Rückschau

Digital Business Trends: "Arbeiten 4.0 – Wie die Digitalisierung die Berufswelt verändert" am 19.05.2016

Digitalisierung vernichtet Jobs, schafft Jobs - Bilanz noch unklar

Auswirkungen der Automatisierung auf den Arbeitsmarkt– Intelligente Maschinen werden laut Studien viele Jobs von Menschen übernehmen - Aber auch neue Berufsbilder entstehen

Welche Auswirkungen der technische Fortschritt auf den heimischen Arbeitsmarkt haben wird, ist derzeit Gegenstand heftiger Diskussionen. Während die österreichische Bevölkerung laut einer aktuellen Umfrage von Marketagent.com (im Auftrag der DBT) mehrheitlich davon ausgeht, dass die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze vernichtet als schafft, zeigten sich Experten bei einer Podiumsdiskussion der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) uneins. 

„Die Debatte um die Digitalisierung hat schon fast religiösen Charakter. Man fühlt sich an einen Glaubenskrieg erinnert. Dabei kann wissenschaftlich gar nicht genau belegt werden, ob beispielsweise Roboter nun gut oder schlecht sind“, erklärte Carsten Brzeski, Chef-Volkswirt der ING-DiBa. Klar sei, dass intelligente Maschinen nicht mehr nur in der Industrie eingesetzt würden. Artikel könnten von Programmen statt Journalisten geschrieben, Röntgenbilder von Computern statt Radiologen ausgewertet werden. 

„Neu ist, dass die Digitalisierung nicht mehr nur einfache Tätigkeiten erfasst, sondern auch Wissen ersetzbar macht. Manche Berufsgruppen werden total verschwinden“, so Brzeski. Neue Arbeitsplätze entstünden vor allem in kreativen Bereichen, nicht mehr bei langweiligen Routinearbeiten. Die Verschiebung weg von der Arbeit hin zum Kapital werde zudem den Druck auf die Sozialsysteme und die Forderungen nach Umverteilung verstärken. „Fest steht: Die Digitalisierung ist da. Ob sie gut oder schlecht ist, wird sich erst zeigen“, gab sich der Volkswirt überzeugt. 

Weiterbildung und Flexibilität werden wichtiger

„Bestehende Berufsbilder werden sich im Zuge der Digitalisierung ändern. Die meisten Berufe verschwinden aber nicht einfach“, erklärte Roland Sommer, Geschäftsführer des Vereins "Industrie 4.0 Österreich – die Plattform für intelligente Produktion“. Vielmehr würden neue Tätigkeitsprofile mit höheren Qualifikationsanforderungen entstehen. Immer wichtiger seien deshalb Weiterbildung und Flexibilität. 

Die menschenleere Fabrik werde es jedenfalls nicht geben. „Im kreativen Bereich der Produktentstehung bleibt die menschliche Intelligenz unverzichtbar“, so Sommer. Verbesserungspotenziale durch Automatisierung seien an einem bestimmten Punkt erschöpft. Die Gesamtzahl der Arbeitsstellen werde sich bis 2030 nicht maßgeblich verändern – sehr wohl aber die Ströme auf dem Arbeitsmarkt. 

Optimistisch zeigte sich auch Martin Fluch von der A1 Telekom Austria. Schließlich seien im Laufe der industriellen Revolution von einer Stufe zur nächsten immer mehr Jobs geschaffen worden. Allerdings nehme die Geschwindigkeit der Veränderung in den Märkten laufend zu, was für größere Organisationen und produzierende Unternehmen mit festgelegten Abläufen in ihren Anlagen eine große Herausforderung darstelle. Er verwies auch auf Hürden, die es schwer machen würden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. So dränge beispielsweise die starke Regulierung Unternehmen an den Rand der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. 

Freigeister und Kreativität sind gefragt

Der aktuelle Wandel könne nicht nur an einem Produkt oder einem einzelnen Service festgemacht werden, sondern bedürfe einer Veränderung des gesamten Unternehmens, stellte Fluch, der im April mit dem CIO Award als „IT Manager des Jahres“ ausgezeichnet wurde, klar. „Wir brauchen Freigeister, die Probleme von verschiedenen Seiten sehen. Die sind durch den Fokus auf Spezialisten etwas verloren gegangen. Da müssen wir wieder hin“, so der Experte. 

„Das Bildungssystem muss sich rapide ändern. Wir müssen weg von Spezialisten hin zu Personen, die ihr Wissen in verschiedene Bereiche transformieren können. Es geht darum, kreatives Denken wieder beizubringen und zu erlauben“, betonte auch Jakob Weinknecht von der NAVAX Unternehmensgruppe. Die Lehrpläne des letzten Jahrhunderts würden den neuen Anforderungen jedenfalls nicht mehr gerecht. 

Chancen für kleinere Unternehmen

Die Arbeitswelt befinde sich in einem Wandel, der nicht mehr aufzuhalten sei. „Dadurch entstehen neue Betätigungsfelder und Arbeitsplätze, aber im Gegenzug werden natürlich auch viele zerstört“, so Weinknecht. Gleichzeitig würden die Digitalisierung und das Internet der Dinge vor allem für kleinere Unternehmen eine Chance darstellen, um Nischen zu erschließen und neue Marktanteile zu gewinnen.   

Vor einer zu eingegrenzten Sichtweise auf das Thema Digitalisierung warnte Markus Posch, Personalchef der Erste Group. „Das ist keine Maschine, die erfunden wurde, um uns effizienter zu machen. Es geht um einen Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung, von dem kein Bereich unseres Lebens unberührt bleibt“, erklärte Posch.  

Damit verbunden sei auch eine enorme Umstellung für die Mitarbeiter. „Es geht nicht mehr darum, Transaktionen durchzuführen, sondern den Kunden qualitativ zu helfen. Wir müssen die digitalen Medien nutzen, um unseren Job besser zu machen“, ist der Manager überzeugt. Das erfordere Wissen und Kompetenz in allen wirtschaftlichen Belangen – nicht nur im Bereich der Finanzbranche.

Thomas Schwabl, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Marketagent.com, präsentierte im Zuge der DBT-Veranstaltung zum Thema „Arbeiten 4.0“ die Ergebnisse, der im Auftrag der DBT durchgeführten Umfrage zur „Digitalisierung der Berufswelt“. Eine Summary steht hier zum Download zur Verfügung: 

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Die DBT-Partnerunternehmen sind:


Premium Partner:
ING-DiBa www.ing-diba.at
NAVAX Unternehmensgruppe www.navax.com

Wissenschaftlicher Partner:
Technische Universität (TU) Wien www.tuwien.ac.at

Classic Partner:
A1 Telekom Austria AG www.a1.net
CMS Reich-Rohrwig Hainz www.cms-rrh.com
Dimension Data Austria GmbH www.dimensiondata.com
Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG www.sparkasse.at/erstebank
Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) www.feei.at
GroupM www.groupm.com
IBM Österreich www.ibm.com/at/de
Werbeplanung.at Verlags GmbH www.werbeplanung.at
Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at  


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DBT - APA-Fotoservice/Hörmandinger

Im Bild v.l.n.r.: Carsten Brzeski (ING-DiBa), Martin Fluch (A1 Telekom Austria), Roland Sommer (Verein Industrie 4.0 Österreich), Thomas Stern (Moderator, Braintrust), Thomas Schwabl (Marketagent.com), Jakob Weinknecht (NAVAX Unternehmensgruppe) und Markus Posch (Erste Group)

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7825/

20.05.2016, 12:27
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