Rückschau

Digital Business Trends: "Neustart: Wie Österreich zum Start-up-Wunderland wird" am 29.10.2015

Start-ups: Der weite Weg zur „Ideen-Wirtschaft“

„Silicon Alps“ nur in Einzelfällen Realität – Mangel an Risikokapital und unternehmerischem Denken – Podiumsdiskussion der Plattform „Digital Business Trends“

Zwar lässt die heimische Start-up-Szene immer öfter mit einzelnen Erfolgen aufhorchen, ein funktionierendes Ökosystem rund um die Ideenschmieden ist aber erst im Entstehen. Nachholbedarf gibt es unter anderem bei den Rahmenbedingungen, erklärten Expertinnen und Experten gestern, Donnerstagabend, bei einem Event der Plattform „Digital Business Trends“ in Graz.

Europa habe die Vorreiterrolle sowohl in der Telekomindustrie als auch in der Digitalisierung verloren, die sie beispielsweise mit dem einheitlichen Mobilfunkstandard inne hatte, so Mario Mayerthaler, Head of New Business and Strategy in der Telekom Austria Group: „Heute sind die USA und das Silicon Valley das Zentrum der Start-ups, des Risikokapitals und der neuen disruptiven Ideen. Europa und Österreich haben einen mühsamen Aufholprozess gestartet, sind aber von Excellence noch weit entfernt.“

Die Exits von Unternehmen wie Runtastic oder Shpock würden das Bild von „Silicon Alps“ erwecken, das es in Einzelfällen gebe, das aber nicht die Regel sei. Dem stünden strukturelle Defizite etwa im Bildungsbereich entgegen. „Der Mangel an unternehmerischem Denken und Risikofreudigkeit sowie Defizite bei der Finanzierung oder im steuerlichen Bereich hemmen den Prozess, obwohl sich im Ökosystem, getragen von einem derzeitigen ‚Hype‘, einige Dinge in die richtige Richtung bewegen“, so Mayerthaler.

Tanker brauchen auch Schnellboote
Die Telekom selbst unterstütze derzeit sechs Start-ups mit kostenlosem Büroraum, IT-Ausstattung, Mentoring und Beratung. „Im digitalen Zeitalter muss auch ein Tanker wie die Telekom Schnellboote haben – und das sind die Start-ups. Spezialisierte Start-ups, die Nischen bedienen, werden an Bedeutung gewinnen und auf eine neue Art mit den etablierten Unternehmen zusammenarbeiten“, ist der Manager überzeugt.

Einen Mangel an steuerlicher Attraktivität von Investitionen und klaren liberalen Gesetzen für alternative Investmentmöglichkeiten ortet auch Oliver Krizek, Geschäftsführer der NAVAX Unternehmensgruppe. „Bei der Startfinanzierung sieht es nicht so schlecht aus. Man kann gute Ideen bis zu einer gewissen Reife entwickeln, aber dann braucht es ausländisches Kapital. Denn das Geld gibt es in Österreich nicht“, so Krizek.

Im Silicon Valley sei es hingegen gelungen, eine „Ideen-Wirtschaft“ aufzubauen. „Das begreifen wir in Europa noch nicht so. Hier kocht jeder seine eigene Suppe“, kritisierte der Unternehmer. Benötigt würden weitere Förderungspakete, sowohl aus privater als auch öffentlicher Hand. Parallel dazu sollte in Bildung investiert werden. „Hier wird die Lage immer schlechter und schlechter. Wir haben kein adäquates Niveau mehr, um in einer globalisierten Welt bestehen zu können. In zehn bis zwanzig Jahren bekommen wir da Riesenprobleme“, erklärte Krizek.

„Unternehmer-Gen“ schon in den Schulen einpflanzen
„Ich habe die große Hoffnung, dass schon in den Schulen ein ‚Unternehmer-Gen‘ eingepflanzt wird. Da müssten wir aber handfest etwas ändern“, pflichtete Helmut Pöllinger, Geschäftsführer des Sicherheitsspezialisten Brainloop Austria & CEE, bei. Er plädiere für ein Fach „Entrepreneurship“ in der Schule.

Auch Pöllinger hält die Startfinanzierungen für gut, „dann bräuchte es allerdings mehr Risikokapital. Hier fehlt es an Anreizen“. Die Kreativität sei da, „aber Österreich ist ein zu kleines Aquarium, um darin große Fische zu züchten. Aber züchten kann man sie“. Er unterstrich zudem die Bedeutung von Mentoren und Business Angels: „Erfolgreiche Start-ups werden getrieben von Gründern, denen gerade mal egal ist, was andere denken, solange sie selbst überzeugt sind, am richtigen Weg zu sein. Gerade deswegen brauchen Gründer Beistand von Personen, die auch Reflexion ermöglichen.“

Viel Unterstützung hat auch Stefan Ponsold, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups SunnyBAG, das unter anderem Umhängetaschen und Rucksäcke mit Solarpaneelen herstellt, bekommen. Neben der Förderbank aws, dem innolab an der Fachhochschule Campus 02, der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG bis zu Business Angels und Crowdfunding-Kampagnen habe man zahlreiche Angebote vorgefunden.

Hier sieht er auch die Pluspunkte für Österreich. Kritik übt Ponsold an der relativ komplizierten GmbH-Gründung in Kombination mit den Notarkosten, dem Mangel an Venture Capital und komplexen Projektanträgen zur Wachstumsfinanzierung. „Wobei ein Mentor – und auf den hört man wirklich – vielleicht sogar wichtiger ist als die Finanzierung“, sagte der Gründer.

In den vergangenen Jahren seien durchaus Fortschritte erzielt worden, so Sara Grasel vom Start-up- und Innovationsportal „Der Brutkasten“. Dennoch: „Österreich muss sichtbarer werden, um wahrgenommen zu werden und internationales Kapital anzulocken. Da gilt es, Signale zu setzen.“ Dazu beitragen könnte, die Kleinheit des Marktes als Vorteil darzustellen. Tel Aviv werbe beispielsweise damit, deshalb ein guter Testmarkt zu sein. Und auch das Thema Datenschutz stelle eine Chance für Europa dar, sich von den USA abzusetzen. „Wir haben inzwischen ein recht gutes „Datenschutz-Branding“, ist Grasel überzeugt.

Der Einladung zum DBT-Auftakt in Graz folgten unter anderem: Alexander Falchetto (APA-IT Informations Technologie GmbH), Gerhard Greiner (Infonova GmbH), Thomas Holzhuber (Holzhuber Marketing und Werbegesellschaft mbH), David Khassidov (Segments Accelerator), Oliver Krizek (NAVAX Unternehmensgruppe), Markus Mair (Styria Media Group AG), Robert Mörth (Mörth & Mörth GmbH), Manuel Müller (CorGro GmbH), Manuel Penaloza (bier-in-aktion.at) und Matthias Ruhri (Zentrum für Entrepreneurship – Universität Graz).

Die DBT-Partnerunternehmen sind:


PREMIUM:
ING-DiBa www.ing-diba.at
NAVAX Unternehmensgruppe www.navax.com

CLASSIC:
A1 Telekom Austria AG www.a1.net
Austrian Power Grid AG www.apg.at
Blue Code / Secure Payment Technologies GmbH www.bluecode.com
Brainloop Austria GmbH www.brainloop.com
Dimension Data Austria GmbH www.dimensiondata.com
e-dialog GmbH www.e-dialog.at
Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG www.sparkasse.at/erstebank
Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) www.feei.at
GroupM www.groupm.com
IBM Österreich www.ibm.com/at/de
Vereinigung der Österreichischen Industrie (Industriellenvereinigung/IV) http://www.iv-net.at
Technische Universität (TU) Wien www.tuwien.ac.at
Werbeplanung.at Verlags GmbH www.werbeplanung.at
Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at  


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DBT - APA-Fotoservice/Jamnig

Im Bild v.l.n.r. Stefan Ponsold (SunnyBAG), Oliver Krizek (NAVAX Unternehmensgruppe), Thomas Stern (Moderator, Braintrust), Helmut Pöllinger (Brainloop Austria), Sara Grasel (Der Brutkasten), Mario Mayerthaler (A1 Telekom Austria).

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7274/

30.10.2015, 12:24
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