DBT Newsletter #06/2016

Start-ups in Österreich: Stark eigenfinanziert und optimistisch

US-Präsident Barack Obama eröffnete die Konferenz, Foto: APA/AFP








Wie können Firmen Daten optimal nutzen? Was bringen künstliche Intelligenz und virtuelle Realität? Und wo stehen wir in 20 Jahren? Auf dem SXSW-Festival in Texas suchen Technologiefans und Start-ups nach Antworten.

Wenn es um die Zukunft in der digitalen Welt geht, ist das Interesse enorm. Über zwei Etagen stehen die Menschen im riesigen Kongresszentrum in Austin Schlange, um den Vortrag von Kevin Kelly, einst Chefredakteur des Branchenmagazins „Wired“, zu hören. Sein Thema auf der diesjährigen Digital-Konferenz South by Southwest: „Welche zwangsläufigen Technologietrends unsere Zukunft prägen“.

Wie zu erwarten, sind es bei Kelly die derzeit angesagten Top-Themen künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und das Tracken von Daten. Der Autor und Publizist ruft zum Optimismus auf („Ja, Roboter nehmen Jobs weg – aber sie schaffen auch neue“) und sagt: „Wir müssen die Zukunft umarmen.“ Die Entwicklungen seien ohnehin unvermeidbar. Vielmehr gelte es, diese – etwa beim Tracking – so zivil wie möglich zu gestalten.

Zehntausende Besucher aus aller Welt strömten zu dem sechstägigen Interactive-Teil der SXSW. Wie wichtig die Konferenz geworden ist, zeigt, dass sie von niemand Geringerem als US-Präsident Barack Obama eröffnet wurde. Während das Thema Datenschutz – aus aktuellem Anlass – in den USA an Fahrt gewinnt, blieb die Debatte um Hasskommentare im Internet auf der SXSW nur ein Randthema. Bei vielen der rund tausend Vorträge, Interviews und Diskussionsrunden standen die von Kelly erwähnten Topthemen im Fokus – in all ihren Facetten.

VR-Videos per iPhone produzieren

Google-Manager Chris Urmson sprach als Chefentwickler der selbstfahrenden Autos des Internet-Konzerns. Der Zeitpunkt kam für ihn etwas ungünstig: Hatte doch erst kürzlich einer der Roboterwagen einen Unfall mitverursacht. Im „German Haus“ standen Themen wie Smart Cities oder virtuelle Realität auf der Agenda. Großen Erfolg feierte das Berliner Start-up Splash, das eine App entwickelte, die das unkomplizierte Produzieren von VR-Videos per iPhone ermöglicht. Dafür wurde es mit dem begehrten „SXSW Accelerator“-Preis ausgezeichnet.

Bei dem Wettbewerb war auch Nicolas Chibac in der Kategorie virtuelle Realität angetreten. Der Hamburger hat eine Drohne mit integriertem 360-Grad-Kamerasystem entwickelt. „Virtuelle Realität ist schon ein umstrittenes Thema“, sagt Chibac. Natürlich sei die Vorstellung beängstigend, dass Menschen künftig vielleicht mehrere Stunden am Tag in eine parallele, virtuelle Welt abtauchten. Aber mit Hilfe der Drohne – ausgestattet mit Wärmesensoren – könne etwa in Katastrophengebieten oder einsturzgefährdeten Gebäuden effizient nach Überlebenden gesucht werden.

Für die zahlreichen Start-ups, die sich in Austin tummeln, kann die SXSW das ideale Sprungbrett sein – ob durch mediale Aufmerksamkeit oder den Kontakt mit Investoren. Ein Vorbild für viele Jungunternehmer ist Kevin Plank. Der 43-jährige Gründer des Sportartikel-Anbieters Under Armour ist Vorzeigebeispiel für den „Amerikanischen Traum“. Vor 20 Jahren rief er das Unternehmen im Keller seiner Großmutter ins Leben. 2015 lag der Umsatz bei knapp 4 Milliarden Dollar.

„Daten sind das neue Öl“

Auf Sportkleidung alleine setzt der ehrgeizige Unternehmer schon lange nicht mehr. In den vergangenen Jahren investierte Plank mehrere hundert Millionen Euro in digitale Zukäufe. Zu Under Armour zählen inzwischen vier Sport-Apps, aber auch smarte Turnschuhe und viele andere Wearables und Tracking-Tools, die Schritte, Herzfrequenz oder Schlaf messen. „Daten sind das neue Öl“, sagt Plank. Diejenigen Firmen, die Daten lesen und auswerten könnten, seien diejenigen, die gewinnen würden.

Aber wie sieht denn nun die Welt in 20 Jahren aus? Sicher scheint, dass die Veränderungen rasant kommen und gravierend sind. „Die Zukunft ist schwer zu greifen“, sagt „Wired“-Gründer Kelly. Eine Online-Enzyklopädie wie Wikipedia oder eine Verkaufsplattform wie eBay habe man sich vor ein paar Jahrzehnten auch nicht vorstellen können. „Wir müssen häufiger an das Unmögliche glauben.“ Eine konkrete Prognose für 2036 könne er daher nicht geben. „Die Dinge, die in 20 Jahren wichtig und bedeutend sind, wurden noch gar nicht geschaffen.“


Heimische Fintechs auf Erfolgskurs

Kostenlose mobile Konten und Sofortzahlsysteme boomen, Foto: Number26













Fintech-Firmen, kurz für Finanztechnologie, sind im Moment in aller Munde. Die österreichische Szene ist aktiv wie nie zuvor. Start-ups wie Number26, wikifolio, Conda oder Finnest sind international und national erfolgreich. Nun sorgt Number26 erneut für Furore und will mit einer groß angelegten Finanzierungswelle und einer Banklizenz das Geschäft auf die nächste Ebene heben.

Die Gründer von Number26, einem jungen Finanzdienstleister, der kostenlose mobile Konten und Sofortzahlsysteme anbietet, haben inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Nutzer. Das Unternehmen, in das unter anderem bekannte Risikokapitalgeber wie der paypal-Investor Peter Thiel bereits vergangenes Jahr 10 Mio. Euro investiert haben, will mit der neuen Finanzierungsrunde das starke Wachstum weiterführen. 40 Mio. Euro sollen dabei aufgestellt werden, eine der größten Finanzierungsrunden in der deutschsprachigen Fintech-Szene. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, die Gründer von Number26, betonen in einem Interview mit gruenderszene.de die Bemühungen um eine Banklizenz. Dies stelle den nächsten Schritt in der Evolution der Fintechs dar.

Auch andere Fintech-Start-ups im deutschsprachigen Raum profitieren von den österreichischen Vorreitern. „Solche Erfolgsgeschichten machen Mut und stacheln die Branche an“, so der deutsche Fintech-Experte Maik Klotz. Der deutschsprachige Raum (DACH) liegt inzwischen mit einer Investitionssumme von 154 Mio. Euro für diesen Sektor auf Platz zwei im europäischen Ranking, übertroffen nur vom Finanzzentrum London.

Neue Möglichkeiten durch Crowdinvestment

Die österreichische Szene hat sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren stark verbessert, vor allem im Bereich des Crowdinvestments steht Österreich im europäischen Vergleich sehr gut da. Durch das Alternativfinanzierungsgesetz können sich Unternehmen nun mit bis zu 1,5 Mio. Euro durch alternative Finanzierungsformen refinanzieren, anstatt wie bisher nur mit 250.000 Euro. Investmentveranstaltungen wie das Pioneers Festival in Wien stärken den Gründerplatz Österreich. Der Organisator und Gründer des Festivals, Andreas Tschas, sagte auf der weltweiten Gründerveranstaltung: „We are Fintech Pioneers.“

Günther Lindenlaub, Mitgründer von Finnest und Kenner der österreichischen Banken- und Start-up-Szene meint, dass Fintech und das traditionelle Bankengeschäft zwar viele Berührungspunkte haben, allerdings müssten in Österreich die alten Geschäftsbanken erst die Chancen der Kooperation mit den jungen Firmen begreifen. Intensive Partnerschaften werden in Großbritannien und Deutschland bereits aktiv praktiziert. Fintechs stellen dabei die Flexibilität und die Technologie, die klassischen Banken hingegen das Kapital und den Rahmen. Hier hat Österreich noch Aufholbedarf. Klassische Banken und Investoren sollten bei Fintech-Unternehmen viel mehr die Chancen sehen anstatt sich bedroht zu fühlen, so Lindenlaub.


IT-Sicherheitskonferenz: Neue Ansätze für Datenschutz

IT-Infrastruktur wird immer komplexer, Foto: APA/dpa






Im Kampf gegen Internetkriminalität wie Betrug, Ausspähen oder Sabotage braucht Europa nach Ansicht von IT-Experten eine abgestimmte Strategie. Das gelte auch für die Frage einer Absicherung der kritischen Infrastruktur, sagte der Chef der europäischen IT-Sicherheitsagentur Enisa, Udo Helmbrecht, auf der Europäischen Cyber-Sicherheitskonferenz in Hannover.

Angesichts größer werdender Datenströme gewinne das Problem an Bedeutung, eine Art Frühwarnsystem werde wichtiger. Einige Staaten arbeiteten schon an entsprechenden Maßnahmen, andere wie Rumänien oder Bulgarien hätten noch gar keine. „Die Bedrohung ist global“, warnte auch der Leiter der Abteilung Cyber-Verbrechen beim deutschen Bundeskriminalamt (BKA), Carsten Meywirth, unter Hinweis auf Computer-Trojaner, die Krankenhäuser, Behörden und Verwaltungen mit immer besser getarnten Angriffswellen lahmlegen.

Sogenannte Erpresser-Software komme sehr ausgefeilt daher und sei auf Marktplätzen in den verborgenen Ecken des Internets („Darknet“) zu bekommen. Meywirth: „Die schlechte Nachricht für uns: Selbst Täter mit begrenzten Fähigkeiten können sie sich besorgen.“ Es gebe Geschäftsmodelle, bei denen Hersteller der Schadstoff-Software nach deren erfolgreichem Einsatz prozentual an den erpressten Erlösen beteiligt werden. Mit infizierten E-Mails wurde bei derartigen Angriffen Software in die Rechner geschleust, die Dateien verschlüsseln. Für die Entschlüsselung wird Lösegeld gefordert.

Ende des klassischen Datenschutzes

Ein weiteres Problem: Die zunehmende Digitalisierung führt zu einer wachsenden Unübersichtlichkeit, so der IT-Sicherheitsexperte Helmut Leopold vom Austrian Institute of Technology. Er sieht bereits das Ende des klassischen Datenschutzes. „Wir brauchen neue Methoden“, sagte er mit Hinweis auf die zunehmende Komplexität einer immer mehr vernetzten Welt. „Niemand hat heute noch einen kompletten Überblick über die gesamte IT-Infrastruktur.“ Besonders viele Schwachstellen hätten Websites und auch Smartphones.

„In Deutschland gibt es heute 2,6 Mal mehr solcher Angriffe als noch vor einem halben Jahr“, hatte zuvor Stefan Rojacher von der IT-Sicherheitsfirma Kaspersky erklärt. Betroffene Unternehmen und Behörden müssten oft enorme Beträge aufwenden, um die Daten zu retten.


Service

Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA







Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


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