DBT-Newsletter #1/2015

Internet der Dinge: Zwischen Euphorie und Sinnsuche

Foto: APA/dpa - Auswirkungen der Vernetzung sind noch nicht absehbar

Alltagsgegenstände, die miteinander und dem Internet verbunden sind – das ist keine Zukunftsmusik mehr. Auf der Technikmesse CES in Las Vegas explodierte die Zahl vernetzter Gadgets. Das könnte das Leben erleichtern – und auch den gläsernen Verbraucher heraufbeschwören.

Alles, aber auch wirklich alles wird vernetzt – schon wenige Stunden auf der CES in Las Vegas lassen kaum noch Zweifel daran: Thermometer für das Pool-Wasser, Zahnbürsten, Insulin-Spritzen, Snowboards, Fußbälle, Küchenwaagen und Hunde-Halsbänder. Die traditionelle Vorab-Show "CES Unveiled", auf der meist Start-ups und kleinere Player dicht gedrängt ihre neuen Ideen präsentieren, sind voller Alltagsgegenstände, die mit Sensoren versehen wurden.

Die vom Chef des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson vor ein paar Jahren in den Raum geworfene Zahl von 50 Milliarden vernetzter Geräte bis 2020, die einst völlig weltfremd erschien, wirkt damit eher schon untertrieben. Doch ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Vernetzungsfieber Las Vegas endgültig gepackt hat, drückte der Chefökonom des Messeveranstalters CEA, Shaun DuBravac, auf die Euphoriebremse.

Es gehe nicht mehr darum, alles Mögliche mit Sensoren vollzupacken, erklärte DuBravac. Dass dies geht, sei längst bewiesen, mit dem Preisverfall bei Sensoren, Speicher und Übertragungschips werde es immer einfacher. Entscheidend sei aber etwas anderes. "Die Frage heute ist: Verändert diese Vernetzung etwas in der realen Welt? Das ist das Maß für sinnvolle Innovationen." Sei das nicht der Fall, werde sich ein Produkt auch nicht bei Verbrauchern etablieren. Beispiele von Produkten, die bei der CES als große Innovation gefeiert wurden – aber dann nie richtig Fuß fassen konnten, gibt es nach jeder Messe in Las Vegas Dutzende.

Zahnärzte als Daten-Analysten

Schätzungsweise nur vier Prozent der genutzten Produktkategorien seien vernetzt, sagte DuBravac. "Das Nutzungsszenario für die Vernetzung der restlichen 96 Prozent ist noch unklar." Der Ökonom wäre aber nicht bei einem Branchenverband, wenn er sich nicht auch revolutionäre Effekte bei zunächst belächelten Messe-Neuheiten wie der vernetzten Zahnbürste vorstellen könnte. "Vielleicht werden Zahnärzte in Zukunft auch Daten-Analysten sein." Schließlich könnten sie mit den Daten schon vor einer Behandlung sehen, wann und an welchen Stellen der Patient die Zähne schlechter putze und entsprechende Ratschläge geben.

Das alles klingt nach der Vision von einer schönen neuen Welt – die aber ihren Nutzen nur so richtig entfalten kann, wenn Daten verschiedener Dienste miteinander verknüpft werden. Man nehme zum Beispiel die Filmauswahl an einem Abend. Ein Streaming-Dienst wie Netflix würde auch heute schon einen Film auf Basis der früheren Auswahl eines Kunden vorschlagen. Nun ist heute aber vielleicht nicht ein Abend wie jeder andere. Die Sensoren für das Raumklima registrieren, dass sich sechs Leute im Raum aufhalten – man hat Besuch. Die Smartwatch erkennt, dass der Hausherr heute gestresst ist. Und das Wetter mag trübe sein. Viele Branchenexperten glauben, dass in der Zukunft alle diese Faktoren einkalkuliert werden, um das Filmprogramm für den Abend zu empfehlen.

Datenschützer schlagen Alarm

Die Folge wäre aber auch eine verknüpfte Ansammlung von Daten zu jedem beliebigen Nutzer. Datenschützer schlagen mit Blick auf eine solche Zukunft schon lange Alarm. Heute erzeugen die vielen vernetzten Geräte zwar auch eine schnell anwachsende Datenlawine, die Informationen stecken aber meist noch in den Silos der Anbieter fest. Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, sie zu verknüpfen, ist offen.

Der amerikanische Medienwissenschaftler und Unternehmer David Rose, der eine extreme Datenoffenheit mit vielen zum Teil selbst gebauten Geräten in seinem Haushalt vorlebt, ist überzeugt, dass es Gutes bringt. "Die Menschen werden sehen, dass es ihr Leben verbessert und deshalb auch auf solche Dienste zurückgreifen." Zugleich ist auch er nicht frei von Ängsten: So macht er sich Sorgen, dass die Versicherungsfirmen zu viel über sein Leben erfahren und ihn bei den Tarifen unter Druck setzen könnten. "Und ich habe Angst, meine Familie in Gefahr zu bringen" – etwa, dass Einbrecher kommen könnten, wenn sie dank der Daten-Freizügigkeit wüssten, dass er unterwegs sei.

Österreichs Firmen hinken beim Cloud-Computing hinterher

Foto: APA/EPA - Nur 12 Prozent nutzen Auslagerung an Drittanbieter

Die heimischen Unternehmen liegen bei der Nutzung von Cloud-Computing deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Nur 12 Prozent nutzen die Möglichkeit, Computerressourcen von Drittanbietern im Internet in Anspruch zu nehmen. Im EU-Schnitt sind es hingegen 19 Prozent, wie Eurostat in Brüssel bekannt gab.

Beim Blick auf die einzelnen Länder liegt Finnland, wo 51 Prozent der Betriebe Cloud-Computing nutzen, klar an der Spitze und verweist Italien (40 Prozent) und Schweden (39 Prozent) auf die Plätze. Am unteren Ende der Skala finden sich hingegen Rumänien (5 Prozent), Lettland und Polen (je 6 Prozent). Mit 12 Prozent liegt Österreich im unteren Drittel.

Insgesamt sind vor allem Unternehmen aus dem Sektor Information und Kommunikation beim Cloud-Computing aktiv (45 Prozent), gefolgt vom Bereich der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (27 Prozent). Das Baugewerbe (14 Prozent) tummelt sich hingegen weniger in diesem Bereich.

Genutzt werden Cloud-Lösungen von den 19 Prozent aktiven Unternehmen hauptsächlich für E-Mail Dienste (66 Prozent) und Datenspeicherung (53 Prozent). Für die übrigen 81 Prozent, die keine Cloud-Dienste in Anspruch nehmen, stellen die unzureichenden Kenntnisse das größte Hindernis dar (42 Prozent), gefolgt von Sicherheitsbedenken (37 Prozent).

Sicherheitsbedenken bei privaten Nutzern

Auch bei den privaten Nutzern bremsen starke Sicherheitsbedenken die Verbreitung der Online-Speicher. In Österreich greifen laut einer Bitkom-Studie nur 23 Prozent auf solche Dienste zurück – das ergibt gemeinsam mit Malta den 14. Rang unter 31 europäischen Staaten.

Am häufigsten werden Dienste wie Google Drive, iCloud von Apple oder Dropbox in Dänemark genutzt (44 Prozent der befragten Bürger), gefolgt von Norwegen (43 Prozent), Island (39 Prozent) und Großbritannien (38 Prozent). Deutschland teilt sich Platz 16 mit Frankreich. Die Schlusslichter bilden Litauen und Polen, beide mit 9 Prozent auf Platz 29, sowie Rumänien mit 8 Prozent (Platz 31).

Cybercrime-Angriff ist nur mehr eine Frage der Zeit

Grafik: APA

Es sei keine Frage ob, sondern wann Österreich von einem massiven Cyber-Angriff betroffen sein wird, sagte Helmut Habermayer, Leiter der Gruppe Strukturen und Organisation im Verteidigungsministerium, vor Journalisten in Wien. Anlass war ein dezentrales Training von Behörden und Unternehmen zur Abwehr derartiger Angriffe.

Die Fäden dieses Planspiels liefen in der Stiftskaserne in Wien-Neubau zusammen, in der erstmals ein Lagezentrum eingerichtet wurde, in dem die Kommunikation gebündelt wurde. Dabei griff man auf eine neue Software zurück, die Informationen über sämtliche angenommene "Vorfälle" zusammenführt und die Grundlage für deren Beurteilung bildet, wie Habermayer erklärte.

Teilnehmer waren mehrere Ministerien, die Stadt Wien und Unternehmen aus den Bereichen Energie, Finanz, Industrie, Telekommunikation, Gesundheit und Transport. Angenommen wurde ein teilweiser Ausfall des Internet, verschärft durch Cyber-Umtriebe einer Gruppierung, die User auf andere Webseiten umleitet, und darüber hinaus durch einen angedrohten Angriff auf die Verschlüsselungsarchitektur.

Energiesektor im Visier

Ein Ausfall des Internet, der mehrere Tage dauert, würde in der Realität massiven wirtschaftlichen Schaden anrichten, sagte Habermayer. Ebenso kritisch wäre ein Angriff auf einen Energieversorger, wenn dieser einen Stromausfall zur Folge hat. Der Energiesektor sei "einer, der immer wieder in Mitleidenschaft gezogen wird", sagte Christian Rupp, Sprecher der im Bundeskanzleramt angesiedelten Plattform Digitales Österreich.

Betroffene Unternehmen und Behörden sind im Fall einer Cyber-Attacke auf rasche Kommunikation untereinander angewiesen: Wer ist wo Ansprechpartner? Stecken kriminelle Aspekte dahinter? Handelt es sich womöglich um die Reaktion auf eine außenpolitische Mission, an der sich Österreich beteiligt? Vom Motiv hängt die Art der Reaktion ab.

Hacking als aufstrebender Wirtschaftszweig

Laut dem Internet-Sicherheitsbericht 2014 liegt dem überwiegenden Teil von Cyber-Attacken ein ausgeprägtes wirtschaftliches Interesse zugrunde. Das Computer Emergency Response Team (CERT.at), das den Bericht verfasst hat, registrierte jedenfalls eine Zunahme an sicherheitsrelevanten Vorfällen: Knapp 16.000 sogenannte Incidents wurden dem Team im vergangenen Jahr bekannt, 2013 lag diese Zahl noch unter 12.000. Die Angriffe werden nicht nur mehr, sondern auch komplexer.

Während User ihre PC relativ brav schützen, ist ihr Sicherheitsbewusstsein bei mobilen Geräten, also Smartphones und Tablets, nach Angaben der Fachleute noch schwach ausgeprägt, obwohl dort jede Menge persönliche Daten gespeichert und potenzielles Ziel von Cyber-Dieben sind. Gravierende Mängel sieht der Bericht auch bei Unternehmen, deren Daten interessanter und daher ökonomisch wertvoller sind als jene von Privatpersonen.

Service: Der vollständige Bericht ist unter www.cert.at abrufbar.

Hohe Anlaufkosten bremsen Einsatz des 3D-Drucks

Foto: APA/dpa - Einsatz derzeit vor allem bei Erstellung von Prototypen

Ein breiterer Einsatz des 3D-Drucks in Unternehmen wird laut einer Studie von hohen Anlaufkosten verhindert. In einer Umfrage des IT-Marktforschers Gartner nannten 60 Prozent das als ein zentrales Hindernis. Aktuell werden 3D-Drucker demnach vor allem bei der Erstellung von Prototypen neuer Produkte genutzt.

Sie fänden aber zunehmend auch den Weg in die Produktion, hieß es in der Studie. Im Jahr 2018 werde rund die Hälfte der Hersteller von Verbraucherprodukten sowie von Unternehmen der Schwerindustrie 3D-Druck einsetzen, prognostizierte Gartner-Analyst Pete Basiliere. Beim 3D-Druck werden Gegenstände aus feinen Schichten von Plastik oder auch Metall zusammengesetzt.

Ein Vorteil ist, dass damit Artikel erstellt werden können, die mit herkömmlichen Methoden nicht zu produzieren sind. Der Technologie wird schon lange eine große Zukunft vorhergesagt. Die Kosten waren von Anfang an ein Problem. Zugleich machten Unternehmen auch die Erfahrung, dass ein gezielter Einsatz von 3D-Druckern in der Zuliefererkette die Gesamtkosten deutlich senken könne, betonte Basiliere. In den befragten Unternehmen seien Produkte dadurch im Schnitt gut vier Prozent günstiger produziert worden.

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