DBT Newsletter #04/2016

Mobilfunk im Wandel: Internet der Dinge eröffnet neue Chancen

Digitaler Umbruch erreicht 2016 jeden industriellen Bereich, Foto: APA/dpa








Die Mobilfunk-Industrie bereitet sich auf einen tiefgreifenden Wandel des Marktes vor. Es gebe nur zwei Alternativen: „Entweder man krempelt sein Geschäft um, oder man wird damit umgekrempelt“, warnte Topmanager Ralph de la Vega vom amerikanischen Telekom-Riesen AT&T beim diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona.

Zugleich öffne sich der Branche die Aussicht auf ein neues Geschäft: „Die ganzen vernetzten Geräte müssen miteinander verbunden werden, und – hey! – das ist genau das, was wir machen.“ Mit dem Internet der Dinge werde es in wenigen Jahren zehn Mal mehr vernetzte Maschinen als Menschen auf der Welt geben, gab er zu bedenken.

Die Industrie habe 100 Jahre daran gearbeitet, Menschen miteinander per Telefon sprechen zu lassen – „und jetzt ist Sprachtelefonie nur noch so etwas wie Lärm in der Leitung“, sagte der Chef des Netzwerk-Ausrüsters Ericsson, Hans Vestberg. Der digitale Umbruch erreiche 2016 jeden industriellen Bereich. Auf der Mobilfunk-Messe gab Ericsson eine Kooperation mit dem Online-Handelsriesen Amazon im Cloud-Geschäft bekannt. Man wolle Dienstanbieter dabei unterstützen, neue Chancen zu ergreifen, etwa im Internet der Dinge und bei der Auswertung großer Datenmengen.

Belohnung für Investitionen

Chefs führender Mobilfunk-Anbieter bekräftigten ihre Forderung nach besseren Bedingungen für ihr Geschäft und weitere Investitionen in Netze. „Wir müssen für diese riesige Wette auf den Wandel der Gesellschaft, die wir eingehen, belohnt werden“, sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao. Die Politik müsse auch sicherstellen, dass es in der digitalen Gesellschaft und den verschiedenen Ökosystemen keine dominanten Player gebe, sagte er, ohne Google beim Namen zu nennen.

Die Mobilfunk-Anbieter kritisieren schon seit Jahren, dass sie Milliarden in den Netzausbau investieren – aber dann keinen Anteil an den Erlösen von Online-Firmen wie Facebook oder Google bekommen, die diese Infrastruktur auslasten. Die Internet-Unternehmen entgegnen, ihre Dienste machten die Datentarife der Netzbetreiber erst für die Kunden attraktiv.

Trends und Themen

Beim Mobile World Congress geht es aber längst um mehr als nur Themen der Mobilfunk-Branche. Ein Überblick:

  • WEARABLES: Die Geräteklasse der Mini-Computer, die man am Körper trägt, wächst schnell. Der Klassiker sind Fitness-Armbänder. Aber in Barcelona waren auch wieder viele Computer-Uhren zu sehen – auch solche, die ohne ein Smartphone direkt ins Netz gehen können. Neu ist, dass die Bänder und Uhren immer häufiger als Ersatz für Kreditkarte und Bargeld genutzt werden sollen.
  • 5G: Die wachsende Smartphone-Nutzung und das Internet der Dinge machen schnellere und leistungsstärkere Netze notwendig. Abhilfe soll der neue Datenfunk-Standard 5G schaffen. An seiner Ausgestaltung wird noch gearbeitet – aber immer mehr Mobilfunk-Anbieter lassen bereits Test-Netze laufen.
  • INTERNET FÜR ENTWICKLUNGSLÄNDER: Facebook-Chef Mark Zuckerberg warb in Barcelona für sein Projekt Internet.org. Es soll günstige Online-Anschlüsse in Entwicklungsländern fördern, die Mobilfunk-Anbieter zeigten sich bisher skeptisch. Zuletzt wurde ein Gratis-Angebot von Facebook in Indien untersagt, weil dabei andere Dienste benachteiligt würden. Kritiker werfen dem weltgrößten Online-Netzwerk „digitalen Kolonialismus“ vor.
  • INTERNET DER DINGE: Von der Zahnbürste bis hin zur Straßenlaterne – alles wird vernetzt. Das digital organisierte Zuhause und „smarte“ Städte bekamen viel Platz auf der Messe. Zugleich hören Diskussionen über Datenschutz und die Verteilung der Investitionen in die nötige Infrastruktur nicht auf. Mit Ford-Chef Mark Fields war ein ranghoher Vertreter der Auto-Industrie dabei.
  • eSIM: Die Technik für die SIM-Karte, die fest im Gerät verbaut ist und per Funk auf verschiedene Netzbetreiber umgestellt werden kann, gibt es schon länger. Jetzt einigte sich die Branche auf einen weltweiten Standard. Vor allem in kleinen vernetzten Geräten ist oft kein Platz, um austauschbare Plastik-SIM-Karten einzubauen. Aber auch Smartphones könnten durch die umprogrammierbare eSIM noch etwas kompakter werden.


Regierung erstellt „Digital Roadmap“

Diskussionspapier lädt zur „Online-Konsultation“, Foto: APA/dpa








Die Bundesregierung hat beschlossen, mit gebündelten Kräften auf die zunehmende Digitalisierung zu reagieren. Als erste Initiative soll mit der „Digital Roadmap“ ein Fahrplan erstellt werden. „Wir müssen viele Dinge neu denken“, gab die für diesen Bereich zuständige Staatssekretärin Sonja Steßl (SPÖ) bei einer Pressekonferenz die Richtung vor.

Mit der „Digital Roadmap“ soll „der stattfindende digitale Wandel optimal genutzt“ werden, um Österreich als Wirtschafts- und Innovationsstandort zu stärken und die Teilhabe aller Menschen an der digitalen Welt zu ermöglichen. Zuerst sollen aber einmal Ideen gesammelt werden: Experten – etwa die Sozialpartner – sowie jeder Bürger sind eingeladen, via „Online-Konsultation“ ein öffentlich zur Verfügung gestelltes Diskussionspapier zu ergänzen. Beteiligen sollen sich daran auch sämtliche Ministerien, die unter der Federführung von Steßl und ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer anschließend Maßnahmen für alle Lebensbereiche entwickeln werden.

Für Mahrer ist es laut eigener Aussage „erstmalig, dass sich alle Freunde des Internets zusammengefunden haben“. Österreich solle wieder „zurück in die Gruppe der Innovationsführer“. Der Regierung geht es vor allem um die Schaffung von Jobs: Mehr als die Hälfte des zusätzlichen Wachstums will man durch die „Effekte der Digitalisierung“ nutzen. Nicht außer Acht will Mahrer auch die „negativen Seiten“ der Digitalisierung lassen – etwa in der Frage des Verbleibs des Bargelds. Eine populistische Debatte sieht er darin nicht.

Steßl schwebt vor allem im Bildungsbereich Innovatives vor. Digitale Kompetenz dürfe nicht nur „für eine kleine Elite“, sondern für alle verwirklicht werden, sagte sie. Vor allem im Bereich der E-Education hat die Staatssekretärin laut eigener Aussage bereits einige Ideen. Die Zuständigkeit in der Umsetzung solle dann etwa dem Bildungsministerium obliegen, jene für den Bereich E-Health dem Gesundheitsministerium. Aber auch an den bisherigen Versäumnissen in diesem Bereich könne man lernen. Steßl: „Durch Scheitern lerne ich sehr viel.“


Österreich bei mobilem Breitband weit zurück

Grafik: APA/Hirsch









Österreich liegt bei der Durchdringung mit mobilen Breitbandanschlüssen unter 34 OECD-Ländern nur an 22. Stelle. Hierorts kommen auf 100 Einwohner 67,2 Verträge für mobiles Breitband, OECD-weit sind es 85,4. Auch bei den fixen Breitbandanschlüssen schaut es nicht besser aus: Hier liegt Österreich mit 28,1 ebenfalls auf Platz 22. Der OECD-Schnitt liegt bei 28,8 Verträgen je 100 Einwohner.

OECD-weit ist die Abdeckung mit mobilem Breitband von Juni 2014 bis Juni 2015 von 76 auf 85,4 Prozent gestiegen. Zusätzliche 124 Millionen Verträge ließen die Gesamtzahl der Breitbandverträge erstmals über die 1-Milliarde-Marke klettern. In Österreich sind es 5,7 Millionen Verträge.

In zehn Ländern besitzen deren Einwohner im Schnitt schon mehr als einen mobilen Breitbandvertrag. An der Spitze liegt Finnland mit einer Abdeckung von 138,8 Prozent, gefolgt von Japan (130,5 Prozent) und Schweden (118,1 Prozent). Am geringsten ist die Abdeckung in Ungarn, wo nur rund jeder Dritte einen Breitbandvertrag hat. Etwas besser schaut es in Griechenland (43,8 Prozent) und Mexiko (45,6 Prozent) aus.

Bei der Kommunikation von Maschine zu Maschine (M2M) – etwa mittels Smart Watches oder Fitness-Trackern, die mit dem Internet verbunden sind –, liegen Schweden, Neuseeland, Norwegen, Finnland und Dänemark an der Spitze. In Schweden sind demnach bereits 67 M2M-Sim-Karten pro 100 Einwohner im Umlauf – deutlich mehr als in den meisten anderen der 26 OECD-Länder, die Daten dazu zur Verfügung stellten. Österreich liegt mit 1,8 pro 100 Einwohner an drittletzter Stelle. Der Durchschnitt der 26 OECD-Länder liegt bei 12,25.

Die Zahl der fixen Breitbandanschlüsse erhöhte sich von Juni 2014 bis Juni 2015 in den OECD-Ländern von 351 auf 365 Millionen. Das entspricht einer Durchdringungsrate von 28,8 Prozent. An der Spitze liegt die Schweiz mit 50,5 Prozent, gefolgt von Dänemark (41,9 Prozent) und den Niederlanden mit 41,2 Prozent. Österreich liegt mit 28,1 Prozent an 22. Stelle unter den 34 Ländern.


Service 

Foto: DBT






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