DBT Newsletter #05/2018

 

Startschuss für die Ära des intelligenten Smartphones

Keine Produkt-Ankündigung ohne Hinweis auf künstliche Intelligenz, Foto: APA (AFP)






Smartphones werden richtig intelligent, verspricht die Mobilfunk-Industrie. Beim Mobile World Congress in Barcelona kam praktisch keine Produkt-Ankündigung ohne den Hinweis auf eine Funktion auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) aus. Dabei geht es zunächst vor allem um die Kamera.

Die Software des erneuerten LG-Models V30S soll etwa erkennen, was sie gerade vor der Linse hat. Das Gerät kann dann entweder den Aufnahmemodus daran anpassen oder im Netz nach Kaufgelegenheiten für den Artikel suchen. Genauso soll das Gerät Texte in fremder Sprache bereits übersetzt auf dem Display anzeigen. „Wir werden aktuelle Smartphones in ein paar Jahren genauso betrachten wie heute die alten einfachen Handys“, ist Branchenanalyst Francisco Jeronimo vom IT-Marktforscher IDC überzeugt.

In nicht allzu ferner Zukunft werde es so sein, dass es eine Kette automatisierter Aktionen auslöst, wenn man sein Smartphone beispielsweise auf ein Filmplakat richtet. Das Telefon schätzt dann ein, ob man den Film mögen könnte. Es fragt, ob man ihn sehen will, und geht bei einer positiven Antwort die Terminkalender des Nutzers und gegebenenfalls auch der Familie durch. Gleicht das mit den Spielzeiten im Kino ab und kauft Tickets. Und reserviert zum Abschluss des Abends vielleicht auch einen Tisch im benachbarten Restaurant.

Die heutigen Funktionen auf Basis künstlicher Intelligenz sind nur Vorläufer, lose Elemente einer solchen Zukunft, räumt Jeronimo ein. Aber das sei die Richtung, in die man sich bewegen wolle, heißt es auch bei den Herstellern. Gerade in dem mit über 80 Prozent dominierenden Marktsegment der Android-Smartphones sei der Wettbewerb ausgereizt, klagt ein ranghoher Manager eines bekannten Anbieters in Barcelona: „Ich kann hier ein neues Gerät vorstellen – und in zwei Wochen ist es wieder vergessen, wenn der nächste Konkurrent um die Ecke kommt.“ Bisherige Versuche, sich mit eigenen Benutzeroberflächen oder Merkmalen wie Kameraqualität abzuheben, fielen eher flach.

Smarte Assistenten als Schlüssel

Jetzt stürzen sich also alle auf smarte Assistenten. Es ist eine strategische Entscheidung: Anbieter von Android-Geräten könnten sich schließlich einfach nur auf den Google Assistant verlassen, der solche Aufgaben immer besser erledigt. Doch der Bereich gilt so sehr als Schlüssel für die Zukunft, dass die meisten zunächst einmal mit aller Kraft versuchen, sich ein eigenes Standbein aufzubauen. Und das obwohl ein gewaltiger Aufwand und Unmengen an Daten nötig sind, um Software intelligent zu machen. Allein um ein Motorrad zu erkennen, müsse sie um die 150 Millionen Bilder durcharbeiten, rechnet ein Branchenexperte vor. Der Rückgriff auf Google wäre da zweifelsfrei effizienter.

In der Industrie zeichnet sich eine Trennlinie ab zwischen den Playern, die ihre Zukunft unbedingt mit einem eigenen Assistenten absichern wollen, und solchen, die darauf verzichten. Smartphone-Marktführer Samsung gehört ganz klar zur ersten Gruppe und will seinen bisher von der Fachpresse eher belächelten Assistenten Bixby zum vollwertigen Rivalen der Google-Software mit ausgefeilter Bilderkennung und anderen Hilfsfunktionen ausbauen. Dabei soll ähnlich wie bei Google oder Amazon ein Partner-Ökosystem für das Geschäft aufgebaut werden. So wurde demonstriert, wie in Kooperation mit Kosmetik-Handelsketten verschiedene Makeup-Farben im Foto ausprobiert werden können – und die Produkte über Bixby dann auch gleich bestellbar sind.


Pharma-Riesen buhlen um Big Data aus Patienten-Alltag

Daten erlauben ein schärferes – und günstigeres – Bild von Therapie-Erfolgen, Foto: APA (dpa)





In der Pharmabranche herrscht Goldgräberstimmung. Doch kein neu entdeckter Wirkstoff, sondern die Patienten selbst mit ihren Leiden und Medikamenten sind in den Fokus gerückt: Die Unternehmen buhlen um die Masse an Informationen, die inzwischen elektronisch verfügbar ist und damit gezielt ausgewertet werden kann – also um „Big Data“ aus Krankenakten, Versicherungsstatistiken und Melderegistern.

Damit wollen Konzerne nach offiziellem Bekunden die Wirksamkeit von Arzneien im Alltag ermitteln, um Therapien zu verbessern. Datenschützer aber laufen Sturm und betrachten den Trend eher als Marktforschung der Pharma-Riesen – befeuert von Tech-Größen mit ihren umstrittenen Datenbergen aus Fitness-Armbändern, -Apps und den sozialen Medien.

Es sind denn auch Technologie-Firmen, bei denen sich die Pharma-Industrie Expertise für das Schürfen nach wertvollen Informationen holt: So kündigte der Schweizer Traditionskonzern Roche unlängst an, die von der Google-Mutter Alphabet unterstützte Software-Schmiede Flatiron Health für 1,9 Milliarden Dollar komplett zu übernehmen. Schon vorher waren die Baseler an dem New Yorker Unternehmen beteiligt, das über eine Kooperation mit mehr als 265 Krebskliniken die Daten von Millionen Patienten auswertet. Roche-Pharmachef Daniel O'Day warb für den Kauf als Schritt hin zur personalisierten Medizin – etwa bei der Krebsbehandlung, wo die Therapie genau auf bestimmte Tumore zugeschnitten werden kann.

Die durch Datenanalyse gewonnenen Erkenntnisse aus dem Leben der Patienten werden aber nicht nur bei der Behandlung von Krebs als vielversprechend gewertet. Auch bei Herz- und Atemwegserkrankungen sieht die Branche großes Potenzial. Seit langem gelten klinische Studien als das A und O für die Beurteilung der Tauglichkeit von Medikamenten. Sie werden aber immer teurer und die Auswahl an Studienteilnehmern ist begrenzt. Die digital gesammelten Daten von Millionen Behandelten könnten dagegen bei niedrigeren Kosten ein schärferes Bild von Therapie-Erfolgen und -Rückschlägen in der „real world“ zeichnen, so die Befürworter. In den USA und der EU prüfen die Arzneimittelbehörden inzwischen Möglichkeiten, solche Statistik-Analysen aus dem „echten Leben“ („real-world evidence“/RWE) für ihre Entscheidungen zu nutzen.

Analysen aus dem „echten Leben“ am Vormarsch

Die Zahl klinischer Studien, die durch RWE ergänzt werden, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Alle großen Pharmakonzerne haben längst Abteilungen, die sich mit der Nutzung von RWE bei verschiedenen Krankheiten beschäftigen. Erste große Untersuchungen liegen vor, so von AstraZeneca und Sanofi für die Behandlung von Diabetes sowie von Pfizer und Bristol-Myers Squibb zur Vorbeugung von Schlaganfällen.

Bei aller Digitalisierung sind die Möglichkeiten aber nicht unbegrenzt. Der Datenschutz kann Enthusiasten durchaus die Freude an der Goldader „Big Data“ verderben. Das bekam das britische Gesundheitssystem NHS zu spüren: Ein ehrgeiziges Projekt, anonymisierte Patienten-Daten der Forschung zur Verfügung zu stellen, wurde 2016 nach Protesten von Patienten und Ärzten gestoppt. Kurz darauf kassierte zudem eine britische Krankenhaus-Stiftung eine Aufsichtsrüge, weil sie Angaben von 1,6 Millionen Patienten der auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Google DeepMind zur Verfügung gestellt hatte.

 

Autonomes Fahren ist für Autofirmen eine hochriskante Wette

80 Mrd. Dollar Investition in vergangenen drei Jahren, Foto: APA (dpa)





Das Wettrennen um die ersten autonomen Autos gleicht einem Pokerspiel mit höchsten Einsätzen, bei dem zwar alle mitbieten, aber nur wenige gewinnen können, heißt es in einer Deloitte-Studie. In den jüngsten drei Jahren seien mindestens 80 Mrd. Dollar in die Technologie investiert worden, zeigt eine Brookings-Schätzung.

Es werde aber nicht leicht, damit Geld zu verdienen, da viele Konsumenten nicht bereit sind, für ein autonomes Auto mehr zu zahlen. Die Hälfte der Konsumenten in Deutschland, aber auch rund ein Drittel in Ländern wie den USA oder Japan, würden dafür nicht tiefer in die Tasche greifen, ergab eine Deloitte-Umfrage unter 22.000 Konsumenten in 17 Ländern (ohne Österreich). Und die Beträge, die doch zusätzlich locker gemacht würden, seien ein Pappenstiel im Vergleich zu den gigantischen Investitionen.

Schon jetzt sind konventionelle Autos so teuer, dass viele auf Mobilitätsmodelle mit Car-Sharing setzen. Hochpreisige autonome Fahrzeuge könnten diesen Trend noch beschleunigen, ergibt die Analyse von Deloitte. Sogar in den traditionell autofreundlichen USA teilen bereits 23 Prozent der Befragten wöchentlich mindestens einmal ein Fahrzeug, weitere 22 Prozent tun dies hin und wieder. Und die Hälfte dieser Menschen hinterfragt, ob sie künftig überhaupt ein eigenes Auto braucht. In großen Zukunftsmärkten wie Indien nutzen derzeit 85 Prozent einen geteilten Mobilitätsdienst, 61 Prozent dieser Befragten zweifeln an der Notwendigkeit eines eigenen Fahrzeuges.

Dabei scheint autonomes Fahren rasant an Akzeptanz zu gewinnen. Der Anteil der Menschen, die autonome Fahrzeuge für sicher halten, hat sich zwischen 2017 und 2018 innerhalb eines Jahres von einem Drittel auf 59 Prozent annähernd verdoppelt. Der Trend sei in allen Ländern gleich, in Deutschland gab es einen Anstieg von 45 Prozent auf 72 Prozent. „Breite Information und Aufklärung durch Hersteller und Medien tragen maßgeblich dazu bei“, dass die Angst vor autonomen Fahrzeugen sinkt, so Matthias Kunsch, Direktor bei Deloitte Österreich.

Tech-Firmen als Konkurrenz

Klassische Autofirmen stehen aber unter massivem Druck. Denn weltweit setzen nur 45 Prozent der Befragten auf klassische Autoproduzenten als Hersteller autonomer Fahrzeuge. In den Auto-Erzeugerländern Deutschland, USA und Japan sind es zwar mehr, im dynamischsten Automarkt der Welt China sind es aber nur 28 Prozent, in Südostasien 13 Prozent. „Die geringe Markenbindung am riesigen asiatischen Automarkt mit seinen enormen Wachstumsraten stellt ein großes Risiko für etablierte Hersteller dar“, warnt Kunsch. Die anderen hoffen entweder auf neue innovative Autohersteller oder überhaupt auf die großen Tech-Firmen.

Für die Industrie stellen sich laut Deloitte-Analyse sehr grundlegende Fragen. Es dürften jedenfalls neue Geschäftsmodelle nötig werden, um künftig Gewinne zu machen. Schließlich seien Dutzende Firmen „im Goldrausch“ eine dominierende Plattform für autonome Fahrzeuge zu schaffen. „Nicht jeder, der in diese Technologie investiert, wird gewinnen“, vermerkt die Analyse trocken.

 

Aus der Wissenschaft:

Wie künstliche Intelligenz Ethik lernen kann

Wissenschaftlich spannend: Die Veden und die Computerlogik,  Foto: TU Wien





Können wir einer Maschine Ethik beibringen? Seit Jahrtausenden wird an den heiligen Texten der Veden geforscht. Doch nun verwendet man an der Fakultät für Informatik der TU Wien erstmals Methoden der mathematischen Logik, um die alten Sanskrit-Schriften zu analysieren. Erkenntnisse helfen der Computerwissenschaft, Argumentations-Tools zu entwickeln, die mit Verboten und Verpflichtungen umgehen können. Solche Werkzeuge sind äußerst wichtig, wenn etwa ein selbstfahrendes Auto bei einem Verkehrsunfall ethische Entscheidungen treffen soll. …

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