We are designers – Wir gestalten unser Leben mit und ohne Künstliche Intelligenz

von: Viktoria Pammer-Schindler, TU Graz & Know-Center

Viele Hoffnungen sind auf Künstliche Intelligenz gerichtet – und viele Befürchtungen. In diesem Beitrag möchte ich herausarbeiten, dass wir auf allen Ebenen nicht ohnmächtige ZuschauerInnen, sondern GestalterInnen sind – Wir sind Designer!

Menschliches Handeln ist auf Ziele gerichtet

Menschliches und betriebliches Handeln ist auf Ziele und Objekte  (z.B. eine App programieren, eine Patientin behandeln) ausgerichtet.

Werkzeuge ermöglichen und beschränken unser Handeln

Wir verwenden Werkzeuge, um unser Handeln zu ermöglichen; Werkzeuge beschränken natürlich auch was möglich ist. Manche Ziele werden erst durch bestimmte Technologien ermöglicht: Eine App zu programmieren, erfordert schon heutige Technologien – das wäre vor 300 Jahren noch kein mögliches Objekt des Handelns gewesen.

Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug

In diesem Beitrag verstehe ich „Künstliche Intelligenz” als Menge von Technologien, die Methoden aus dem Forschungsfeld Künstliche Intelligenz verwenden – das könnten sowohl regelbasierte Systeme sein, aber auch Datenanalyse-Technologien, die statistische oder Machine-Learning Methoden verwenden. Diese Technologien haben kein eigenes Bewusstsein; sie haben auch grundsätzlich nicht selbst-definierte Ziele. Sie sind so gut, wie sie programmiert wurden und ihre Qualität hängt von den Daten ab, von denen sie lernen konnten. Im Moment heißt das: Künstliche Intelligenzen sind auch nur Werkzeuge.

Wir sind Designer

Es sind also Menschen, welche die Ziele vorgeben. Und: Wir entscheiden uns für Werkzeuge, wir gestalten, wie wir Werkzeuge verwenden, wir entwickeln und erfinden Werkzeuge. Wir sind also DesignerInnen.

Wir entscheiden, ob wir in einer Filter Bubble leben, und unsere Information ausschließlich aus Empfehlungen, die von Künstlichen Intelligenzen kommen, beziehen. Wir als Unternehmen legen fest, ob Künstliche Intelligenzen oder Menschen Entscheidungen treffen.

Werkzeuge ändern uns

Wir als AkteurInnen stehen aber in Wechselwirkung mit den Werkzeugen, die wir verwenden: Werkzeuge ermöglichen und beschränken unser Handeln, und wir als Menschen (und auch Unternehmen) sind durch unser Handeln bestimmt und entwickeln uns durch unser Handeln. Stellen wir uns vor, dass Künstliche Intelligenzen medizinische Diagnosen stellen können und dass Künstliche Intelligenzen in einfachen Fällen sehr gut diagnostizieren. Nur in schwierigen Fällen wird an medizinische ExpertInnen übergeben. Menschen werden aber zu ExpertInnen, indem sie auch einfache Tätigkeiten durchführen und einfache Fälle bearbeiten. Wir müssten also als Einzelperson überlegen, wie wir medizinische ExpertInnen werden können, oder als Institution, die solche ExpertInnen braucht, wie man diese ausbilden kann, wenn im Alltag einfache Tätigkeiten nicht mehr Menschen obliegen.

Stellen wir uns vor, dass Künstliche Intelligenzen eine Produktionsfirma führen können. Diese Firma könnte sich Menschen anstellen, die dezidierte Fehlentscheidungen analysieren, und Trainingsmaterial für die Künstliche Intelligenz ausarbeiten um solche Fehlentscheidungen in Zukunft zu vermeiden. Wir würden also als Einzelperson nicht mehr in einer menschlichen Hierarchie arbeiten, sondern unter Peers, als LehrerInnen für eine KI; wir würden als Gesellschaft überlegen, wem die Wertschöpfung dieses KI-Unternehmens gehört.

Was müssen wir als Einzelpersonen, Unternehmen oder Gesellschaft also tun, um GestalterInnen zu bleiben?

  1. Ziele und Werte festlegen
  2. Verstehen, wie KI als Werkzeug bei der Zielerreichung unter Beachtung unserer Werte beitragen kann
  3. Augen offen halten für Nebenwirkungen

 Im Rahmen meiner Forschung an der TU Graz und dem Know-Center arbeite ich genau zu diesen letzten beiden Punkten: Ich erforsche wie Technologien – oft unter Verwendung von Methoden aus der Künstlichen Intelligenz – Lernen und andere wissensintensives Handeln im betrieblichen Umfeld unterstützen kann; und ich erforsche die Auswirkungen von Technologien in Wechselwirkung mit individuellem und betrieblichem Handeln.

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