DBT Newsletter #07/2018

 

Österreich hinkt bei künstlicher Intelligenz hinterher

Die Transformation geschieht mit rasanter Geschwindigkeit, Foto: APA (dpa)






Künstliche Intelligenz (KI) ist in der Industrie erst seit wenigen Jahren ein Thema, seit einem Jahr mit steiler Kurve nach oben. Die Transformation geschieht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, wobei neben den USA auch China und Indien ganz vorne mitmischen. Österreich, aber auch andere mitteleuropäische Länder wie Deutschland, hinken hinterher, zeigt eine BCG-Untersuchung.

Dabei könnte bei der Nutzung künstlicher Intelligenz die Wertschöpfung Österreichs im Laufe der kommenden zehn Jahre um 5 Mrd. Euro oder 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, sagte Hannes Pichler, Partner bei der Boston Consulting Group (BCG), vor Journalisten in Wien. Das Potenzial sei gewaltig. Es hätte sich gezeigt, dass Transportwege um 15 bis 20 Prozent verkürzt, Lagerbestände um 20 Prozent verringert wurden. Der Wartungsbedarf von Maschinen konnte halbiert werden. Er berate ein Unternehmen, das der Hälfte seiner Kunden nach klassischen Kriterien Angebote legt, der anderen Hälfte nach einem Algorithmus, der aus allen vorhandenen Daten Präferenzen herausliest, erzählte Pichler. Nach einem halben Jahr liege das Umsatzplus der vom Algorithmus bedienten Kunden bei 20 Prozent – Tendenz weiter steigend, da der Algorithmus laufend dazulerne.

BCG hat Führungskräfte von 1.100 Firmen in 12 Ländern zu ihrer Nutzung von KI für die industrielle Produktion befragt, davon etwa 100 in Österreich. Demnach liegen die USA, wo 25 Prozent bereits auf solche Methoden zurückgreifen, vor China (23 Prozent) und Indien (19 Prozent). Österreich liegt mit 12 Prozent KI-Nutzung im hinteren Drittel dieser Auswahl. Vor allem China sei sehr beeindruckend, sagt Pichler. Dort werde das Thema „generalstabsmäßig angesetzt“. Ziele pro Branche werden definiert und dafür auch die Ausbildungswege auf der Universität geschaffen. Auch wird Kapital dafür zur Verfügung gestellt. Ziel könne nicht die „Durchfinanzierung“ durch den Staat sein, sehr wohl sollten aber Anreize gesetzt werden.

Physiker, Mathematiker und Statistiker gesucht

Außerdem müsse sehr schnell gehandelt werden: Unternehmen sollten besser heute als morgen beginnen und wenn es Erfolge gibt, sofort ausrollen. Der Wettbewerbsvorteil wird vielleicht nur ein Jahr halten und nicht zehn, dafür kann er sehr groß sein, so Pichler. Weltweit fehle es unterdessen an Experten, die große Datenmengen durchforsten und nutzen können, wobei weniger Programmierer, sondern eher Physiker, Mathematiker und Statistiker gesucht sind. Die BCG selbst habe in den vergangenen drei Jahren 500 Ingenieure eingestellt, die „nichts anderes machen als im großen Rauschen nach Mustern zu suchen“. Gut ein Drittel des weltweiten Umsatzes von 6 Mrd. Euro macht das Unternehmen inzwischen mit „Digitalisierung“, mit Themen, die es vor zehn Jahren noch nicht gab.

Trotzdem müsse nicht jede Firma alles von Null auf neu erstellen. Inzwischen gebe es eine Vielzahl von „Basisalgorithmen“, die man weiterentwickeln kann. Letztlich aber brauche jedes Unternehmen spezifische Lösungen. In der ersten Lernphase sei es sicher sinnvoll, dafür eine eigene Abteilung zu schaffen. Wenn die Mechanismen beherrscht werden, könne das Wissen an alle ausgerollt werden. Pichler erwartet aber auch, dass sich Firmen zusammenschließen für die Grundausrüstung mit KI – so wie es heute Einkaufsgemeinschaften gebe, die auch Konkurrenten zusammenbringt.


Chinas „Sozialkreditsystem“ – „Big Brother“ sieht auch kleine Sünden

Lückenlose Kontrolle soll „Wohlverhalten“ sicherstellen, Foto: APA (AFP)





Bei roter Ampel über die Straße gegangen? Trotz Rauchverbots eine Zigarette angezündet? Im Internet schlüpfrige Seiten besucht? Diese kleinen Sünden müssen sich die Bürger in China in Zukunft wohl mehrfach überlegen, immerhin steht ihr „Sozialkredit“ auf dem Spiel. In mehreren Städten testet China ein auf Punkten basierendes Bewertungsregister, das sämtliche Lebensbereiche umfasst.

2020 soll das „Sozialkreditsystem“ letztlich für alle 1,3 Milliarden Einwohner verpflichtend sein. Nach offizieller Darstellung wurde dieses Kontrolltool eingeführt, um die Kriminalitäts- und Terrorbekämpfung zu stärken. In der Realität könnte es dem Regime aber derart gelingen, die Bevölkerung lückenlos zu überwachen und zu konditionieren.

Die Informationen werden über Daten aus dem Internet gesammelt. Es kann beispielsweise analysiert werden, welche Inhalte man in den sozialen Medien postet. Zudem bündelt der Staat Finanzdaten und Informationen aus den öffentlichen Datenbanken und von großen Online-Anbietern wie Amazon oder den Internetriesen Alibaba und Tencent. Es werden Einkäufe mit Kreditkarte oder Bezahl-Apps registriert, die in China weit verbreitet sind. Als weitere Datenquellen kommen Kranken- und Gerichtsakten in Frage. Oder die Inputs von Beobachtern, die das Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum melden.

Zudem existiert ein System großflächig installierter Überwachungskameras. 170 Millionen davon gibt es bereits im ganzen Land. Bis 2020 sollen es 400 Millionen sein. Eine Software zur Gesichtserkennung könnte es in Zukunft möglich machen, jeden abgelichteten Chinesen binnen drei Sekunden zu identifizieren. Das macht unter anderem eine Gesichtserkennungsbrille für Polizisten möglich. Deren Fotos werden in einer Megadatenbank abgespeichert. Algorithmen sollen aus den derart gewonnenen Daten dann berechnen, wer nach Einschätzung der Partei ein „aufrichtiger und moralischer hochstehender Mensch“ ist. Über eine Smartphone-App kann der eigene Punktestand abgerufen werden. Allerdings haben auch Behörden, Banken und Arbeitgeber, Vermieter, Einkaufsplattformen, Reiseveranstalter und Fluggesellschaften Einsicht in die Bewertung.

Registrierung könnte schon 2020 zur Pflicht werden

Noch wird die Bürgerbewertung lediglich ausprobiert. Doch bereits 2020 könnte es den derzeitigen Plänen zufolge für jeden chinesischen Staatsbürger zur Pflicht werden, sich mit seiner Sozialausweisnummer dafür registrieren zu lassen. Für die meisten chinesischen Bürger ist es jetzt schon nicht mehr ungewöhnlich, dass ihr Nutzerverhalten im Internet bewertet wird. Wer sich „gut verhält“, also regimetreu ist oder einen gesunden Lebensstil vorweisen kann, dem werden auf dem persönlichen Sozialkredit-Konto Punkte gutgeschrieben.

Die höchstmögliche Beurteilung ist wie bei den Bewertungen internationaler Finanz-Ratingagenturen der „AAA“-Status. Wird dieser stabilisiert, winken Belohnungen wie eine günstigere Kranken- oder Sozialversicherung. Auch bei Beförderungen wird das Rating der Kandidaten zu Rate gezogen. „Schlechtes“ Verhalten wie regelmäßiger Alkoholkonsum, häufige Verkehrsvergehen, ein „Like“ unter einem kritischen Posting oder ein Streit in der Nachbarschaft zieht einen Punkteabzug nach sich.

Punktekonto mit „guten Taten“ aufbessern

Verschärfend kommt dazu, dass auch die Performance der Eltern, Verwandten oder des Freundeskreises in die Bewertung einbezogen wird. Niedrige Punktezahlen können wiederum bis zu einem gewissen Grad durch „gute Taten“ ausgebügelt werden, etwa durch Blutspenden. Der schlechteste Status ist „D“ und kann bis zum Verlust des Jobs führen. Oder zum Verbot ein Bahn- oder Flugticket zu lösen.

„Big Brother is watching you“ scheint in China Realität zu sein. Klaus Mühlhahn, China-Experte der Freien Universität Berlin, warnt freilich vor zu eiligen Vorverurteilungen seitens des Westens: „Bei diesem Sozialkreditsystem kann man nicht sagen, dass es so etwas bei uns überhaupt nicht gibt. Größtenteils ist das ein Kreditbewertungssystem.“ So verfüge in Deutschland die Auskunftsdatei „Schufa“ über kreditrelevante Informationen zu 66,3 Millionen Personen und 4,3 Millionen Unternehmen. Allerdings gebe es doch einen Unterschied zu diesen westlichen Modellen: „China macht das dann systematisch und sagt, wenn wir schon die Kreditwürdigkeit beurteilen, dann bauen wir das doch gleich aus und nehmen jede Art von Regelbruch, den wir dann da einbauen.“ Das gebe dann doch Anlass zur Sorge.

 

Grazer Start-up iTranslate an Tinder-Mutter verkauft

Übersetzungs-Software wurde mehr als 80 Millionen Mal heruntergeladen, Foto: iTranslate





Das Grazer Start-up iTranslate, das mit seiner Übersetzungs-Software weltweit erfolgreich ist, wurde an IAC Applications, eine Sparte des Medien- und Internetunternehmens IAC (Inter Active Corp), verkauft. Zu IAC gehören unter anderem Tinder, Vimeo und MyHammer. Der Standort in Graz soll personell aufgestockt werden, sagte Pressesprecher Thomas Reiter auf APA-Anfrage. 

Die vier Gründer Alexander Marktl (CEO), Andreas Dolinsek (CTO), Gunther Marktl und Richard Marktl haben vor zehn Jahren ihr Studium abgebrochen, um die App als eine der weltweit ersten 1.000 Apps im Apple-App-Store einzuführen. iTranslate ist mit über 80 Millionen Downloads die führende mobile Übersetzungs-App, die mehr als 100 Sprachen beinhaltet.

In Graz wird man sich in Zukunft nicht nur um iTranslate, sondern auch um andere Apps kümmern. Geplant ist daher, weitere Mitarbeiter einzustellen. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Brancheninsider schätzen, dass es sich um eine Summe zwischen 50 und 100 Millionen Euro gehandelt haben dürfte.

 

Aus der Wissenschaft:

Von Maschinen und Menschen 

Prof. Sebastian Schlund, Foto: TU Wien





Der Unterschied ist gewaltig: Unsere Industrieanlagen sehen heute völlig anders aus als vor einigen Jahrzehnten. Wo früher viele Menschen körperlich anstrengende Arbeit leisteten, packen heute Maschinen an. Nun steht ein weiterer, ähnlich radikaler Wandel bevor. Die Produktionstechnik wird digitalisiert, damit wird sich auch die menschliche Arbeitswelt drastisch verändern. Wie können wir aber die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in der industriellen Produktion klug gestalten? …

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Service:

Start-up-your-Business: Digital Business Trends-Award 2018

Digital Business Trends, Foto: APA

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2018 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscherinnen und Jungforscher, Entwicklerinnen und Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2018 möglich.

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