DBT Newsletter #03/2018

 

Informatiker fordern „Masterplan“ und doppeltes Ausbildungsbudget

Mindestzahl an Uni-Plätzen in der Informatik wird um 300 auf 2.800 erhöht, Foto: APA (dpa)






Angesichts geschätzter 10.000 in Österreich nicht besetzter IT-Fachkräfte-Jobs fordern Branchenvertreter „einen herausragenden Masterplan“ zur Hebung der Absolventenzahlen. Alleine an den Universitäten bräuchte es am Ende der kommenden vier Jahre eine Budget-Verdoppelung, also zusätzlich 100 bis 120 Mio. Euro, wie Gerald Steinhart von „Informatik Austria“ erklärte.

Absolventen im Informatik-Bereich winke jedenfalls umgehend ein Arbeitsplatz, sagte der Obmann des Fachverbandes für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Alfred Harl, vor Journalisten in Wien. Angesichts der Tatsache, dass sich heimische Unternehmen von Jahr zu Jahr immer schwerer täten, qualifizierte Leute zu bekommen, brauche es nun deutliche Impulse, um auch die im Sektor erzielte Wertschöpfung im Land zu halten. Da das neue Wirtschaftsministerium den Begriff „Digitalisierung“ so prominent im Namen führt und mit Ministerin Margarete Schramböck (ÖVP) eine Frau aus der Branche zuständig ist, habe man laut Harl für die Anliegen der Branche nun einen „Fuß in der Tür“.

„Ziemliche Flaute“ bei Absolventen

Aktuell zählt man an den österreichischen Universitäten rund 15.700 und an den Fachhochschulen (FH) etwas über 5.000 Informatik-Studenten. Eine „ziemliche Flaute“ herrsche allerdings bereits seit Jahren bei den Absolventen, wie Norbert Wohlgemuth vom Kärntner Institut für Höhere Studien (KIHS) ausführte: Etwas über 1.200 Uni-Absolventen und knapp mehr als 1.300 an FH wurden im Studienjahr 2015/16 gezählt. Dem gegenüber stehen hohe Drop-out-Quoten um die 50 Prozent, berichtete der Experte aus dem von ihm mitverfassten „IKT-Statusreport“.

Das liege auch daran, dass die Wirtschaft nach Personal giere und daher viele Studenten bereits während des Studiums in Unternehmen arbeiten, was wiederum Abschlüsse verzögere, so der UBIT-Berufsgruppensprecher, Martin Zandonella. Unter den Master-Studenten wisse man aus Befragungen, dass bereits rund 70 Prozent in Firmen engagiert seien. Es handle sich daher in vielen Fällen also um ein „Job-out“. Wenn derart zahlreich neben einer Ausbildung gearbeitet wird - „ein quasi duales System“ bestehe -, sollte vor allem mit dem Fortschreiten von Studien über berufsfreundlichere Ausbildungsmodelle nachgedacht werden, forderte Zandonella.

Sehe man sich die Betreuungsrelationen an österreichischen Universitäten in dem Bereich an, seien diese jedenfalls „wesentlich ungünstiger“ als in vergleichbaren Regionen, betonte Steinhart. „Berlin, München oder London sind uns davongelaufen“, so der ehemalige Dekan für Informatik an der Technischen Universität (TU) Wien. Daher brauche es eine Verdopplung des Budget in den kommenden vier Jahren an den Unis. Um dort zu landen, wären kontinuierlichen Steigerungen der Mittel um 25 bis 30 Millionen pro Jahr notwendig, rechnete Steinhart vor.

Verfügbare Plätze ungenutzt

Insgesamt gebe es zwar zu wenige Studienplätze: Während aber etwa die TU Wien Studenten im Rahmen des Aufnahmeverfahrens abweisen müsse, blieben an kleineren Unis im Westen des Landes Studienplätze unbesetzt, sagte Steinhart. Man sollte daher darüber nachdenken, die bestehenden Plätze besser zu nutzen. Für ein solches „Studierendenleitsystem“ plädierte auch Zandonella.

Ein Entwurf zur neuen Uni-Finanzierung sieht unterdessen vor, dass die Mindestzahl an Plätzen in der Informatik um 300 auf 2.800 erhöht wird. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung brauche es „noch mehr Fach- und Führungskräfte“ im IT-Bereich, so Wirtschaftsministerin Schramböck. Die Aufstockung der österreichweit verfügbaren Plätze sei ein „Beleg für den Stellenwert, den die Bundesregierung diesem wichtigen Thema einräumt“, erklärte Schramböck, die auch die zusätzlichen Mittel für technische Fächer in einer Stellungnahme gegenüber der APA lobt.

Einig waren sich die Branchenvertreter, dass es deutlich mehr Auseinandersetzung mit „Computational Thinking“ an den Schulen brauche. Dort werde die Informatik „als Stiefkind behandelt“, sagte Steinhart. „Nur Tablets zur Verfügung stellen ist nicht ausreichend.“ Gleiches gelte für das Einbauen von Informatik über alle Fächer hinweg als Unterrichtsschwerpunkt. Es brauche vielmehr durchgehenden Unterricht von der Volksschule bis zur Matura.


Additive Fertigung: 3D-Druck ist Chance für Industrie

Studie sieht Vorteile in „automatisierter Individualisierung“, Foto: APA (dpa)






Neue Innovationsimpulse für die Industrie könnten Methoden der additiven Fertigung mittels 3D-Druck bringen. Der Schlüssel liege vor allem darin, dass sich Unternehmen durch niederschwellige Angebote mit den neuen Technologien auseinandersetzen. Eine wichtige Rolle komme hier den Universitäten und ihren Absolventen zu, hieß es bei der Präsentation einer Studie zu dem Thema in Wien.

Unter additiver Fertigung werden Verfahren verstanden, im Zuge derer Werkstücke nicht durch Abtragen von Strukturen entstehen - wie das etwa beim Fräsen der Fall ist, sondern Bauteile Schicht für Schicht aufgebaut werden. Erste Ansätze dazu gab es bereits Mitte der 1980er Jahre, populärer wurde in den vergangenen Jahren vor allem der 3D-Druck. Schlagzeilen machten hier etwa medizinische Prothesen oder Zahnspangen aus dem 3D-Drucker.

Ein entscheidender Vorteil liegt in der Verbindung mit Computersystemen, mit denen Teile aus Kunststoffen, Metallen oder gar Keramik geplant und dann einfach ausgedruckt werden können. Wurden in der Vergangenheit so vor allem Prototypen rasch entwickelt, sind solche Verfahren in der Produktion bereits im Einsatz, wenn etwa schnell Ersatzteile für Maschinen gebraucht werden, wie Sabine Herlitschka in ihrer Funktion als Mitglied des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) erklärte.

Flexibel, schnell und individuell

Die Verfahren zeichneten sich vor allem durch ihre „Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualisierung“ aus, sagte die Infineon-Österreich-Chefin angesichts der vom RFT und der Wirtschaftskammer OÖ in Auftrag gegeben Studie. Dieser „automatisierten Individualisierung“ wohne entsprechend großes wirtschaftliches Veränderungspotenzial inne, denn neue Produkte oder Einzelteile könnten völlig neu erzeugt und schnell auf den Markt gebracht werden.

Mittlerweile habe sich auch in Österreich ein einschlägiges „Ökosystem entwickelt“, sagte Studienautor Matthias Fink von der Universität Linz. Start-ups, die in dem Bereich arbeiteten, kämen meistens aus den technischen Unis heraus, da dort die Anlagen stünden, mit denen spätere Produkte vorbereitet werden könnten.

Während große Unternehmen die Verfahren bereits einsetzen, sei die doch relativ „wissensintensive Technik“ noch nicht in ausreichendem Maße in der klein- und mittelständischen Wirtschaft angekommen. Verändern ließe sich das laut Fink durch Information: Offene Labors hätten sich als gute Möglichkeit erwiesen, Schüler oder Studenten auf die Verfahren aufmerksam zu machen.

Ähnliche Herangehensweisen empfiehlt Fink bei KMU, die sich die teils teuren Anlagen nicht einfach zum Herumprobieren leisten könnten. Hier sei auch die Politik gefordert, Räume zu schaffen, um die sich „unglaublich schnell entwickelnde Methode“ niederschwellig in die heimische Wirtschaft zu bringen, sagte RFT-Geschäftsführer Ludovit Garzik, der eine Ratsempfehlung zu dem Thema ankündigte.

Service: Die Studie im Internet: http://go.apa.at/IEsFLcgt

 

Jedes zweite Unternehmen plant Robotereinsatz

Investition rentiert sich laut Experten schnell, Foto: APA (dpa)




Jeder zweite Betrieb plant laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte eine verstärkte Automatisierung durch Roboter. Bis 2020 werden 72 Prozent auf Robotik setzen. In Roboter investiert haben die befragten Unternehmen bereits durchschnittlich 3,5 Mio. Dollar (2,82 Mio. Euro). 78 Prozent planen in den kommenden drei Jahren eine Steigerung der Ausgaben in diesem Bereich.

„Die Investition in robotergesteuerte Prozesse rentiert sich schnell. Eine Amortisation ist oft bereits in weniger als einem Jahr möglich“, so Werner Kolarik, Partner bei Deloitte in Österreich, laut Pressemitteilung. Befragt wurden weltweit 400 Unternehmen, davon rund 40 in Österreich.

Aktuell setzen sich der Umfrage zufolge 53 Prozent der Befragten mit der Optimierung durch automatisierte Arbeitsprozesse auseinander. Die Berater sehen deutliche Zuwächse in den kommenden Jahren: „Wir rechnen damit, das sich 2020 weltweit schon 72 Prozent der Unternehmen auf robotergesteuerte Prozesse fokussieren werden“, so Kolarik.

Klarer Mehrwert

Auch in Österreich nehme man ein steigendes Bewusstsein wahr: „Heimische Unternehmen setzen immer mehr auf diese Technologie, gerade in Bereichen wie dem Rechnungswesen.“ Der Großteil jener Befragten, die bereits Roboter einsetzen, sieht laut Studie einen klaren Mehrwert. Neun von zehn nannten Qualitäts- und Produktivitätssteigerungen. Rund zwei Drittel konnten zudem ihre Kosten senken.

Als größte Herausforderungen bei der Implementierung von Robotern nannten die Befragten die Standardisierung von Prozessen und das „Change Management“. „Da kommt auf die Unternehmen noch viel Arbeit zu, die sich schlussendlich aber bezahlt machen wird“, erwartet Kolarik.

Service: Die Studie im Internet: https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/at/Documents/technology/at-technology-robots-are-ready.pdf

 

Aus der Wissenschaft:

i2c Networking Friday 2018: Innovation Summit an der TU Wien

Panel Diskussion beim i2c Networking Friday, Foto: i2c - Innovation Incubation Center





Unter dem Thema „Entrepreneurial University – notwendiges Leitmotiv für die Universität der Zukunft oder Bedrohung zentraler Werte von Forschung und Lehre?“ lädt das Innovation Incubation Center (i2c) bereits zum vierten Mal in Folge zum jährlichen Innovation Summit der TU Wien. Neben hochkarätigen Keynote-Speakern freut sich das Innovationszentrum, Margarete Schramböck, Bundesministerin für Wirtschaft und Digitales, auf der Bühne begrüßen zu dürfen. ...

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