DBT Newsletter #6/2015

Betriebe können mit Industrie 4.0 noch wenig anfangen

 Foto: APA/dpa - „Intelligente“ Fabriken werden Produktion massiv verändern





In den nächsten Wochen werden die Sozialpartner gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium die neue Plattform "Industrie 4.0" vorstellen, um das Thema der "intelligenten Fabrik" in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dass der Infobedarf hoch ist, zeigt eine aktuelle Umfrage, wonach die Hälfte der Industriebetriebe mit dem neuen Schlagwort nichts anfangen kann. 

Von jenen Industrievertretern, denen Industrie 4.0 ein Begriff ist, sehen 38 Prozent einen Trend, dem man Rechnung tragen muss. Für 27 Prozent bringt Industrie 4.0 eine Flexibilisierung der Produktion. Jeder Vierte bräuchte zu Industrie 4.0 noch mehr Informationen und jeder Fünfte glaubt an einen Hype, der vorübergehen wird, geht aus der Gallup-Umfrage hervor. 

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) treibt das Thema unterdessen voran. Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI, sieht darin einen wichtigen Schritt zur Reindustrialisierung von Europa, den die USA schon seit längerem gehen. Und die Digitalisierung der Produktion sei auch eine Riesenchance für Klein- und Mittelbetriebe in Kooperation mit der Industrie.

Antwort auf Billigkonkurrenz

"Durch Industrie 4.0 geht es wieder mehr um Know-how", so Roitner, der darin auch eine Antwort auf die Billigkonkurrenz aus Südostasien sieht. Die Frage sei, wie offensiv sich Österreich dem Thema stelle, Stichwort Bildungsreformen. Ein Blick in die Statistik der TU Wien zeigt jedenfalls, dass Elektro- und Maschinentechniker dünn gesät sind. Im Wintersemester 2013/14 waren es 2.578 Studenten der Elektrotechnik, beim Maschinenbau waren es 2.022. Das sind zusammen nicht einmal so viele wie es Architektur-Studenten gibt. 

Die wachsende Digitalisierung der Industrie wird laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) in den kommenden zehn Jahren jedenfalls viel zusätzliche Jobs schaffen. "Die menschenleere Fabrik wird es nicht geben", sagt Studienautor Michael Rüßmann. "Es wird erstens weiter auch Personen geben, die gemeinsam mit Robotern arbeiten. Zweitens werden Arbeitsplätze in der Fertigung IT-lastiger, das heißt, es entstehen andere Arten von Arbeitsplätzen." Einfache manuelle Jobs in der Fertigung und Fabriklogistik – wie Gabelstaplerfahrer – könnten aber wegfallen, räumte Rüßmann ein.


USA haben größtes Potenzial für Onlinehandel

Foto: APA (Fohringer) - Globaler Onlineumsatz stieg um 20 Prozent






Die USA, China und Großbritannien haben einer Untersuchung des Unternehmensberaters A.T.Kearney zufolge das größte Potenzial für den Onlinehandel. Österreich ist erstmals in der Wertung vertreten und nimmt Platz 27 ein. Der weltweite Onlineumsatz stieg 2014 um 20 Prozent auf mehr als 800 Mrd. US-Dollar (738,7 Mrd. Euro). 

A.T.Kearney bewertet die Rangliste der Top-Märkte anhand der Größe des Onlinemarktes, Verbraucherverhalten, Infrastruktur und Wachstumspotenzial. In den USA profitierte der Online-Handel dabei besonders von der anziehenden Konjunktur in Nordamerika und konnte China vom Spitzenplatz verdrängen. Dies war nach Angaben der Handelsexperten nicht nur auf das etwas schwächere Wachstum beim E-Commerce im Reich der Mitte zurückzuführen, sondern auch auf offene Fragen bei den langfristigen makroökonomischen Rahmenbedingungen in China, etwa bei Infrastrukturinvestitionen und Verbraucherausgaben. 

In Europa machten Großbritannien (3), Deutschland (5) und Frankreich (6) jeweils einen Platz gut. Große Fortschritte gab es der Untersuchung zufolge in Belgien (mit einer Verbesserung um 15 Plätze auf den 9. Rang), Dänemark (12 Plätze nach oben auf Rang 15) sowie Spanien (neu im Index auf Rang 18). Auch Mexiko stieg neu in das Ranking auf Platz 17 ein, während Brasilien (-13 Plätze auf Rang 21) und Argentinien (-17 Plätze auf Rang 29) aufgrund ihrer schwachen Konjunktur starke Einbußen erlitten. 

A.T.Kearney macht einige Trends aus, die den Onlinehandel prägen. Die Zukunft liege darin, Online-Shopping und den traditionellen Einkauf miteinander zu verknüpfen. Wachstumschancen sieht der Berater in neuen Märkten. Als Beispiel führt A.T.Kearney die deutsche Modefirma Tom Tailor an, die kürzlich eine Kooperation mit einem indischen Onlinehändler bekannt gab.


Crowdfunding & Co boomen in Europa

 Foto: APA/dpa - Neue Finanzierungsmöglichkeiten für junge Unternehmen





Im Jahr 2014 sammelten Unternehmen in Europa 2,96 Mrd. Euro über alternative Finanzierungswege jenseits von Bankkrediten ein, geht aus einer nun veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young und des Center for Alternative Finance der Universität Cambridge hervor. Der Markt hat sich damit innerhalb von zwei Jahren versechsfacht. 

Kapital aus dem Netz oder vom Nachbarn: Kleine Unternehmen, Start-ups oder Privatleute bekommen in Europa offenbar immer häufiger Geld über alternative Finanzierungsformen. Besonders beliebt seien Direktdarlehen von Privatpersonen und die Schwarmfinanzierung, das sogenannte Crowdfunding, im Internet. Für die Studie wurden Daten von Branchenverbänden und Online-Plattformen für alternative Finanzierungen ausgewertet. 

"Das ist ein gutes Signal für junge Firmen", erklärte Christopher Schmitz, Partner bei Ernst & Young. "Die Finanzierungsmöglichkeiten für gute Ideen und Projekte erweitern sich, sie sind nicht mehr allein auf den Bankkredit oder Risikokapitalgeber angewiesen." Der Studie zufolge sind die neuen Möglichkeiten, an Kapital zu kommen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen interessant. 

Der Löwenanteil alternativer Finanzierungen entfällt mit einem Volumen von 2,34 Mrd. Euro auf Großbritannien, gefolgt von Frankreich (154 Mio. Euro) und Deutschland (140 Mio. Euro). Dass Crowdfunding & Co in Großbritannien so beliebt sind, hat Gründe. "Nach der Finanzkrise musste sich die Wirtschaft dort schnell nach alternativen Geldquellen umsehen, weil der traditionell starke Bankenstandort hart getroffen wurde", erklärte Schmitz. Zudem seien die gesetzlichen Regeln in Großbritannien weniger streng.

 

Neuartiger Sensor erkennt blitzschnell menschliche Gesten

Foto: JKU - Anwendungen auch in Biometrie und Diagnostik denkbar






Forscher der Universität Linz haben einen Sensor entwickelt, der schnell und zuverlässig statische Gesten und Handbewegungen erkennt. Während herkömmliche Systeme zur Bilderkennung Millionen von Bildpunkten messen und auswerten, benötigt der neue Sensor lediglich zehn Einzelmessungen, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Optics Express". 

Automatische Bilderkennung dringt zusehends in den Alltag – sei es die Steuerung elektronischer Geräte durch Gesten oder die Gesichtserkennung am Flughafen. In der Regel werden dazu gewöhnliche Bilder verwendet. Sie bestehen aus Millionen von Pixeln, die in aufwendigen Algorithmen verarbeitet werden. "Der Großteil dieser Datenmenge ist vollkommen überflüssig für die Klassifikation eines Bildes", erklärte Oliver Bimber, Professor am Institut für Computergrafik der Uni Linz und Mitautor der Studie, gegenüber der APA. "Unser Sensor dagegen lässt sich für bestimmte Klassifikationsaufgaben optimieren. So reicht bereits eine kleine Anzahl an Messungen, um zuverlässig das richtige Ergebnis zu liefern." 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden messen die Linzer Forscher dabei keine einzelnen Bildpunkte. Ihr Sensor arbeitet vielmehr nach dem Prinzip eines Computertomografen. Dazu projizieren sie das zu analysierende Bild auf einen zweidimensionalen Lichtleiter – eine dünne, quadratische Folie – und messen die Intensitätsverteilung des Lichts mit knapp 7.000 Detektoren an dessen Rändern. Der Sensor wurde im Rahmen eines von Microsoft finanzierten Forschungsprojekts an der Uni Linz hergestellt. 

Nur zehn Messungen notwendig

Um die Leistungsfähigkeit der neuen Methode zu demonstrieren, optimierten die Forscher den Sensor auf ein spezielles Klassifikationsproblem: die Erkennung von Handzeichen. Dazu projizierten sie zunächst die Schatten von 22 verschiedenen Gesten in jeweils 300 unterschiedlichen Perspektiven und Abständen auf die Folie. Daraufhin analysierten sie die Daten, um festzustellen, welche davon zur Unterscheidung der Bilder wichtig sind, und auf welche verzichtet werden kann. So konnten sie die Anzahl der notwendigen Messungen auf lediglich zehn reduzieren. 

Mithilfe dieser zehn ausgewählten Detektoren konnte der Sensor nun jede der Gesten mit einer Trefferquote von 99 Prozent identifizieren. Dabei spart die geringe Anzahl von Messwerten nicht nur Zeit, sondern auch Energie, wie Bimber betont. Ein ähnliches Ergebnis wurde auch mit Handbewegungen anstelle von statischen Gesten erzielt: Zehn Messungen reichten aus, um eine Trefferquote von 98 Prozent zu erreichen. Bimber betonte, dass Gesten- und Bewegungserkennung nur zwei Anwendungsbeispiele seien, die sich etwa als Benutzerschnittstellen beispielsweise für Tablets oder Smartphones eignen würden und dort das Potenzial hätten, Berührungssensoren abzulösen. 

Service: Die Publikation im Internet: http://go.apa.at/dyj67MYM


Service

Foto: Apa




Digital Business Trends am 28. April in Linz: "Industrie 4.0: Was die Revolution in der Produktion verändert"
Die Fabrik der Zukunft wird die Produktionsabläufe in Zukunft massiv verändern. Was steckt dahinter?

Wer sind die relevanten Player in Österreich und warum mischt die Politik hier so stark mit? Wer wird davon profitieren? Welche radikalen Innovationen und disruptiven Geschäftsmodelle entstehen dadurch?

Ort: Ars Electronics Linz, Ars Electronica Straße 1, 4040 Linz, Sky Loft
Zeit:
ab 19 Uhr

Zur Anmeldung


Service

Foto: Segments e.U.




Es ist soweit: Lean Startup Machine kommt nach Wien!

Der Lean Startup Machine Workshop findet von 8. bis 10. Mai 2015 bei Microsoft Österreich in Wien statt und bietet Gründern und Innovatoren die einmalige Chance, ihre Ideen mit den selben Methoden zu testen, wie es zuvor bereits Dropbox, AirBnB oder Zappos getan haben. An drei intensiven Workshop-Tagen werden die Teilnehmer von lokalen Venture Capitalists, erfolgreichen Entrepreneuren, Corporate Innovation Manager und dem Lean Startup Machine Team gecoacht und betreut. Infos und Anmeldungen unter: bit.ly/LSMJoin4



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