Worüber reden wir eigentlich: Awareness oder Wissensmanagement?

von: Hilda Tellioglu, TU Wien - Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung

Heutzutage versuchen moderne Unternehmen sich in der Einrichtung ihrer internen Kommunikations-, Kooperations- und Koordinationsprozesse an State of the Art Technologien zu orientieren. Einerseits versuchen sie durch die Anwendung moderner Web 2.0 Systeme ihre Geschäftsabwicklungsabläufe zu modernisieren und die Produktivität zu steigern. Dabei berücksichtigen sie nicht immer 100%ig aber doch immer mehr die Aspekte Sicherheit, Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Effizienz. Andererseits stehen Unternehmen noch immer vor der Herausforderung der Entscheidungsfindung, ob herkömmliche erprobte Prozeduren doch noch ganz optimal für ihre Vorhaben und für ihre organisatorischen und soziotechnischen Gegebenheiten sind als die neuen Möglichkeiten, die durch Social Media und neue Internettechnologien entstanden sind. 

Es ist an der Zeit festzuhalten, welche Faktoren, Technologien, Ansätze und Maßnahmen in diesem Sinne für ein Unternehmen ausschlaggebend sind. Wie können wir die Entscheidungsträger in Unternehmen dabei unterstützen? 

Zunächst müssen wir den richtigen Begriff und Zugang für sie definieren, mit deren Hilfe eine Erhebung und eine Analyse des Ist-Zustandes bzw. eine informierte Entscheidung für einen Soll-Zustand ermöglicht werden kann. Der Forschungsschwerpunkt CSCW (Computer Supported Cooperative Work) verwendet dafür den Begriff „Awareness“ und beschreibt ihn in unterschiedlichen unternehmerischen Zusammenhängen, wie z.B. in den Tätigkeiten in einem kollaborativen Projekt, in impliziten Informationen über gemeinsame Artefakte, die durch mehrere generiert und modifiziert werden. Awareness in diesem Sinne meint, einen ausreichenden Kontext für die Aktivitäten einzelner Teammitglieder zu generieren, um die Arbeit einzelner für andere zugänglich und verständlich zu machen. Wenn man nicht versteht, was, wie und warum die ProjektkollegInnen in einem gemeinsamen Vorhaben tatsächlich tun, kann man nicht wirklich mit ihnen kooperieren, ihnen helfen und vor allem als ein richtiges Team agieren. 

Wissen eines Unternehmens ist nicht nur in seinen Produkten, Dokumenten und Dienstleistungen aufgezeichnet, es ist in den Köpfen seiner MitarbeiterInnen, in den Prozessen der Zusammenarbeit, in persönlichen und gemeinsamen Erfahrungen, in gemeinsam erstellten Dokumenten. Awarenessmechanismen bieten einen Zugang zu diesen Formen des impliziten Wissens an. Sie dokumentieren und „codieren“ sogar das Organisationslernen über längere Zeitperioden. Also, wenn wir das Wissen in einem Unternehmen festhalten, pflegen und verwalten möchten, müssen wir uns zuerst mit den richtigen Awarenessmechanismen beschäftigen, die geeigneten Mechanismen identifizieren und einsetzen. Damit wird das Wissensmanagement automatisch etabliert.

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