Brauchen wir ein neues Menschenrecht – das Recht, unser digitales Bargeld selbst zu wählen?

von: Thomas Zeinzinger, BlockchainHub Graz 

Werttransaktionen sind die Basis unseres Wirtschaftssystems und ohne Geld als einfaches Tauschmittel wären das erreichte Wirtschaftswachstum und die globale Arbeitsteilung nicht denkbar gewesen. Mit dem Teilreservebanksystem, bei dem mindestens 80 Prozent des Geldes reines Buchgeld ist, sogenanntes Giralgeld, wurde weiters eine hohe Flexibilisierung der Kreditvergabe erreicht[1][2]. Mittlerweile ist so viel Geld im Umlauf, dass die Investoren von heute ausreichend Liquidität besitzen, um Technologien wie Digitalisierung, Gentechnik oder künstliche Intelligenz voranzutreiben. Dabei übernehmen hier Start-ups auch Bereiche, die früher nur von Staaten finanziert werden konnten. Man denke hier nur an Elon Musk mit SpaceX und der geplanten Marsmission.

Die Entwicklung der Blockchaintechnologie und der Kryptowährungen dringt hier in einen weiteren staatlichen Bereich ein – der Geldschöpfung und Verteilung. Auf dieses Eindringen reagieren Staaten einerseits mit Regulierungsversuchen [3] bzw. überlegen selbst, eigene staatlich kontrollierte Kryptowährungen herauszugeben[4], [5]. Denn die Technologie an sich verspricht viele Vorteile: eine Verringerung bzw. Eliminierung von Transaktionskosten, die Zahlung in Echtzeit wie auch Fälschungssicherheit. Banken oder Kreditkarteninstitute könnten als Dienstleister im Zahlungsverkehr an Bedeutung verlieren. Denn die Weiterentwicklungen bei mobilen Technologien wie dem Smartphone versprechen, dass es einfach und bequem wird, im Alltag mit diesen digitalen Werteinheiten zu bezahlen. Möglicherweise so bequem, dass es unser Jahrhunderte alte System des Bargeldes mit der Zeit ersetzen könnte – hin zu einer völligen Digitalisierung des Geldes.

Gleichzeit verspricht eine eigene digitale Währung dem Staat und dessen Behörden auch mehr Kontrolle und Übersicht. Hier unterscheidet sich die staatliche Kryptowährung stark vom Bargeld. Denn Bargeld wird von der Bevölkerung unter anderem auch deshalb geschätzt, weil die Transaktionen schwer bis nicht nachvollziehbar sind. Bargeld schützt in dem Sinne unsere Privatsphäre, und auch wenn es hier Potenzial gibt, dass dies für Verbrechen und Betrug genutzt wird, ist diese finanzielle Freiheit auch die Basis für Werte, die in unserer Gesellschaft hochgeschätzt werden – wie Meinungsfreiheit und Individualität.

Gerade in Österreich hat man einen im Europa-Vergleich hohen Anteil an Bargeldzahlungen – 82 % aller Transaktionen und 65 % des gesamten Zahlungsvolumens[6]. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Liebe zum Bargeld geht so weit, dass es angesichts der europäischen Regulierungsversuche mit Bargeldobergrenzen und Abschaffung des 500ers Überlegungen gab, das Recht auf Bargeld gesetzlich auf Verfassungsrang zu verankern[7].

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung und des raschen Wandels sollte man noch weiter denken, um Privatsphäre und Anonymität beim Bezahlen schützen zu können – es braucht die Diskussion um das Recht auf die freie Wahl von digitalen Bargeld in Form von Kryptowährungen. Denn damit Kryptowährungen die Funktion von Bargeld in einer digitalen Welt übernehmen können, braucht es Anonymität bzw. zumindest Pseudonymität. Dass eine staatliche Kryptowährung so definiert wird, ist eher nicht wahrscheinlich und darum ist Wahlfreiheit beim zukünftigem digitalen Bargeld unerlässlich. Dezentrale und unregulierte Währungen wie Bitcoin, Ether, ZCash oder Monero können hier von unschätzbarem Wert sein, um jeden Menschen ein gewisses Maß an Privatsphäre zu erhalten. 

Kommentar hinterlassen

Kommentare (0)

Keine Kommentare vorhanden

Den DBT-Blog abonnieren

RSS Feed

Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter