Netzwerken im „Ort des Lebens“

von: Oliver Krizek, NAVAX Unternehmensgruppe

Das Silicon Valley ist einer der bedeutendsten Standorte der IT- und High-Tech-Industrie weltweit und vereint auf einer Größe von ungefähr 70 Kilometern Länge und 30 Kilometern Breite die geballte Ladung an Wissen und Innovation. „Netzwerken“ ist dort das Schlüsselwort schlechthin. Es findet eine enge Verzahnung hochausgebildeter Menschen, die aus der ganzen Welt kommen, statt, die offen für den gegenseitigen Austausch sind und einander inspirieren. Gefördert wird diese Einstellung durch das Leben im Micro-Kosmos, mit anderen Arbeitszeiten und Lebenseinstellungen als bei uns in Österreich bzw. Europa.

Das spiegelt sich auch in der Büroausstattung wider: Büros werden zum Lebensraum und sind nicht der „Ort des Arbeitens“. Alles Dinge, die meines Erachtens Vorbildwirkung für uns haben und auch in Österreich verstärkt umgesetzt werden sollten.

Scheitern ist in den USA erlaubt. Denn Kapitalgeber investieren auch in eine Person mit einer Idee, die im Vorfeld schon einmal Schiffbruch erlitten hat, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass aus den Fehlern gelernt wurde und diese normalerweise kein zweites Mal passieren.

Ganz anders ist diesbezüglich die Einstellung in Österreich und Europa: Nach einer Insolvenz befindet man sich am Rande der Gesellschaft und die Gesetzgebung legt einem erneuten Unternehmertum Steine in den Weg und ist dementsprechend kontraproduktiv.

Auch Förderungen funktionieren in Österreich anders: Öffentliche Stellen vergeben diese, die von Sachbearbeitern bearbeitet werden. Ihr Augenmerk liegt auf der Erfüllung der Formalitäten und nicht auf dem eventuellen Erfolg einer Idee. Die Einhaltung der Auflagen ist mit sehr viel Aufwand verbunden, den oftmals nur große Unternehmen in Angriff nehmen und der kleinere Firmen abschreckt. Da hakt es in unserem System, in dem der Formalismus im Mittelpunkt steht – das gehört geändert und vereinfacht.

In Österreich gibt es mittlerweile auch vereinzelte Innovationshubs, die allerdings nicht zentral an einem Ort angesiedelt, sondern verteilt in verschiedenen Bundesländern sind. Dadurch fehlt es bei uns noch an Durchschlagskraft.

An innovativen Ideen mangelt es uns nicht, nur müssen wir noch lernen, diese bei uns zu behalten. Derzeit entwickeln wir in Europa als Vordenkländer tolle Ideen, die ins Silicon Valley abgezogen werden und dort bleiben. Extrem hohe Gehälter und andere Anreize machen das möglich. D.h. der Samen wird im jeweiligen Land gesät, aber vom Silicon Valley aufgesaugt und vereinnahmt. Zukünftig sollte das Ziel sein, eine Idee gut zu verkaufen, aber auch darauf zu achten, dass das Geld wieder zu uns ins Land zurück fließt und nicht in den USA bleibt.
Kommentar hinterlassen

Kommentare (0)

Keine Kommentare vorhanden

Den DBT-Blog abonnieren

RSS Feed

Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter