DBT Newsletter #07/2016

Digitale Kommunikation: Keine Angst vor neuen Wegen

Social Media ist gekommen, um zu bleiben; Foto: APA (AFP)






Immer mehr Ausspielkanäle, Interaktion in Echtzeit und neue digitale Werkzeuge: Die Unternehmenskommunikation wird deutlich komplexer, eröffnet aber auch viele Möglichkeiten. Welche Strategien Erfolg versprechen und was es zu vermeiden gilt, erklärten Profis bei der Veranstaltungsreihe „DigitalDialog“ in Graz.

„Viele Unternehmen nehmen die digitale Transformation noch nicht ernst genug. Inzwischen besitzt das weltgrößte Taxi-Unternehmen aber keine Taxis und der größte Beherbergungsanbieter keine Immobilien mehr“, nahm Gerhard Kürner, Managing Partner der Kreativschmiede Lunik2, die kürzlich aus den Agenturen Strobl)Kriegner Group und Tower Trash hervorgegangen ist, auf Uber und Airbnb Bezug.

„Uns betrifft das nicht“ – diese Meinung herrsche zum Teil auch noch in den Chefetagen vor. Das sei falsch, es gebe nur im Umfang der Auswirkungen Unterschiede. „Hat das jemand kommen sehen?“ höre man oft in Reaktion auf das Verschwinden von Dienstleistungen – Stichwort Bankschalter, von denen es immer weniger gibt. Oder es heiße gleich: „Das wird sich nicht mehr ausgehen“, in Hinblick auf Märkte, die sich nicht nur rasant verändern, sondern auch vom digitalen Wandel „unterwandert“ werden.

„Das gesamte Öko-System rund herum bewegt sich“, verwies der Experte beispielsweise auf die Medienbranche. „Hier gibt es großteils gute Qualität, trotzdem gehen die Einnahmequellen verloren. Das wird eng“, so Kürner. Gleichzeitig würden sich für viele Branchen neue Chancen auftun: „Die Zeit, die die Anwender dem Smartphone widmen, nimmt laufend zu, weshalb auch Werbung stärker an die mobilen Endgeräte angepasst wird.“ Ein großes Thema sei auch Video: „Das kommt auf alle Fälle. Die Hürde ist gering, es geht sehr simpel und das Wachstum ist stark.“

Video wird zum Renner

Video könnte der Retter sein, hieß es zwar schon zu Beginn der Medienkrise. Jetzt sei das Thema aber wirklich reif, gab sich auch Barbara Rauchwarter, Unternehmenssprecherin der APA - Austria Presse Agentur, überzeugt. „Da bewegt sich viel. Allerdings müssen die Videos lockerer und redaktioneller gestaltet werden“, so die Expertin. Vorstände dürften vor der Kamera nicht wirken „wie der Bundespräsident bei der Neujahrsansprache“.

Bei der Kommunikation über soziale Medien sei ebenfalls eine wohlüberlegte Strategie notwendig. „Am Anfang stand bei uns die Frage, was kann und was möchte ich auf diesen Plattformen tun. Das Ergebnis war, dort gar nichts zu machen“, erklärte Rauchwarter. Denn als B2B-Unternehmen Nachrichten zu posten, sei eher unklug, und Presseaussendungen eins zu eins auszuspielen, nicht gerade spannend. „Fazit: Wenn wir dort nichts zu sagen haben, machen wir es auch nicht. Das war eine sehr bewusste Entscheidung“, so Rauchwarter. Auch Organisationen, in denen jeder Tweet und jedes Posting langwierig abgesegnet werden müssten, sollten die Finger von Social Media lassen.

Im Tourismus sei das diesbezügliche Engagement noch sehr unterschiedlich. „Das reicht von der traditionellen Buchung per Telefon bis zu Facebook und Instagram“, sagte Christina Brandstätter, die den Bereich Marketing & PR beim Seehotel Jägerwirt leitet. „Wir selbst versuchen durch kreative Ansätze zu punkten – beispielsweise ‚Behind the Scenes‘-Beiträge.“ Wichtig sei auch authentisch zu kommunizieren, also auf das Schönzeichnen von Fotos zu verzichten, und Bewertungen auf Internet-Portalen ernst zu nehmen.

Nicht auf eigene Kanäle vergessen

Auf die Bedeutung von eigenen Kanälen wie Website, App oder Blog wies Georg Holzer, (Mit-) Gründer des Start-ups xamoom, das Infrastruktur für ortsbezogene Handydienste anbietet, hin. „Eine eigene Plattform ist enorm wichtig. Ich würde nie eine Social Media-Strategie nur auf externen Plattformen aufbauen. Das ist wie ein Haus auf einem gemieteten Grundstück“, so Holzer. Er sieht in Apps großes Potenzial für die Kommunikation, das bisher nicht ausreichend genutzt werde.

„Die Digitalisierung ist gekommen, um zu bleiben. Also muss man sich damit auseinandersetzen, die Möglichkeiten hinterfragen und sich gegebenenfalls Hilfe von Profis holen“, resümierte Rauchwarter. Und Agentur-Chef Kürner empfiehlt: „Anschauen und ausprobieren, denn die Entwicklung ist rasant. Und nichts tun, was man nicht auch im ‚echten Leben‘ machen würde.“

Service: Video-Rückblick unter http://www.ots-video.at/v/digitale-kommunikation-keine-angst-vor-neuen-wegen/


Vernetzte Welt: Zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit

Gefahr durch Identitätsdiebstahl wird unterschätzt; Foto: APA (AFP)






Industrie 4.0, mobiles Bezahlen, autonom fahrende Autos oder Cloud Computing: Digitalisierung und Trends wie das Internet der Dinge ermöglichen viele neue Anwendungen. Umso mehr wird klar, dass hundert Prozent Sicherheit, was Informationstechnologie und Daten betrifft, nicht möglich ist. Forscher arbeiten daher laufend an der Risikominimierung und müssen dabei auch den Spagat zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit schaffen.

„Da kommt noch einiges auf uns zu. Man kann ein System gut absichern, damit von außen niemand reinkommt, beispielsweise Anwendungen und Netzwerke. Aber es gibt sehr viele Facetten, wo Probleme auftreten können“, erklärte Bernd Zwattendorfer vom E-Government Innovationszentrum (EGIZ), einer gemeinsamen Initiative des Bundeskanzleramts und der Technischen Universität (TU) Graz. Meist sei der Mensch das schwächste Glied in der Kette. Immer wieder würde es zu Attacken über Social Engineering kommen.

Die Anwender hätten zwar schon erkannt, dass das Thema Sicherheit an Bedeutung gewinnt. „Das große Problem ist diese 'Mir passiert schon nichts'-Mentalität und dass das Wissen auch umgesetzt wird, also man zum Beispiel bessere Passwörter verwendet oder auf andere Authentifizierungssysteme umsteigt, die sicherer, aber etwas unbequemer sind. Das ist wie bei den Backups: Erst wenn Daten verloren gegangen sind, ändert man etwas“, so Zwattendorfer, dessen Dissertation im Herbst mit dem TÜV-AUSTRIA-Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde.

Eine Herausforderung sieht er auch darin, dass die sichersten Geräte nicht immer die benutzerfreundlichsten sind. „Da haben sich Forschungsgebiete entwickelt, die sich mit Security und Usability auseinandersetzen. Aber es ist noch immer eine Abwägung zwischen Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit. Da muss man hinarbeiten, damit Benutzer sich nicht mit Verschlüsselung, Algorithmen und Zertifikaten beschäftigen müssen“, erklärte der Computerwissenschafter.

Identitätsmanagement in die Cloud auslagern

Zum Teil seien den Anwendern Probleme bekannt, aber nicht die möglichen Auswirkungen – etwa beim Thema Identitätsdiebstahl. Damit beschäftigt sich auch das EU-Projekt „CREDENTIAL“, an dem Zwattendorfer beteiligt ist. „Die Forschung dreht sich um ein sicheres, datenschutzfreundliches Identitätsmanagement – speziell im Bereich Cloud Computing, aber auch wie man neue kryptographische Technologien in Online-Anwendungen einsetzen kann, um die Systeme noch sicherer zu gestalten“, so der Experte, der am 4. April im Kunsthaus Graz an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Total vernetzt und trotzdem sicher“ teilnehmen wird.

Zwar gebe es oft Datenschutzbedenken bei der Auslagerung von Identitätsmanagement in die Cloud. „Aber wenn man diese kryptographischen Technologien verwendet, kann man das Risiko minimieren und die Kostenvorteile und Elastizität der Cloud nutzen. Das ist für Behörden und Unternehmen wesentlich“, strich Zwattendorfer hervor.


„Privacy Shield“: „Das Ganze wird zurück zum EuGH gehen“

Jurist Schrems sieht eindeutige Wettbewerbsverzerrung; Foto: APA (AFP)







Die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gekippte „Safe-Harbour“-Vereinbarung mit den USA bleibt für Max Schrems mit dem „Privacy Shield“-Abkommen, das sie ersetzen soll, im Grunde bestehen. „Wenn man sich den Text ansieht, ist es zum Teil eins zu eins dasselbe Wording. Es ist kein neues Abkommen, es ist das alte Ding, das ein wenig upgegradet worden ist“, sagte er gegenüber der APA.

Der österreichische Jurist war Teilnehmer einer Veranstaltung im Wiener Bundeskanzleramt zum Thema „Transatlantischer Datenverkehr nach der Safe Harbour-Entscheidung des EuGH“, die im Oktober des vergangenen Jahres gefällt wurde. Im Februar wurde dann das neue EU-US-Abkommen „Privacy Shield“ mit „neuen“ Regeln für Datenaustausch vorgestellt. Für Schrems ist das Resultat enttäuschend: „Ich habe gehofft, dass die Kommission das nutzt, um endlich einmal etwas zu ändern“, was aber nicht der Fall sei, sagte der Datenschutz-Aktivist, der das vorige Abkommen angefochten hatte. Die neue Vereinbarung sei bestenfalls „Safe Harbour 1.1“.

Für Schrems ist bereits alles entschieden: „Die Kommission wird das durchdrücken, einfach aus Prinzip. Das Ganze wird zurück zum EuGH gehen. Wahrscheinlich wird es diesmal nicht nur einen Kläger geben, sondern mehrere“, mutmaßte der Jurist. Selbst wisse er noch nicht, ob er sich zu diesem Schritt „bemüßigt fühle oder nicht“. „Der Plan war, dass man seine Grundrechte durchsetzt. Wenn diese wieder ignoriert werden, stellt sich für mich die Frage, warum man sich das als Bürger überhaupt antut.“

„Wahnsinniger Druck“ seitens der USA

Die Juristen in der EU-Kommission hätten laut Schrems großteils ohnehin gesagt, dass das so nicht geht. Der Grund, dass „Privacy-Shield“ trotzdem bald gelten wird, sei ein „wahnsinniger Druck“ seitens der USA. Bei der europäischen Wirtschaft sei die Lage unterschiedlich, denn es gebe „teilweise Unternehmen, die einen Vorteil haben, wenn sie Daten problemlos in die USA schicken können. Die Konkurrenzunternehmen in Europa aber haben natürlich einen Nachteil, da sich US-Unternehmen an viel weniger Vorgaben halten müssen und das ist eine totale Wettbewerbsverzerrung“, kritisierte Schrems. So etwas würde die EU mit keinem anderen Drittstaat machen.

Für Unternehmen gelte, dass „jeder, der einen Rechtsanwalt hat, der ihn halbwegs sinnvoll informiert“ sich nicht auf das „Privacy Shield“-Abkommen berufen wird. Da seien bereits Alternativen gesucht worden. „Privacy Shield“ werde man vielleicht unter dem Motto „hilft es nichts, schadet es nichts“ zusätzlich anwenden, „aber als Hauptrechtsgrundlage, um Daten in die USA zu transferieren, ist das für einen ernsthaften Business Case nicht stabil genug“, schloss Schrems.

Das Gespräch führte Andreas Westphal/APA


Service

Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA







Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter
Load more