Rückschau

Digital Business Trends: "Die Schattenseiten der Digitalisierung am 20.10.2016

Digitalisierung: Viel Licht, aber auch Schattenseiten

Podiumsdiskussion beleuchtete Nebeneffekte der aktuellen Entwicklung – Experte: „Nicht alles machen, was möglich ist“

Die Chancen und Potenziale der Digitalisierung elektrisieren Unternehmen und beherrschen die Medien. Schön langsam werden aber auch die Schattenseiten dieser Entwicklung zum Thema. Nicht zu Unrecht, gaben sich Experten bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Plattform „Digital Business Trends“ in Graz überzeugt.

„Big Data, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz oder Industrie 4.0 werden großteils mit positiven Entwicklungen verbunden. Die reale Entwicklung entspricht in vielen Belangen aber ganz und gar nicht diesen Erwartungen“, erklärte Johann Čas vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Als Beispiel nannte er Algorithmen, die unsere Autonomie einschränken: Immer mehr Entscheidungen würden von Maschinen getroffen und hätten massiven Einfluss auf unseren Alltag: „Bekomme ich einen Kredit? Welche Produkte werden mir angeboten?“ Es gebe zwar keinen faktischen Zwang, sich dem zu unterwerfen. In der Realität könne man sich dieser Entwicklung aber kaum entziehen. Chatbots würden zwar zur Verbesserung der Servicequalität genutzt, aber ebenso, um politische Meinungen zu beeinflussen. Ein großer Teil der Twitter-Botschaften rund um US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump stamme inzwischen von Chatbots.

Ein weiterer Bereich sei Individualisierung statt Solidarität: „Arbeitsprozesse werden flexibler, was aber auch dazu führt, dass es bei Mini-Jobs über Internetplattformen kaum Arbeitnehmerschutz gibt. Solange beide Seiten davon profitieren, ist das in Ordnung, aber die Realität sieht anders aus“, so Čas. Würden diese Schattenseiten nicht mitgedacht, könnte das letztendlich auch negative wirtschaftliche Auswirkungen haben: „Wer seinen Job durch die Digitalisierung verliert, hat kein Geld, um Urlaub zu machen.“

Technologieverweigerung kann zum Untergang führen

„Die Arbeitslosigkeit unter Brainworkern wird auf alle Fälle steigen. Und wenn Taxis autonom fahren, sind die Fahrer arbeitslos“, meinte auch Alexander Falchetto von der APA-IT. Noch seien gar nicht alle Auswirkungen absehbar, denn „die Digitalisierung kommt erst so richtig ins Rollen“. Autonomes Fahren sei beispielsweise bis vor wenigen Jahren unrealistisch gewesen. Zwar würden noch schwierige Themen auftauchen, insgesamt sei der Effekt aber positiv. Denn: „In vielen Branchen ist Technologieverweigerung keine Risikominimierung, sondern führt zum sicheren Untergang“, so Falchetto.

„Wer technologisch nicht mitzieht, ist weg. Und ja, die Entwicklung wird noch schneller. Aber Gegenmaßnahmen und Aufklärung kommen ebenfalls in Schwung“, zeigte sich auch Gilbert Wondracek von Deloitte Österreich überzeugt. Denn eine gute Entscheidung treffen zu können, setze voraus, sich des Risikos beziehungsweise der Konsequenzen bewusst zu sein. Oft sei der „Wert“ von Daten für Angreifer beispielsweise klarer ersichtlich als für die Unternehmen selbst, da die gewonnenen Informationen für weitere Angriffe missbraucht werden könnten.

Umgang mit Daten von Kindesalter an lernen

Um mithalten zu können, sei ein ständiges Lernen beziehungsweise Auffrischen des Wissens, gerade im Security-Bereich, notwendig, erklärte Michael Ranz vom IKT-Dienstleister Dimension Data Austria. Hier gebe es immer wieder neue Bedrohungen und Lösungsansätze, auf die sich Unternehmen einstellen müssten. Der richtige Umgang mit Daten müsse allerdings bereits „von Kindesalter an gelernt werden. Denn wer nie mit dem Thema Datensicherheit konfrontiert wurde, kann auch später nicht sorgsam mit Unternehmensdaten umgehen und das Risiko einschätzen“. Hier gebe es massiven Aufholbedarf.

Für die soziale Verträglichkeit der Digitalisierung zu sorgen, sei auch Aufgabe der Politik, strich Čas hervor. Dazu brauche es nicht unbedingt neue Beschränkungen, es würde teilweise schon reichen, bestehende Gesetze durchzusetzen. „Es wird die Aufgabe von Wirtschaft und Politik sein, nicht alles zu machen, was möglich ist. Denn wenn es uns schon jetzt nicht gelingt, Technologie stärker zu unserem Vorteil einzusetzen, wie sollen wir das dann schaffen, wenn künstliche Intelligenz und Co. unser Leben bestimmen?“, fragte sich der Experte.


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DBT - APA-Fotoservice/Jamnig

Im Bild v.l.n.r.: Alexander Falchetto (APA-IT), Michael Ranz (Dimension Data Austria), Thomas Stern (Moderator, Braintrust), Gilbert Wondracek (Deloitte Österreich) und Johann Čas (Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW), Foto: APA

Weitere Bilder unter: https://www.apa-fotoservice.at/galerie/8367/

21.10.2016, 13:42
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