Rückschau DBT

DBT "5G und Co.: Neue Netze, neue Chancen" 22.03.2018

Neue Netze, neue Chancen: „5G ist viel mehr als nur Mobilfunk“

Technologie ermöglicht innovative Geschäftsmodelle für viele Industriezweige  –  Einsatzgebiete von vernetzter Fabrik über Unterhaltung bis zur Smart City – Flächendeckende Versorgung bis 2025 angestrebt 

Die für Herbst 2018 geplante Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G wirft schon ihre Schatten voraus. Gerne übersehen wird, dass es dabei nicht nur um mehr Bandbreite geht, sondern um eine Plattform, die gänzlich neue Geschäftsmodelle für eine noch gar nicht absehbare Anzahl von Branchen bieten wird, erklärten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) in Wien.

„5G ist die Voraussetzung für Wachstum in verschiedensten Industrien, nicht nur für den Mobilfunk. Das hat enormes Potenzial“, so Johannes Gungl, Geschäftsführer der Regulierungsbehörde RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post. Es gehe um mehr als schnelleres Surfen, auch wenn beim Datenhunger der Kunden kein Ende absehbar sei und die Netze schon spürbar voller werden. Als Beispiel nannte Gungl das Internet der Dinge. Für die Vernetzung – etwa von Sensoren in Ampeln – brauche es nur kleine Datenmengen. Für kritische Anwendungen, man denke an Tele-Operationen oder autonom fahrende Autos, biete 5G eine höhere Verlässlichkeit und schnellere Reaktionszeiten.

Diese Features würden der Industrie viele Möglichkeiten eröffnen – von der vernetzten Fabrik über den Unterhaltungsbereich bis zur Smart City. Die Mobilfunker wiederum erhielten mit 5G höhere Kapazitäten bei mehr Energieeffizienz und damit ein kostengünstigeres Netz. Es würden künftig aber weitere Player auftauchen, die sich auf bestimmte Herausforderungen spezialisieren – etwa im Bergbau oder der Holzindustrie – und die Konnektivität bei Mobilfunkern zukaufen. Zudem könnten Unternehmen möglicherweise selbst Frequenzen erwerben, um beispielsweise in der Fabrik selbstständig arbeitende Roboter einzusetzen. Dafür werde es auch ein unlizensiertes Frequenzspektrum geben.

Erste Frequenzauktionen im Herbst

In Österreich strebe man an, die flächendeckende Versorgung bis zum Jahr 2025 abzuschließen. Die Regierung erarbeite derzeit eine 5G-Strategie, erste kommerzielle Tests seien bereits durchgeführt worden. Ein 5G-Standard ist in Entwicklung. Erste Frequenzauktionen sind für Oktober oder November 2018 vorgesehen, so der Regulator. Weitere Frequenzen mit einem anderen Ausbreitungsverhalten würden folgen, um größere Flächen auf dem Land abzudecken. Generell gehe der Trend bei 5G weg von Riesenmasten mit großen Antennen, hin zu kleineren Stationen, die an Ampeln oder Fassaden platziert werden. Wichtig sei der Anschluss an Glasfaserleitungen, auch wenn das sehr hohe Kosten nach sich ziehe. „Wir müssen den Ausbau so günstig wie möglich gestalten, damit 5G auch leistbar ist“, sagte Gungl. Auf das Tempo  des Ausbaus hätte auch das Verhalten der „Bezirkskaiser“ einen großen Einfluss.

„Es braucht unter anderem einfachere Genehmigungsverfahren“, pflichtete Georg Löffelmann, Head of Strategy, Innovation & Lifecycle bei der A1 Telekom Austria, bei. Die 5G-Strategie stehe kurz vor dem Abschluss, anschließend sei eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) notwendig, um für Rechtssicherheit zu sorgen. „Erst dann kann man rechnen und mitsteigern“, erklärte Löffelmann. Die Bemühungen der Politik und des Regulators bei 5G aufzuholen seien jedenfalls spürbar. Es gebe quer durch alle Sektoren und Bereiche Chancen – von Assistenzsystemen bis zur Industrie 4.0. So erlaube die massive Vernetzung beispielsweise auch eine energieeffiziente Steuerung bei der Parkplatzsuche. Viele potenzielle Anwendungen seien derzeit aber noch unbekannt.

Glasfaserausbau kostet rund zehn Mrd. Euro

Österreich brauche flächendeckende Glasfasernetze, um die künftigen Bandbreiten- und Qualitätsanforderungen, insbesondere der Wirtschaft, zu erfüllen, so Florian Schnurer, der für den Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie tätig ist. Das werde rund zehn Mrd. Euro kosten. Förderungen seien wichtig, besonders damit der Ausbau auch im ländlichen Raum stattfinde. „Da könnten etwa die Straßenlaternen oder das Gemeindeamt kostenlos für die Ausstattung mit Antennen zur Verfügung gestellt werden“, sagte Schnurer, der auch Geschäftsführer des Verbands Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) ist.

In der Medienbranche sei die Bandbreite derzeit ausreichend, so Alexander Falchetto, Geschäftsführer der APA-IT. Große Veränderungen bringe das Internet der Dinge. Die schiere Anzahl der mit dem Internet verbundenen Dinge würde die Möglichkeiten der heutigen 4G- und WiFi-Netze sprengen. „Einfache, sehr preiswerte Chips mit lebenslanger Stromversorgung werden es sinnvoll machen, jedes Ding, das mehr als 100 US-Dollar kostet, auch wegen der aller kleinsten Vorteile mit dem Internet zu verbinden“, gab sich Falchetto überzeugt.

„Die Zukunft ist vernetzt und das führt zu einem verstärkten Medienkonsum, weil wir Zeit gewinnen“, meinte Marlene Auer, Chefredakteurin der Medien „Horizont", „Bestseller" und „update". So könne man in autonom fahrenden Autos beispielsweise Videos schauen. 5G eröffne für die Medienbranche, aber auch für Marketing und Agenturen, vielfältige Möglichkeiten. Es werde ganz neue Formate, Inhalte und Distributionswege geben. „5G bietet viele Chancen, etwa im Bereich Augmented Reality, smarte Assistenten oder Künstliche Intelligenz. Ganz absehbar ist das aber noch nicht. Es wird noch viel experimentiert werden müssen“, so Auer.


DBT - APA-Fotoservice / Schedl

Im Bild v.l.n.r.: Georg Löffelmann (A1 Telekom Austria), Johannes Gungl (RTR), Marlene Auer (Manstein Zeitschriftenverlag), Alexander Falchetto (APA-IT), Thomas Stern (Moderation, Braintrust), Florian Schnurer (FEEI), Foto: APA-Fotoservice/Schedl

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/9990

23.03.2018, 11:31
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