum politischen „Shitstorm“.

Der Autor ist als Senior Research Director und Prokurist am Markt- und Meinungsforschungsinstitut IMAS International in Linz tätig.

Service: Das Buch „#SocialMedia Revolution“ ist im Trauner Verlag erschienen und ab sofort erhältlich. Mehr Infos auf: www.trauner.at


Service

DBT-Blog: Neuer Blogbeitrag zum Thema "Big Data" abrufbar

Big Data nach dem Hype: Was bringt die Algorithmen-Wirtschaft?
Jürgen Horak, Dimension Data Austria

Big Data ist definitiv auch bei uns angekommen. Immer mehr österreichische Unternehmen sind zunehmend mit exponentiellem Datenwachstum konfrontiert und suchen daher nach effizienten Lösungen damit umzugehen. Keine Frage, durch das exponentielle Datenwachstum wird es auch immer anspruchsvoller das volle Potenzial von Datenbeständen zu nutzen. Es handelt sich sprichwörtlich um die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Andererseits wird es aber immer wesentlicher diese „Nadel“ zu finden, will man den Geschäftserfolg auch in Zukunft sicherstellen. …

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Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA







Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


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