DBT Newsletter #5/2015

Regierungsdaten sollen "offener" werden

 Foto: APA/dpa - Rechtsanspruch auf kommerzielle Nutzung geplant





Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) plant neue Regeln für die kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung öffentlicher Daten. Deren Einbindung in Software-Anwendungen wird künftig erleichtert. Auch Museen, Archive und Bibliotheken sollen ihre Daten in computerlesbarer Form veröffentlichen. Sie erhalten aber das Recht, einen "Exklusivpartner" für die Digitalisierung zu wählen. 

Regeln für die Nutzung öffentlich zugänglicher Behördendaten gibt es seit 2005. Nun soll – entsprechend neuer EU-Vorgaben – ein grundsätzlicher Rechtsanspruch auf Weiterverwertung dieser Daten verankert werden. Neu geregelt werden auch die Kosten: Ist derzeit ein "Vollkostenersatz" möglich, dürfen künftig in der Regel nur noch die durch Reproduktion, Bereitstellung und Weiterverbreitung anfallenden "Grenzkosten" verlangt werden. 

Veröffentlicht werden sollen die Daten "soweit möglich und sinnvoll" in maschinenlesbarem Format – und zwar auf der Regierungsplattform data.gv.at. Damit soll die Einbindung in Softwareanwendungen erleichtert und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle ermöglicht werden. Derzeit stellt der Staat viele Unterlagen – von den Förderberichten von Bund und Ländern bis hin zu Rechenschaftsberichten der Parteien – nämlich nur als PDF-Dateien ins Internet. Die automatisierte Einbindung in Softwareanwendungen wird damit verunmöglicht, Auswertungen erschwert. 

PDF-Dokumente sind Vergangenheit
Mathias Huter vom Forum Informationsfreiheit erhofft sich durch die neuen Regeln Besserung: "Idealerweise sollten PDF-Dokumente oder gescannte Dokumente in Zukunft der Vergangenheit angehören." Das Gesetz sieht er als positiven Schritt in Richtung offene Daten – auch wenn auf Basis der EU-Vorgaben aber noch stärkere Regeln möglich seien. Was sich durch die neuen Vorgaben tatsächlich ändert, bleibt abzuwarten. Vorgesehen ist nämlich eine Reihe von Ausnahmen. So dürfen Museen, Archive und jene öffentlichen Stellen, die sich aus dem Verkauf von Informationen finanzieren, auch künftig mehr als nur die "Grenzkosten" für ihre Daten verlangen. Bildungs- und Forschungseinrichtungen sind überhaupt ausgenommen. 

Was das in der Praxis bedeutet, erläutert das Wirtschaftsministerium auf APA-Anfrage: So muss die ZAMG – eine Forschungseinrichtung – ihre Wetter(roh)daten auch künftig nicht verfügbar machen. Das auf eigene Einnahmen angewiesene Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen darf für seine Geodaten auch über die Grenzkosten hinausgehende Tarife verlangen. Und die kompletten Daten des "Spritpreisrechners" bleiben weiter unter Verschluss, weil hier laut Gesetz nur die Bundeswettbewerbsbehörde Einblick hat ("aus wettbewerbsrechtlichen Gründen" werden nur die günstigsten Tankstellen veröffentlicht). 

Parallel zum Bund müssen auch die Länder ihre Informationsweitergabegesetze an die neuen EU-Vorgaben anpassen. Das Gesetz ist derzeit in Begutachtung, ein Inkrafttreten ist für 18. Juli vorgesehen.


Suchmaschine der Zukunft wird "gesprächiger"

Foto: Derrick Coetzee - Peter Norvig forscht an der Lernfähigkeit von Computern





Er hat den angeblich längsten palindromischen Satz der Welt geschaffen, eine der bekanntesten Powerpoint-Satiren kreiert und nebenbei ist er Computerwissenschafter und Forschungsdirektor bei Google. Vor kurzem sprach Peter Norvig an der Technischen Universität (TU) Wien über Künstliche Intelligenz, wie Computer lernen und warum die Suchmaschine der Zukunft "gesprächiger" sein soll. 

"Der gebräuchlichste Weg, wie ein Computer lernt, ist von Beispielen mit korrekten Antworten. Zum Beispiel: Zeige einem Computer ein paar Millionen Fotos mit Bildunterschriften. Wenn man ihm dann ein neues Foto zeigt, das er nie zuvor gesehen hat, gibt es eine gute Chance, dass er dazu eine gute Bildunterschrift errät", erklärte Norvig im Gespräch mit der APA. Ähnliches gelte, wenn man dem Computer Millionen von Beispielen von Übersetzungen von Deutsch auf Englisch zeige. Davon könne er lernen, Sätze zu übersetzen – "mit Worten die er gesehen hat, aber in Kombinationen, die er noch nie gesehen hat". 

In diesen Bereichen hat es laut Norvig auch die größten Fortschritte beim maschinellen Lernen in letzter Zeit gegeben, in der Wahrnehmung und dem Erkennen von Mustern oder von Objekten in Bildern und von gesprochenen Worten. Intelligenter und interaktiver soll künftig auch das Herzstück von Google, die gleichnamige Suchmaschine, werden. "Die Google-Suche tendiert dazu, sich auf kurze Phrasen zu konzentrieren, die aus Schlüsselwörtern bestehen. Ich bin mehr an komplexen Interaktionen interessiert", sagte Norvig. 

Wenn zum Beispiel ein Student eine neue Disziplin erlernen will – etwa Genomik – könnte er auf Google suchen und wertvolle Informationen dazu finden. Aber der Student verbringe die meiste Zeit schon damit, sich für Suchbegriffe zu entscheiden. Norvig glaubt, dass hier eine stärkere "Partnerschaft" möglich sei, bei der es eine Interaktion gibt, wie zwischen einem Studenten und einem Tutor. Wie soll eine Suchmaschine in Zukunft also beschaffen sein? "Interaktiver, 'gesprächiger', mehr bereit dazu, Informationen anzubieten, fähiger eine Aufgabe für dich zu übernehmen, und nicht nur Webseiten aufzulisten", so Norvig. 

„Intelligent“ – oder einfach „besser“
Ab wann eine Maschine als "intelligent" gilt, hat auch viel mit der jeweiligen Definition dieses Begriffs zu tun. Norvig vertritt den Ansatz, den Fortschritt am erfolgreichen Lösen einer Aufgabe als Maßstab zu nehmen. Wenn man eine Maschine dazu bringen könne, mehr Schachspiele zu gewinnen, Sätze akkurater zu übersetzen oder sicherer und effizienter herumzufahren, dann ist diese Maschine "besser" geworden. "Es ist mir egal, ob man sie dann auch 'intelligenter' nennt oder nicht", sagt Norvig. 

Warnungen, etwa von Stephen Hawking oder Bill Gates, wonach eines Tages eine maschinelle "Superintelligenz" sich gegen die Menschheit wenden könnte, nimmt Norvig nicht auf die leichte Schulter. "Ich stimme ihnen darin zu, dass wir nicht genug Wissen und Erfahrung haben, um große, komplexe KI-Systeme zu bauen, die sicher und verlässlich sind. Auf der anderen Seite haben wir auch nicht genug Wissen, um große, komplexe Nicht-KI-Systeme zu bauen, die sicher und verlässlich sind. Wir sollten hart daran arbeiten, um KI zu einer Engineering-Disziplin zu machen, die verlässliche, vorhersagbare Resultate liefert, so wie Ingenieure den Brückenbau zu einer verlässlichen Disziplin transformiert haben", sagt Norvig.


Computertechnik soll bei Pflege helfen

Foto: APA/dpa - Bedienfreundlichkeit steht an erster Stelle




Computer, Tablets und Smartphones könnten den Alltag von pflegenden und pflegebedürftigen Menschen einfacher machen. Allerdings ist die Technik oft nicht benutzerfreundlich. An der Technischen Universität (TU) Wien will man erforschen, wie IT-Lösungen einfach und praxistauglich gestaltet werden können. Für eine im Juni startende Versuchsphase werden noch Testpersonen gesucht, teilte die Uni mit. 

Als Beispiele für technische Hilfen nennt die TU etwa ein Tablet, mit dem man im Notfall einfach durch einen einzigen Fingerdruck ein Videotelefonat starten kann, oder auch Kameras, mit denen man am Handy nachsehen kann, ob bei einer Pflegeperson noch alles in Ordnung ist. Hilfreich wäre auch ein System, das etwa über eine Verspätung der Heimhilfe frühzeitig informiert. 

Als ganz entscheidend werten die Forscher, dass die technische Umsetzung von Hilfen möglichst einfach und bedienungsfreundlich ist. "Meist sind die pflegenden Angehörigen selbst nicht mehr ganz jung, viele von ihnen haben nicht besonders viel Erfahrung mit Computern oder Smartphones, aber das ist auch nicht nötig", erklärte Susanne Hensely-Schinkinger vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien. Dort wird ganz gezielt untersucht, auf welche Weise die Programme gestaltet werden müssen, um eine frustfreie, effiziente und fehlertolerante Bedienung zu ermöglichen. 

Im Rahmen des von der TU Wien geleiteten Projekts "TOPIC" (The Online Platform for Informal Caregivers), an dem auch Firmen, Pflegeorganisationen und Forschungseinrichtungen aus Österreich, Deutschland und Frankreich beteiligt sind, startet im Juni eine einjährige Testphase, für die noch pflegende Personen gesucht werden. Die technischen Geräte, eine Internetverbindung und die Einschulung in die Software werden zur Verfügung gestellt. Ziel sei ein marktreif entwickeltes Produkt, das von Firmen kommerziell vertrieben werden kann. 

Service: Interessierte Testpersonen können sich bei Hilda Tellioglu, Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien, Tel: 01/58801-18716, mailto:hilda.tellioglu@tuwien.ac.at, melden.


Informatik-Institute gründen Plattform

Foto: APA (Techt) -




Die Informatik hat nach wie vor den Ruf einer Hilfswissenschaft. Dieses Image wollen die Informatik-Institute an den Unis korrigieren und haben sich dafür zu der in Wien präsentierten Plattform "informatik_austria" zusammengetan. Sie wollen "die Informatik als Universalwissenschaft des 21. Jahrhunderts positionieren und ihre Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft verdeutlichen". 

An der Plattform sind jene sieben Unis beteiligt, die Informatik-Studien anbieten, konkret die Universitäten Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt sowie die Technischen Universitäten (TU) Wien und Graz, weiters das Institute of Science and Technology (IST) Austria sowie die Oesterreichische Computer Gesellschaft (OCG). An den sieben Unis werden in Summe 83 Studiengänge im Bereich Informatik angeboten, derzeit gibt es knapp 16.700 Studenten und jährlich rund 1.300 Absolventen. Dabei ist der Bereich fest in männlicher Hand: 80 Prozent der Studenten sind Männer. 

Für die Sprecherin der Plattform, Silvia Miksch von der TU Wien, ist "Informatik mehr als nur zu programmieren, sie ist eine kreative Wissenschaft, die eine Fülle verschiedener Ansätze hat, die das allgemeine Leben beeinflussen". Die Zusammenarbeit der verschiedenen Standorte habe in der Vergangenheit teilweise funktioniert, unter einem gemeinsamen Dach wolle man die Kooperation aber weiter verstärken und sich noch stärker positionieren, erklärte Franz Wotawa von der TU Graz. 

Aktivitäten für Kinder und Jugendliche
"Programmieren ist eine Fähigkeit von extrem steigender Bedeutung", so Wotawa. Aus diesem Grund bemühen sich die verschiedenen Informatik-Standorte auch mit zahlreichen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche wie Robo-Challenges darum, schon Schüler für das Thema zu begeistern. Angesichts der "ausgezeichneten Berufschancen" im Informatik-Bereich spreche sich das auch zunehmend unter den Schülern herum, das Interesse an dem Fach steige. Die vielen offenen Stellen würden auch den Bedarf nach mehr Absolventen zeigen, Problem dabei sei allerdings auch die nicht zu üppige Personalausstattung an den Unis. 

Zu kämpfen haben die Informatiker mit der zu geringen Finanzausstattung, vor allem des Wissenschaftsfonds FWF. Die häufige Ablehnung von Anträgen rein aus Geldmangel frustriere die Leute, "es handelt sich um eine sehr unbefriedigende und besorgniserregende Situation, die wir beim FWF haben", betonten mehrere Vertreter der Plattform. "Wenn wir die Informatik stärken wollen, brauchen wir hier mehr Geld, vor allem auch um junge Forscher zu fördern", sagte Gerhard Widmer von der Uni Linz und Roderick Bloem von der TU Graz ergänzte: "Wenn wir das nicht tun, verpassen wir ein Wachstumsgebiet und müssen Know-how aus dem Ausland einkaufen." 

Weitere Informationen: www.informatikaustria.at


Service

Digital Business Trends am 23. April in Wien:"Digitale Verwaltung: Wie Städte smarter werden"
Die Kommunen rüsten auf: Abseits von FinanzOnline und Co. finden sich in der Verwaltung mehr Innovationen als vermutet. Die Palette reicht von kreativen Apps (Mobile Government) bis zu nützlichen Datenanwendungen (Open Data Government).

Was tut sich bei der Digitalisierung der Städte und Gemeinden? Welche Vorteile hat die Wirtschaft durch die zunehmende Verbreitung der Handysignatur? Von welchen kommunalen Services profitieren die Betriebe und welche neuen Geschäftsmodelle sind im Entstehen?

Ort: Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien, Dachgeschoß
Zeit: ab 19 Uhr

Zur Anmeldung


Service

Digital Business Trends am 28. April in Linz: "Industrie 4.0: Was die Revolution in der Produktion verändert"
Die Fabrik der Zukunft wird die Produktionsabläufe in Zukunft massiv verändern. Was steckt dahinter?

Wer sind die relevanten Player in Österreich und warum mischt die Politik hier so stark mit? Wer wird davon profitieren? Welche radikalen Innovationen und disruptiven Geschäftsmodelle entstehen dadurch?

Ort: Ars Electronics Linz, Ars Electronica Straße 1, 4040 Linz, Sky Loft
Zeit:
ab 19 Uhr

Zur Anmeldung



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